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Unter der Glasdecke der Macht

Vera Rosigkeit • 15. October 2009

"Natürlich ist Gleichstellung Thema jeder Sonntagsrede und in jedem Grundsatzprogramm verankert, doch die Praxis sieht anders aus." Wer kann das besser wissen als eine Frau, die 16 Jahre lang stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes war. Ursula Engelen-Kefer weiß, dass "Positionen mit Macht und Einfluss in Männerrunden verhandelt, manchmal auch außerhalb der Gremien abgewickelt werden." Darüber geschrieben hat sie in ihrem Buch "Kämpfen mit Herz und Verstand. Mein Leben."

Ohne Netzwerke sind Frauen machtlos, erklärte sie in ihrer Buchpräsentation am vorwärts-Stand. Erschwerend komme hinzu, weiß sie aus ihren Erfahrungen zu berichten, dass die Mitgliedschaft der Gewerkschaften männlich geprägt ist. So lässt es sich erklären, dass die Arbeit von Frauen schlechter bewertet ist als die ihrer männlichen Kollegen. Als Beispiel nannte Engelen-Kefer die Krankenschwester im Schichtdienst, die gerade mal die Hälfte eines Facharbeiterlohns verdient. Die Forderung müsste eigentlich lauten, gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, so Engelen-Kefer, "aber es gibt kein Interesse bei den Gewerkschaften, diese Forderung durchzusetzen."

"Wir brauchen eine Teilzeitrente"

Eine klare Antwort hat die Arbeits- und Sozialexpertin auch die Frage, was sie von der Rente mit 67 hält. Nein, sagt sie, das sei nicht der richtige Weg. "Was wir brauchen, ist mehr Flexibilität für den Einstieg ins Rentenalter. Weil wir immer Menschen haben werden, die gesundheitlich die Voraussetzungen nicht erfüllen, bis 67 zu arbeiten." Die würden dann mit Abschlagszahlungen bestraft. Andererseits gebe es Menschen, die viel später in das Berufsleben eingestiegen sind. Die könnten, so Engelen-Kefer, auch länger arbeiten. "Was wir brauchen, ist eine Teilzeitrente. Aber wir brauchen auch und vor allem Arbeitbedingungen, die es überhaupt ermöglichen, so lange durchzuhalten." Hier, sagt sie, seien vor allem Wirtschaft und Gewerkschaften gefragt, Voraussetzungen zu schaffen, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Ein in Zukunft ganz wichtiges Schwerpunktthema für die SPD, ist Engelen-Kefer überzeugt.

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