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"Kirche gehörte zu den Unterdrückten"

Gero Fischer • 15. October 2009

Joachim Gauck am vorwärts-Stand. Foto: Carlos Wulff
Joachim Gauck am vorwärts-Stand. Foto: Carlos Wulff

Anlass zur Diskussion bot Gaucks Biografie "Winter im Sommer - Frühling im Herbst". Joachim Gauck, Pfarrer und DDR-Bürgerrechtler, ist durch die nach ihm benannte Behörde eng mit der Aufarbeitung der ostdeutschen Geschichte verbunden. "Wir hatten ein Erbe zu verwalten, die Stasi-Unterlagen waren Herrschaftswissen der Macht und wir wollten das damals haben", so Gauck über seine Motivation zur Gründung der Gauck-Behörde.

Auch der Bundestagsabgeordnete Michael Roth bezeichnet sich, obwohl in Westdeutschland groß geworden, als Mauerkind, da er nur 500 Meter von der innerdeutschen Grenze in Hessen aufgewachsen ist. Schon von daher sei die Lektüre von Gaucks Buch sehr spannend gewesen, so Roth, auch weil die Zeit der "Friedlichen Revolution" in die Zeit fiel, in der er sich als Abiturient erstmals für Politik zu interessieren begann.

Enorme Glaubwürdigkeit

Über die Rolle der Kirche in der DDR sagt der Pfarrer Gauck: "Die Kirche gehörte in der DDR zu den Unterdrückten." Dies habe sie zwar um viele Möglichkeiten gebracht, gleichzeitig habe sie aber auf diese Weise eine enorme Glaubwürdigkeit erhalten, so der Mitbegründer des "Neuen Forums". "Die Bürgerbewegung konnte am Ende der 1980er Jahre an den Kern der Kirche andocken."

Michael Roth kann dies mit Bezug auf die SPD bestätigen. Die Verbindung zwischen Kirche und der SPD in Ostdeutschland sei nach wie vor sehr stark, Grund dafür sei das gemeinsame Wirken bei der "Friedlichen Revolution". "Die Kirche war in der DDR ein Ort für diejenigen, die sich staatsfern bewegen wollten." Auch in der Demokratie wünscht sich Roth eine aktivere Rolle der Kirchen, vor allem eine stärkere Einmischung in gesellschaftliche Debatten.

Gauck hingegen wünscht sich im Gegensatz dazu etwas weniger Engagement, insbesondere bei den Pfarrern in Ostdeutschland. Diese hätten nach der Wiedervereinigung mit ihrem Widerstand weitergemacht und sich ihre staatsferne Distanz erhalten. "Aber in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft ist kirchlicher Widerstand nicht mehr gefragt."

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