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„Wichtig ist, was jemand kann“

Julia Hamann • 01. December 2009

Foto: pixelio.de/Dieter Schütz
Foto: pixelio.de/Dieter Schütz

Bildung ist der Schlüssel, Bildung ist der Motor, Bildung ist unser Kapital. So lauten nur einige Schlagworte, die regelmäßig in Diskussionen und Absichtserklärungen fallen. Die Erkenntnis "Bildung ist unsere Zukunft" ist so selbstverständlich, dass sie schon fast trivial erscheint: Gute Bildungspolitik ermöglicht gesellschaftliche Gerechtigkeit und sollte jeden Einzelnen befähigen, ein eigenbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu führen. Sie ist die Grundlage, auf der im Laufe des beruflichen Werdegangs mit Fort- und Weiterbildung solide aufgebaut werden kann.

Bildungschancen

Nicht erst seit der PISA-Studie ist bekannt, dass insbesondere in Deutschland Schüler mit Migrationshintergrund nicht nur in Bezug auf die Bildungsbeteiligung, sondern auch in Hinblick auf den schulischen Kompetenzerwerb benachteiligt sind. Nach wie vor besuchen Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund seltener das Gymnasium bzw. die Universität, sind überrepräsentiert auf Haupt- und Sonderschulen, gehen häufiger ohne Abschluss ab und verbleiben ohne Berufsausbildung.

Gleichzeitig werden bis heute die Potenziale der Einwanderer nicht ausreichend von der Wirtschaft genutzt. Häufig bringen die zugewanderten Migranten wichtige Qualifikationen und Kompetenzen mit, die allerdings nicht oder nur teilweise anerkannt werden. Auch Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten werden ihnen viel zu wenige offeriert. Eine Ursache liegt in der deutlichen sozioökonomischen und rechtlichen Schlechterstellung: "Eine Kettenduldung ist die denkbar schlechteste Voraussetzung für Bildung und Weiterbildung", so Annelie Buntenbach, Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Perspektivwechsel

Eine Neuorientierung der Integrationspolitik ist dringend notwendig. Deutschland braucht, so Buntenbach, eine Integrationspolitik, "die die Stärken, Ressourcen und Potenziale der Migranten nutzt und nicht immer nur auf die Defizite verweist. Schon im Europäischen Qualifikationsrahmen, dessen Einführung 2004 von 32 europäischen Bildungsministerien beschlossen wurde, heißt es: wichtig ist, was jemand kann, und nicht, wo er es gelernt hat".

Gerade bei der Weiterbildung wurde in den letzten Jahren verstärkt auf kurzfristige, statische Maßnahmen gesetzt, die kaum Flexibilität boten - in Bezug auf Menschen mit Migrationshintergrund mit wenig Erfolg. Klaus Brandner, SPD-Bundestagsabgeordneter, fordert deshalb eine individuelle, passgenaue Förderung, die die Lebensumstände des Einzelnen berücksichtigt.

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