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Schlechte Nachricht für Arbeitnehmer

Ursula Engelen-Kefer • 07. December 2009

Mehr Netto vom Brutto? Streichliste der Steuervergünstigungen fängt bei Arbeitnehmern an. Foto: pixelio_R_Sturm
Mehr Netto vom Brutto? Streichliste der Steuervergünstigungen fängt bei Arbeitnehmern an. Foto: pixelio_R_Sturm

Die Streichvorschläge zielen wieder Mal vor allem auf die arbeitenden Menschen. Ganz oben an stehen die Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit und die Arbeitnehmersparzulage. Zur Streichung empfohlen wird ferner die ermäßigte Umsatzsteuer auf Bücher und Zeitschriften. Hauptleidtragende wären die in der Finanz- und Wirtschaftskrise durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit bereits schwer gebeutelten Arbeitnehmer.

"Wachstumsbeschleunigungsgesetz" für eine spezielle Klientel

Wenn es in den letzten Wochen seit Beginn der neuen schwarz-gelben Koalition noch Zweifel über den künftigen Regierungskurs gab, schärfen sich jetzt die Konturen, was es mit den vollmundigen Wahlversprechen von "mehr Netto vom Brutto" auf sich hat. Nach dem kostengünstigen und besonders werbewirksamen Auftaktgeschenk an die Hartz IV Empfänger, höhere Freibeträge für Altersvorsorgevermögen und Heraufsetzung der Zuverdienstgrenzen, einigte sich die schwarz-gelben Koalitionäre auf ein "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" für eine spezielle Klientel, die den Wahlsieg der Christlich-Sozialen und Liberalen befördert hat.

Das nun mit Mehrheit vom Bundestag verabschiedete Wachstumsbeschleunigungsgesetz sieht Steuererleichterungen vor allem für besserverdienende Familien, Privat- und Firmenerben sowie Unternehmen vor. Die Steuerausfälle summieren sich auf insgesamt 8,5 Mrd. Euro. Allein 4,6 Mrd. Euro kosten diese Steuergeschenke, rechtzeitig vor Weihnachten, für die Familien. Hierbei wiegt allerdings die Heraufsetzung der Kinderfreibeträge bei der Lohn- und Einkommenssteuer von bisher 6024 auf zukünftig 7008 Euro im Jahr besonders schwer. Dumm ist nur, dass sie sich erst bei einem Jahreseinkommen von 63 391 Euro rechnen, also kaum für den Großteil der Familien in Deutschland, die unter dieser Einkommensgrenze liegen.

Für sie gibt es eine monatliche Erhöhung des Kindergeldes von 20 Euro, also 480 Euro für zwei Kinder pro Jahr. Der Titel dieses Gesetzes als "Wachstumsbeschleunigung" dürfte daher zu anspruchsvoll gewählt sein. Die Steuerentlastungen für die unteren und mittleren Einkommensbezieher, bei denen Einnahmeverbesserungen die größten Auswirkungen auf Nachfragesteigerungen haben dürften, bleiben höchst bescheiden. Bezweifelt werden muss, ob die ebenfalls vorgesehenen Steuervergünstigungen für die Besserverdienenden, die Erben, die Unternehmen wie auch die Landwirtschaft die Wirtschaft beschleunigt ankurbeln können.

Einschränkung öffentlicher Dienste absehbar

Weniger zweifelhaft sind allerdings die negativen Rückwirkungen dieser weihnachtlichen Steuergeschenke für die Länder, Kommunen und breite Schichten der Bevölkerung: 2,3 Mrd. Euro sollen die Länder zu dem Steuerpacket beitragen und 1,6 Mrd. Euro die Kommunen. Der laute Aufschrei verschiedener Ministerpräsidenten von CDU und SPD sowie der Kommunalvertreter dürfte keine Zweifel daran lassen, wer im Endeffekt die Zeche zu zahlen hat. Treffen wird es vor allem die Bürger mit der Einschränkung und Verteuerung öffentlicher Dienste und Leistungen. Und dies in einer Zeit, wo die Finanz- und Wirtschaftskrise noch längst nicht überwunden ist sowie ein weiterer Anstieg von Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit mit den gravierenden Folgekosten auch für die Kommunen noch bevorsteht.

In einer solchen wirtschaftlichen und sozialen "Gemengelage" lässt Bundesfinanzminister Schäuble jetzt die Katze weiterer gravierender steuerlicher Belastungen für die Arbeitnehmer aus dem Sack. Unverfänglich etikettiert wird dies als Subventionsabbau, der gemeinhin seit Jahren als überfällig angesehen wird, zumal nach verschiedenen Warnungen der Rechnungshöfe über Verschwendung und Missbräuche bei Subventionen.

Dahinter verbirgt sich allerdings eine massive Verschlechterung der Einkommen für viele Arbeitnehmer, vor allem durch den vorgeschlagenen Abbau der Steuerbefreiung für Zuschläge bei Nacht-, Schicht- und Feiertagsarbeit sowie die Arbeitnehmersparzulage. Wenig tröstlich für viele Arbeitnehmer ist, dass die Gutachter die massive Förderung der Riesterrente für gerechtfertigte Subventionen halten. Immerhin geht es dabei um Steuerausfälle von über 12 Mrd. Euro im Jahr, die vor allem den Besserverdienenden zugutekommen, während sich die unteren Einkommensbezieher mit erheblich weniger kostspieligen staatlichen Zulagen zufrieden geben müssen. Dabei können sich viele von ihnen eine Riesterrente überhaupt nicht leisten. Dies wiegt umso schwerer, da gerade sie in der Krise durch Lohndrückerei, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit einen erheblichen Aderlass bei ihren Einkommen hinnehmen müssen.

So sieht also das Versprechen von CDU/CSU und FDP "Mehr Netto vom Brutto" aus: Für die Mehrzahl der Arbeitnehmer im unteren und mittleren Einkommensbereich droht dies zu einem Danaergeschenk zu Weihnachten 2009 und danach zu werden.

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