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Icon   Barbara Hendricks im Portrait

"Wir müssen uns mehr kümmern"

Jörg Hafkemeyer • 12. November 2009

Foto: Dirk Bleicker
Foto: Dirk Bleicker

Berlin-Kreuzberg. Die Bundesschatzmeisterin der SPD sitzt an einem dunklen Holztisch in einer Vinotheka in der Bergmannstraße, trinkt einen Capuccino. Sie glaubt, "dass Menschen Vertrauen in uns verloren haben". Das habe auch damit zu tun, dass die Wähler eben "höhere Erwartungen an uns stellen" als an alle anderen und deswegen ein solcher Vertrauensverlust existentieller als bei allen anderen Parteien empfunden wird.

"Fast noch ein junger Hüpfer"

Es ist ihre Partei. Sie will sie vor weiterem Schaden bewahren. Barbara Hendricks stammt aus dem nordrhein-westfälischen Kleve, gehört keiner Gruppierung, keinem Flügel an. Wird sie in Dresden wiedergewählt, ist sie die Älteste in der Parteispitze: "Ich bin tatsächlich auf einmal die Lebensälteste," sagt sie mit einem Lächeln. "Vor dem Hintergrund der Altersstruktur bin ich mit 57 Jahren allerdings fast noch ein junger Hüpfer."

Nachfrage, sie beugt sich vor: Ist die SPD noch die Partei, die sich genügend um junge Leute kümmert? "Ich glaube, dass wir uns auf jeden Fall mehr kümmern müssen. Ich glaube z.B. auch, dass an uns eine ziemlich lange Zeit vorbei gegangen ist, dass der Bologna-Prozess, also die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen, jedenfalls nicht optimal gelaufen ist."

SPD als Abbild der Gesellschaft

Die SPD ist, so Barbara Hendricks, zwar noch am ehesten ein Abbild der Gesellschaft, aber ist sie auch noch die Partei der sozial Schwachen? "Sie begreift sich so. Aber die Frage ist, ob die sozial Schwachen das auch so sehen." Dann hebt sie doch einmal die Stimme. Wird sehr nachdrücklich: "Wenn wir zur stinknormalen Partei werden, an die die Menschen überhaupt keine Erwartungen mehr haben, dann haben wir unsere Daseinsberechtigung verloren."

Zum Schluss, kurz bevor sie sich verabschiedet, spricht doch noch einmal die Herrin über die Parteifinanzen aus ihr: "Wir haben keine bedrohliche Situation. Wir merken, dass wir weniger Einnahmen haben. Aber: Unmittelbar nach dem Wahlsonntag konnten wir 2400 Neueintritte verzeichnen."

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