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Icon   Stephan Askani / Frank Wegner (Hg.): Cotta – „Das gelobte Land der Dichter“

Bekannte Autoren – unbekannte Verleger

Julia Hamann • 16. November 2009

Verlag: Klett-Cotta
Verlag: Klett-Cotta

"Briefe an die Verleger". Schon im Untertitel des Buches schwingt etwas Nostalgisches mit. In Zeiten der modernen Kommunikation, wo der schnöde Satz "Schreiben Sie mir doch eine kurze E-Mail" mechanisch über die Lippen kommt, erscheinen Briefe schon fast wie Relikte aus grauen Vorzeiten, wie liebevolle Überbleibsel aus vergangenen Tagen.

Im Falle der Neuerscheinung "Cotta. Das gelobte Land - Briefe an die Verleger" lohnt es sich, diese Überbleibsel zu entdecken. Als Hommage an die Verlegerpersönlichkeiten aus 350 Jahren Cotta´scher Verlagsgeschichte nehmen sie den Leser auf eine spannende Zeitreise mit. Und - ganz en passant - zeichnen sie zudem kulturgeschichtliche Momente unterhaltsam nach.


Cotta - "das gelobte Land der Poeten"
Die Erfolgsgeschichte Cottas begann mit Johann Friedrich Cotta: 1787 übernahm er die völlig heruntergewirtschaftete Verlagsbuchhandlung seines Vaters. Anfangs mit mehr Schulden als Büchern in Gepäck, schaffte der junge Jurist den Aufstieg. Unter seiner Ägide wurde aus dem "hässlichen Entlein" der Buchhändlerszene innerhalb von wenigen Jahren der bedeutendste Verlag im deutschsprachigen Raum. Zu seinen Autoren zählte Cotta alsbald Größen wie Schiller, Goethe, und Kleist.

"Cotta, das gelobte Land der Poeten", schrieb Theodor Fontane 1839. Und in der Tat bot der Cotta´sche Verlag in vielerlei Hinsicht seinen Autoren geradezu paradiesische Verhältnisse. Schon zu Johann Friedrich Cottas Zeiten galt die Maxime, exzellente Leistungen auch entsprechend großzügig zu honorieren. Die Autoren dankten es ihm. So wie Heinrich von Kleist, der 1808 freimütig bekannte:" Ich bin erbötig, Ew. Wohlgeb. die Bestimmung des Honorars gänzlich zu überlassen."


Freundschaft und Konflikte
Doch wie so oft im Leben ist nicht alles eitel Sonnenschön - auch in den künstlerischen Sphären nicht. Die gegenseitigen bilateralen Höhenflüge können über Spannungen nicht hinwegtäuschen. Als Beispiel sei hier Goethe erwähnt, der am 10. Mai 1812 in einem Brief an Johann Friedrich Cotta zunächst noch devot formulierte: "Was mich betrifft, so fühl ich immer aufs neue wie peinlich es ist, mit Personen, mit denen man nur in sittlichem Verhältnis zu stehen wünscht, über ökonomische Gegenstände zu handeln."

Nur wenige Zeilen später legte Goethe jedoch seine fromme Scheu gegenüber dem Verleger ab und droht unumwunden mit der Konkurrenz, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden: "Darf ich Sie um eine baldige Antwort ersuchen? Da ich, im bejahenden Fall, Anfang August nach Weimar zu gehen, im verneinenden meinen Sommer- und Herbstbeschäftigungen eine andere Richtung zu geben gedenke."

Es sind Briefe wie diese, die dem Band seinen besonderen Reiz verleihen. Gerade in den Spannungen, die mal mehr, mal weniger, aber immer stilistisch formvollendet, in den Briefen zu Tage treten, zeigt sich, dass die hohe Kunst eben doch auch manchmal ganz weltlich sein kann. Ein wahrlich tröstlicher Gedanke!

Stephan Askani / Frank Wegner (Hg.): Cotta - »Das gelobte Land der Dichter« Briefe an die Verleger, Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2009, 168 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 978-3-608-93904-0

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