Auf die ärgsten Klimasünder mit Fingern zu zeigen, um selber nichts zu tun, auch das wird dem späteren Urteil der Geschichte nicht standhalten. Die Staatengemeinschaft muss in ihrer Gesamtheit beweisen, dass sie imstande ist, die katastrophalen Folgen eines ungebremsten Klimawandels von der Menschheit abzuwenden.
Die neue Bundesregierung verspricht wie ihre Vorgängerin, die deutschen Treibhausgasmengen bis 2020 um vierzig Prozent zu senken. Mit diesem Ziel hebt sie sich zwar rühmlich von fast allen anderen Konferenzteilnehmern ab. Doch auch das würde nicht reichen, um den Anstieg der Weltmitteltemperatur auf 2 Grad Celsius zu beschränken, wie es die Klimawissenschaftler praktisch unisono für geboten halten.
In zwanzig Jahren auf Null
Bei einer gerechten Verteilung der Lasten für den Weltklimaschutz , müssten die Deutschen ihre CO2-Emissionen schon bis 2020 um die Hälfte ausgehend vom heutigen Niveau senken und sie hätten
nur noch zehn weitere Jahre Zeit, um ihren Ausstoß an Verbrennungsgasen auf Null zu bringen. Dies gilt, wenn die bis 2050 noch eben vertretbaren Emissionen auf alle Köpfe der Weltbevölkerung
unterschiedslos verteilt werden.
Und das wären für jeden Deutschen wie für jeden Inder für die nächsten vierzig Jahre zusammen 110 Tonnen CO2. Die hätten wir Deutsche beim heutigen Emissionsniveau in gerade einmal zehn
Jahren aufgezehrt.
Röttgen liegt falsch: "Grüne" Technik allein reicht nicht!
Ehrlicherweise müsste die Bundesregierung sagen, dass selbst dann noch große Zumutungen auf die Bevölkerung zukommen, wollte man auch nur die versprochenen 40 Prozent Emissionsminderung erreichen. Von den nötigen Anstrengungen für eine Null-Belastung des Klimas fängt sie erst gar nicht an zu reden. Stattdessen spricht der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen davon, dass eine neue, eine bessere Technik dies alles für uns erledigt und dass sich die Menschen in keiner Weise einschränken müssen. Wie schön und wie falsch!
Nicht jedes Jahr nach Mallorca und nicht jeden Tag ein Steak
Wollte man das deutsche Klimagas-Konto über vierzig strecken, müsste jeder Deutsche seine persönliche CO2-Emission auf ein Viertel oder 2,7 Tonnen pro Jahr senken. Mit einer vierzehntätigen Flug-Reise nach Mallorca hätte er schon die Hälfte seines Jahresguthabens verbraucht. Mit einer ebenso langen Urlaubsreise nach Mexiko hätte er sein Klimakonto mit einem Schlag gleich für zwei Jahre abgeräumt, wie der der WWF hat errechnen lassen. Viele deutschen Autobesitzer wären allein mit der jährlichen Kilometerleistung ihres PKW schon am Ende ihres Klimalateins. Jeden Tag ein großes Stück Rindfleisch auf dem Teller und im Winter Erdbeeren aus Südafrika, das hat auf der kleinen Kuhhaut eines klimagerechten Lebensstils zusammen nicht Platz.
Wer den Leuten sagt, Klimaschutz koste sie nichts, führt sie in die Irre. Deutschland mag als "Ökopionier" mit dem Verkauf von grüner Technik in aller Welt Geld verdienen. Aber damit sind Klimaschutz und Wachstum noch lange nicht zwei Seiten einer Medaille, wie Siemens-Chef Peter Löscher schwärmerisch meint.
Die Politik ist an der Reihe
Mit und ohne Klimaschutz gehen wir großen Umbrüchen entgegen, die auch viele Verlierer sehen werden. Weil er uns in letzter Konsequenz gewaltige Anstrengungen abverlangt, ist Klimaschutz nicht nur die Aufgabe der Politik, sondern auch jedes einzelnen. Jeder einzelne Mensch und jedes Unternehmen ist aufgefordert, unter unserem Beifall auf diesem Wege beispielhaft voranzugehen. Doch in Kopenhagen ist zuerst einmal die Politik an der Reihe zu zeigen, was sie leisten kann. Niemand wird es ihr nachsehen, wenn sie dabei zu kurz springt.







