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Verehrte Elfriede

Dorle Gelbhaar • 20. November 2009

Foto: www.elfriede-bruening.de/
Foto: www.elfriede-bruening.de

Verehrer und noch viel mehr Verehrerinnen hatte sie, eine ganze Generation von DDR-Frauen wurde durch sie geprägt. Nach dem Ende des Krieges wollten die jungen Frauen nicht nur Trümmer wegräumen. Sie wollten endlich selbstbestimmt leben. Die Autorin Elfriede Brüning half ihnen dabei. Bei Lesungen wurde sie auch um Rat gefragt. Eine Menge sozialer Kompetenz traute man ihr zu. "Kleine Leute", "Vor uns das Leben", "Kinder ohne Eltern", "Ein Kind für mich allein" " Ich mußte einfach schreiben, unbedingt ..." - sie schrieb Roman um Roman und vor allem die Frauen fanden sich in ihren Büchern wieder. Leichte Lesbarkeit, Unterhaltsamkeit, Frauenthemen - unterhaltsam zu schreiben hatte sie lernen müssen nach dem Verbot ihres ersten sozialkritischen Romans 1933, nach der Verhaftung im Jahre 1935, ihrer Tätigkeit im kommunistischen Widerstand halber. Das einmal erworbene Kapital ließ sie nicht ungenutzt und ihre Leserinnen dankten es ihr.

Ob sie denn ihr Publikum gekannt und auch darauf hingeschrieben habe, fragt eine Frau aus dem Publikum, Marketing-Frau ihres Zeichens und seit einiger Zeit in Berlin wohnhaft. Die Frage ist leicht zu beantworten. Natürlich, hat sie es gekannt.

DDR-Literatur - nur ein Teil

Aber nicht eine etwaige Reduzierung auf das Etikett "Unterhaltungs-, Frauenliteratur" war es, die am Abend des 12.11. im Literaturforum des Brecht-Hauses eine heftige Diskussion in Gang brachte. Ein anderes Etikett erregte die Gemüter: das der DDR-Literatur.

Der Eindruck einer solchen Etikettierung entstand bei einigen der Anwesenden, als der Lüneburger Literaturprofessor Hans Wolfgang Lesch in seiner Laudatio auf die Jubilarin vom Beginn seiner Bekanntschaft mit ihr erzählte und von der an der Lüneburger Universität neu entstandenen Veranstaltungs-Reihe zur DDR-Literatur.

Ein eigentlich löbliches Unterfangen: Diese Reihe zeugt sie von Interesse und kann einen Versuch darstellen, Horizonte zu erweitern. Allerdings umfasst bei einer fast Hundertjährigen naturgemäß die Zeit der DDR nur ein, wenn auch ein großes, Kapitel ihres Lebens.

Maßstäbe

Der Schriftsteller Jürgen Leskien hatte sicher auch Recht damit, dass er forderte, endlich einheitliche Maßstäbe für die deutsche Literatur zu finden, und meinte, es könne nicht sein, dass nur danach gefragt werde, wie das Verhältnis des jeweiligen Autors, der jeweiligen Autorin zum Staat gewesen sei. Andere in der Runde äußerten Ähnliches.

Aber war Hans Wolfgang Lesch der richtige Adressat für diesen Protest? Er meinte es nicht abwertend, als er sagte, die DDR-Literatur habe ja aber anders als die bundesdeutsche stets Bezug auf die gesellschaftliche Realität genommen. Darüber ließe sich sicherlich gut weiter debattieren, zumal in solch anregender Atmosphäre, wie sie im Brecht-Haus zu verzeichnen war. Veranstalter war übrigens der Verband deutscher Schriftsteller in der ver.di, Landesverband Berlin gemeinsam mit dem Literaturforum im Brechthaus.

10.12.2009: 20 Uhr, Dorotheenstädtische Buchhandlung, Berlin, Turmstraße
"Schreiben unterm Hakenkreuz" , Lesung und Gespräch mit Elfriede Brüning
20.02.2010: Brigitte Reimann Haus, Neubrandenburg
23.04.2010: 19.30 Uhr, Studio im Hochhaus 13051 Berlin, Zingsterstr. 25
Lesung und Gespräch mit Elfriede Brüning

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