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Icon   Theater feiert 40-jähriges Jubiläum

Grips aus der Ideenkiste

Thomas Köcher • 23. September 2009

Der Schauspieler Jens Mondalski in Linie 2. Foto: David Baltzer/bildbuehne.de
Der Schauspieler Jens Mondalski in Linie 2. Foto: David Baltzer/bildbuehne.de

Zum "runden Geburtstag" werden ein Lesebuch, eine DVD und zwei neue Aufführungen erscheinen. Eine der Revues heißt "Linie 2 - Der Alptraum". Der Leser täuscht sich aber, wenn er meint, dass dieses Schauspiel Nachfolger der weltberühmten "Linie 1" sei. Darin geht es um eine Frau, die ihren Freund sucht, aber in der U-Bahnlinie 1 stecken bleibt und vielen unterschiedlichen Charakteren begegnet, aus denen sich witzige Situationen ergeben.

"Die ewige Fragerei nach einer Fortsetzung der ,Linie 1' war so nervig, dass ich das neue Stück einfach ,Alptraum' nannte. Deswegen war zunächst nur ein Titel da, zu welchem ich das Buch schrieb," erklärte der Leiter des Grips-Theaters und Autor dieses Theaterstücks, Volker Ludwig, auf der Pressekonferenz. Es sei eine Paraphrase und das Grips-Theater nehme sich dabei selbst auf den Arm. In "Linie 2" gehe es um einen Schauspieler, welcher nicht mehr zwischen der Fiktion und dem wirklichen Leben unterscheiden könne. Es beinhalte viele ironische und parodistische Elemente. Das Theaterstück werde so lange laufen, wie Nachfrage bestehe, erklärte Ludwig. Der Regisseur, Rüdiger Wandel, konstatierte ebenfalls, dass es nichts mit dem Vorgänger gemeinsam habe, aber ein Riesenspaß sei. In dieser Revue werden auch Lieder aus den vergangenen 40 Jahren des Grips-Theaters eingebaut. Die Uraufführung findet am 16. Oktober statt.

Freunde für immer


Zudem hält eine deutsch-afrikanische Co-Produktion Einzug ins Schauspielhaus. "Friends 4Eva" heißt das Stück, welches am vergangenen Donnerstag, den17. September, in Windhoek (Namibia) Premiere feierte. Der Geschäftsführer von "p.art.ners Berlin-Windhoek" und Produzent der namibischen Linie 1, Oliver Schruoffeneger, sprach von einer wunderbaren Inszenierung. Es sei zwar nicht einfach gewesen, diese Revue auszuarbeiten und vorzubereiten, aber sie sei eine gelungene Sache. Er lernte einiges über afrikanische Arbeitsprozesse und über die afrikanische Kultur. Das Stück habe ein ähnliches Thema wie die Linie 1. Wer sie kenne, der würde sie in "Friends 4Eva" wieder erkennen. Die Inszenierung solle ebenfalls das deutsche Afrika-Bild zurechtrücken. "Afrika ist mehr als AIDS und Armut," konstatierte Schruoffeneger.

Zur Premiere in Deutschland werde Horst Köhler das Grußwort sprechen. Weitere Redner werden der regierende Berliner Bürgermeister, Klaus Wowereit, und der namibische Botschafter sein. Des Weiteren stehe viel Ton- und Bildmaterial zur Verfügung, führte Schruoffeneger aus.

Schauspielkunst für Kinder und Jugendliche

Am Grips-Theater gibt es aber nicht nur Kultur für Erwachsene, sondern gerade für Kinder und Jugendliche. "Rosinen im Kopf" feiert seine Premiere am 3. Dezember 2009. Es handelt von Medien und -kompetenz, Rollenbildern und wie man wieder zurück in die Realität kommt. Es ist für Kinder ab acht Jahren geeignet.

Dirk Laucke und David S. Craig sind neue Autoren für die neue Spielzeit am Grips-Theater. Ihre Stücke sind für Menschen ab 13 Jahren konzipiert. Laucke präsentiert "Stress-Der Rest ist Leben". Es handelt vom allgegenwärtigen Druck der Schule auf die Kinder, welcher sehr stark sei. Er und die Theaterpädagogik des Grips-Theaters hatten in zwei Schulen intensiv recherchiert. Das Stück wird am 11. Februar 2010 uraufgeführt. Ebenfalls für alle ab 13 Jahren geeignet ist die Inszenierung "Big Deal?" von David S. Craig. Es handelt von Marijuana-Missbrauch, Vater-Sohn- und Generationskonflikten. Die Premiere findet Ende April 2010 statt.

"Unser Theater zählt zwar 40 Jahre, es ist aber nie gealtert. Im Gegensatz zu anderen Schauspielhäusern haben wir keine Sinnkrise. Uns geht es nicht um Ästhetik, sondern darum, was die Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, bewegt. Dadurch sind wir immer aktuell," berichtete Ludwig stolz.

Kulturelle Bildung


Er zeigte sich allerdings von der Politik enttäuscht. Viele Kinder würden das Theater nur durch die Schule kennen lernen. Heute gingen aber weniger SchülerInnen in die Aufführungsstätten als früher. Es seien lediglich 25 Prozent des Berliner Nachwuchses, der diese Art kultureller Bildung erfahren würde. "In Skandinavien ist es in den Rahmenplänen eingebaut, dass Kinder ab dem Kindergarten zweimal pro Jahr ins Theater gehen müssen. Die Situation in Deutschland ist unwürdig," kritisierte Ludwig die Kultur- und Bildungspolitiker.

Die finanzielle Lage sei sehr angespannt. Seit 2004 habe es keine Gehalts- und Budgeterhöhungen mehr gegeben, alles andere sei aber teurer geworden. 45 Prozent des Theaters müssten ausverkauft sein, damit es kostendeckend arbeiten könne. Diesen Wert zu erreichen sei allerdings schwierig. "Wir jammern allerdings auf hohem Niveau. Vielen geht es schlechter als uns," gab Ludwig zu. Mehr Unterstützung aus der Politik sei allerdings notwendig.

Ein kulturell spannendes Jubiläum mit großartigen Inszenierungen, Regisseuren, Schauspielern und Schauspielerinnen erwartet uns. Das Grips-Theater ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Insbesondere für Kinder und Jugendliche. Dieses Schauspielhaus zeigt, wie wichtig kulturelle Bildung für junge Menschen ist und dass dieser Begriff nicht nur eine hohle Phrase sein darf. Man kann ihn mit Leben erfüllen. Man muss ihn mit Leben erfüllen. Hoffen wir auf weitere, spannende 40 Jahre mit dem Grips Theater.

Weitere Infos zum Grips-Theater und dessen Jubiläum: www.grips-theater.de Auf dem Bild Oliver Schruoffeneger, Geschäftsführer der "p.art.ners Berlin-Windhoek" und Produzent der namibischen Linie 1. Foto: Köcher

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