Neue Herausforderungen gibt es viele. Das ist dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes Michael Sommer bewußt. Am heutigen Montag begeht die Arbeitsorganisation ihr 60-jähriges Jubiläum. Die Gewerkschaften leben nicht von Konfrontation oder von der Krise, sagte Sommer am Montag im Deutschlandfunk. "Wir leben vom kleinen Fortschritt für die arbeitenden Menschen". Doch für die Zukunft sieht Sommer auch die Notwendigkeit, klassische Schwerpunkte wie die Wahrnehmung der Tarifautonomie und die Mitbestimmung zu ergänzen. Wir müssen zum Beispiel sehen, dass wir in "bestimmten Bereichen, wo es keine vernünftigen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerstrukturen gibt, die Menschen trotzdem schützen", ist der DGB-Chef überzeugt.
Kooperation oder Konfrontation?
Als parteipolitisch unabhängige Institution betonte Sommer, dass er auch mit der neuen Regierung "leben" müsse. Sommer: "Wir werden jetzt mit Schwarz-Gelb sehen müssen, wie wir klarkommen - in Kooperation und, wenn es nottut, auch in Konfrontation." In Sachen Kündigungsschutz verlasse er sich "erst mal darauf, dass das Wort der Bundeskanzlerin gilt", erklärte Sommer. Für den Fall, dass die neue Regierung in der augenblicklichen Situation Steuererleichterungen durchsetzen sollte, kündigte Sommer bereits eine härtere Gangart an. "Ich halte es für nahezu kontraproduktiv - ich könnte da auch noch stärkere Worte finden-, jetzt über Steuersenkungen zu reden", sagte er. "Wer jetzt Steuersenkungen verspricht, insbesondere für die Reichen, der will den armen Staat und schadet damit letztendlich allem, was wir brauchen: gut funktionierenden, öffentlichen Dienst, ein vernünftiges Bildungssystem, gute, öffentliche Infrastruktur", fügte er hinzu. Wer jetzt eine Politik einleite, die "möglicherweise den einen oder anderen befriedige, der sehr auf seinen eigenen Geldbeutel schielt", der schade insgesamt dem Gemeinwesen, so Sommer.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund wird 60 - ein Grund zu feiern. Festredner der Jubiläumsfeier am 5. Oktober in Berlin sind Bundespräsident Horst Köhler, der
DGB-Vorsitzende Michael Sommer und Sharan Burrow, Präsidentin des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Der Festakt wird umrahmt von der Darbietung des Canto General von Pablo Neruda, Musik
Mikis Theodorakis. Es singen Maria Farantouri, Rainer Scheerer, der Berliner Konzert Chor und die Sing-Akademie. Es spielt das Berliner Konzert Orchester.
Die Feierstunde aus dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt wird ab 11 Uhr in voller Länge übertragen
live als Videostream auf unserer Jubiläumswebseite www.60-jahre-dgb.de
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