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Von Duellen und Kristallisationspunkten

Birgit Güll • 18. September 2009

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Donges, Oberassistent am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich, geht in seiner theorieentwickelnden Studie der Frage nach, welche Relevanz der Begriff, bzw. das Phänomen Medialisierung hat. Als Medialisierung bezeichnet er jene strukturellen Veränderungen, mit der politische Organisationen auf die Bedeutungszunahme der Medien reagieren.

Kristallisationspunkt Organisation
Donges versteht Medialisierung als einen übergeordneten Prozess, der im Prinzip mehrere - zum Teil widersprüchliche - Prozesse umfasst, ähnlich wie die Globalisierung. Für seine Untersuchung wählt er die Meso-Perspektive, betrachtet Organisationen, wie Parteien, als Vermittler zwischen Individuum und Gesellschaft. Diese Rolle macht sie zu Kristallisationspunkten, an denen Donges gesellschaftliche Veränderungen, wie die gestiegene Bedeutung der Medien, und deren Auswirkungen beobachtet.

Aus der theoretischen Perspektive des organisationssoziologischen Neo-Institutionalismus, charakterisiert er politische Organisationen als offene und lose verkoppelte Handlungssysteme: Sie bestehen aus unterschiedlichen Interessensgruppen und Subsystemen. Medien sind eine Umwelt dieser politischen Organisationen - allerdings nicht die einzige. Denn Organisationen sind immer von mehreren Umwelten umgeben, welche Anforderungen an sie stellen. Der Neo-Institutionalismus geht dabei davon aus, dass es mehrere Möglichkeiten für sie gibt, auf die Einflüsse der Umwelten zu reagieren.

Komplexe Organisationen
Auf Basis dieser theoretischen Grundlagen führte Donges eine empirische Studie durch: Er untersuchte jeweils die zwei mitgliederstärksten Parteien aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien. Übereinstimmend betonen ihre Vertreter in Interviews den gestiegenen Stellenwert von Kommunikation, genau wie deren Beschleunigung. Ihr Umgang mit den neuen Herausforderungen ist ähnlich, die strukturellen Anpassungen der Parteien sind allerdings im internationalen Vergleich nicht völlig identisch.

So stellt Donges fest, dass der Begriff der Medialisierung zwar seine Berechtigung hat, denn bei den untersuchten Parteien fanden strukturelle Veränderungen statt, die Reaktionen auf die neue Bedeutung der Medien sind. Allerdings sind Parteien hoch komplexe Organisationen: Sie bestehen, wie erwähnt, aus einer Vielzahl von Subsystemen und sind umgeben von mehreren Umwelten. Es ist ihre Aufgabe, all die Anforderungen, die an sie gestellt werden, auszubalancieren. Parteien können sich deshalb nicht einzig und allein den Anforderungen der Medien anpassen.

Wechselseitige Interaktion
Darüber hinaus gibt es - so wenig wie es eine einheitliche Parteilogik gibt - eine einheitliche Medienlogik. Schließlich existieren unterschiedliche Typen von Medien, mit jeweils eigenen Voraussetzungen. So kommt Donges in seiner Studie zu dem Schluss, dass Parteien und Medien in einer wechselseitigen Interaktionsbeziehung stehen. Parteien sind nicht nur Veränderungsprozessen unterworfen, sondern sie wirken umgekehrt auch selbst auf Medien ein. So liefern sie zwar Beiträge für Medien und haben ihre Kommunikationsabteilungen ausgebaut. Gleichzeitig haben politische Entscheidungen aber auch Auswirkungen auf das Mediensystem.

In diesem Sinne sind Parteien zu strukturellen Anpassungen an die Medien fähig. Umgeben von unterschiedlichen Umwelten und Anforderungen, werden sie ihre Strukturen allerdings nie völlig den Erfordernissen der Medien - die ihrerseits nicht einheitlich sind - anpassen.

Patrick Donges: "Medialisierung politischer Organisationen. Parteien in der Mediengesellschaft", VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2008, 244 Seiten, 34,90 Euro, ISBN 978-3-531-15867-9

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