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Was heißt Sicherheit?

Edda Neumann • 20. September 2009

Bereits seit einigen Jahren stellt das Thema Sicherheit Politiker und Akteure der internationalen Zusammenarbeit vor neue Herausforderungen. Sie bewegen sich in einem unsicheren Umfeld und benötigen vielfältiges Engagement, um Sicherheit zu schaffen und zu bewahren. Besonders schwierig wird es, wenn verschiedene Kulturen mit unterschiedlichen Auffassungen von Sicherheit aufeinander treffen. Was verstehen westliche und arabische Gesellschaften unter dem Begriff Sicherheit? Gibt es diesen Begriff überhaupt in allen Kulturen? Kann die Berücksichtigung kultureller Faktoren für mehr Sicherheit sorgen? Und welche Rolle spielen Kulturschaffende?

Dialog anregen

Zunächst einmal müsse der Dialog darüber, was westliche und arabische Kulturen unter Sicherheit verstehen, überhaupt angeschoben werden. "Die Frage, wie Sicherheit in den zwei Kulturen wahrgenommen und welche unterschiedlichen Ansprüche sich damit verbinden, ist sehr wichtig", unterstrich Tina Gadow, Mitarbeiterin bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Entwicklungsarbeit könne hier ein wichtiger Bestandteil sein. "Denn Kultur spricht die emotionale Seite der Menschen an. Sie kann Differenzen überbrücken und den offenen Austausch fördern", so Gadow.

Orient trifft Okzident

Der palästinensische Israeli Ala Hlehel ist Autor und lebt in Galiläa. Er hat seine ganz eigenen Erfahrungen zum Thema Sicherheit gemacht. Als arabischer Autor genieße er in Israel mehr Freiheiten. Er kann über Themen wie Sex oder Politik schreiben, die in anderen arabischen Ländern absolute Tabus sind. Dennoch fühlt sich Hlehel nicht sicher. "Das fängt schon am Flughafen in Tel Aviv an", wo er immer kontrolliert wird, berichtete Hlehel. Er habe das Gefühl, dass je sicherer er sich in Israel fühlt, er umso verunsicherter ist. "Sicherheit ist von der Sache her ein institutioneller und staatlicher Begriff", so der Autor.

Der Unterschied bestehe ganz einfach zwischen der objektiven Sicherheit und der subjektiven Erfahrung des einzelnen Menschen, erklärte der Friedensforscher Hans J. Gießmann vom Berghof Forschungszentrum dazu. "Israel und Palästina haben ein unterschiedliches Sicherheitsverständnis". Auch das spiele eine wesentliche Rolle.

Alle Teilnehmer der Diskussion waren sich einig: Es muss danach gefragt werden, ob und inwieweit kulturelle Faktoren die Entwicklung von Sicherheit in einem Land beeinflussen und wie die konkrete Berücksichtigung kultureller Aspekte zur Sicherheitsentwicklung beitragen kann. Ale Hlehel appellierte abschließend noch einmal an die Verantwortlichen: Die westliche Welt dürfe ihre eigenen Vorstellungen von Demokratie und Sicherheit der arabischen nicht aufzwingen.


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