Das Medienecho 2006 war groß. Studentenproteste und -unruhen nahmen ihren Anfang in Paris. Schnell machte der Begriff der "Generation Praktikum" die Runde. Auch in Deutschland gingen viele
Studenten und Praktikanten auf die Straße, um für bessere Praktikaverhältnisse zu demonstrieren. Sie wurden von den Gewerkschaften und einigen Parteien unterstützt - unter anderem von der SPD.
Über 100 000 Menschen blieben unerhört
Um den Druck auf die Politik zu erhöhen, wurde eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht. 108 000 Bürgerinnen und Bürger befürworteten dies und unterzeichneten die Petition. Olaf
Scholz, SPD-Bundesminister für Arbeit und Soziales, scheiterte am 17. Dezember 2008 endgültig mit seinem Vorhaben, die Praktikaverhältnisse mit besseren gesetzlichen Regelungen auszustatten. "Es
ist unverständlich, dass jetzt vielleicht alles beim Alten bleibt. Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum Annette Schavan (CDU) so beharrlich auf der Bremse steht," kritisierte der DGB-
Bundesjugendsekretär René Rudolf. Er sollte Recht behalten. Es hat sich nichts verändert und es bestehen derzeit keine Anzeichen, dass die kommende Regierung den Praktika neue gesetzliche
Regelungen geben wird.
Ziele der Streikenden
Damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät, organisierten die "taz", die Initiative "Fairwork e.V.", die Gewerkschaften Ver.di, GEW und die DGB-Jugend am Freitag einen Praktikantenstreik
am Potsdamer Platz in Berlin. Die Teilnehmer forderten, dass die Praktikantinnen und Praktikanten wie Auszubildende vergütet werden und dass ein Praktika nicht als Arbeits-, sondern als
Lernverhältnis aufgefasst wird. "Praktika müssen wirkliche Praktika und keine verdeckten Arbeitsverhältnisse sein," verlangte Jessica von der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Um dies zu
gewährleisten, solle die Qualität verbessert werden. Dies geschehe, indem ein Praktikumsplan aufgestellt wird. Dieser beinhaltet, dass in ihm das Praktikumsziel, die Ansprechpartner und
-stationen festgeschrieben werden. Die Streikenden verlangten darüber hinaus eine Zeugnispflicht, denn viele Betroffene erhalten ein derartiges Dokument nicht. Freiwillige Praktika (also all
diejenigen, die keine Pflicht im Rahmen eines Studiums oder ähnlichem sind) sollen auf maximal drei Monate begrenzt werden.
"Wer arbeitet darf auch streiken"
Bettina König war die Gründerin von "Fairwork e.V.". Sie rief diesen Verein vor fünf Jahren ins Leben. Noch bevor sich Medien oder Gewerkschaften für dieses Thema interessierten. Auf ihrer
Internetseite (www.fairwork-ev.de) werden Erfahrungsberichte von Betroffenen veröffentlicht. Auch sie habe einige negative Erfahrungen gemacht. So absolvierte sie beispielsweise Praktika mit
geringer oder gar keiner Vergütung. Bei einer anderen Stelle wurde ihr eine Festanstellung versprochen, doch später sagte man ihr, dass dies nicht gehe. Allerdings könne man ihren
Praktikumsvertrag um weitere sechs Monate verlängern. Sie bezeichnete das zu Recht als "Scheinpraktikum". "Es gibt Betriebe, die auf ihren Praktikanten aufgebaut sind und ohne diese gar nicht
mehr funktionieren würden," kritisierte König weiter. Dabei ist sie kein Einzelfall. Viele der Demonstranten haben ähnliches erlebt. In den Erzählungen werden immer wieder die schlechte Bezahlung
und der große Arbeitsaufwand genannt. Darüber hinaus bemängelten die Betroffenen ebenfalls die so genannten "Scheinpraktika" und dass sie nichts lernen, sondern innerhalb kürzester Zeit als volle
Arbeitskraft eingesetzt werden würden.
Weiße Masken für mehr Gerechtigkeit
Bettina König forderte die Teilnehmer auf, sich zu wehren und die Stimme zu erheben, andernfalls wird sich nichts verändern. "Die alte Regierung hat nichts verändert und die neue Regierung
wird erst Recht nichts ändern," kritisierte sie. Deshalb sei es wichtig, dass die Situation der "Generation Praktikum" wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt werde. "Wer arbeitet, darf auch
streiken. Wir müssen für unsere Rechte selbst kämpfen, denn ihr seid mehr wert!" rief König den Versammelten zu. Viele setzten ihre weißen Plastikmasken auf. Diese stehen für Anonymität, aber
auch für die Austauschbarkeit der Praktikanten. "Sie sind das Symbol der europäischen Praktikantenbewegung," erklärte Jessica von der DGB-Jugend. Gewerkschaften und Initiativen versuchen, den
Praktikanten ein Gesicht zu geben und ihre Situation zu verbessern. Nun liegt es an der Politik.







