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Der Runde Tisch kam aus Polen

Yvonne Holl • 17. September 2009

Foto: Dirk Bleicker
Foto: Dirk Bleicker

Eine der Symbolfiguren trägt Cowboyhut, Sheriff-Stern und Stiefel: Gary Cooper prangte in diesem Sommer in Berlin in U-Bahnhöfen, an Litfasssäulen und überdimensioniert auf Transparenten am Hauptbahnhof und an der früheren polnischen Botschaft in Mitte. Der Warschauer Grafiker, Zeichner und Plakatkünstler Tomasz Sarnecki hatte das Filmplakat aus dem Western "High Noon" - "12 Uhr Mittags" von 1952 für ein Wahlplakat der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc anlässlich der ersten freien Wahlen des Landes am 4. Juni 1989 adaptiert.

In der Szene schreitet Gary Cooper, der als Marshall das Gute verkörpert, alleine zum Showdown im Kampf mit den Banditen. Nur dass er auf Sarneckis Plakat statt des Colts einen Wahlzettel in der Hand hält und über dem Sheriff-Stern das Abzeichen der unabhängigen Gewerkschaft. "Solidarnosc" prangt auch in knallroten Lettern hinter dem Helden. Die Plakataktion war mehr als ein Fingerzeig: Im Jahr, in dem Deutschland den Mauerfall und die friedliche Revolution der DDR-Bürger feiert, wollte das Nachbarland Polen noch einmal ganz deutlich auf seine eigene Rolle beim Zusammenbruch des Sowjetregimes aufmerksam machen.

Vorbild für andere Länder

"1989 fiel die Berliner Mauer, doch es wird allzu oft vergessen, dass Polen zu diesem Zeitpunkt bereits ein großes Stück weiter auf dem Weg in die Freiheit war", mahnt etwa das Polnische Institut, eine Einrichtung des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Polen, auf seiner Internetseite. Während die Wende hier zu Lande erst im November kam und so nicht absehbar war, war die Freiheitsbewegung in Polen schon zu Beginn des Jahres 1989 ein gutes Stück weiter: Unter dem Druck eines drohenden Staatsbankrotts, die Wirtschaft lähmender, andauernder Streiks und der immer deutlicher gezeigten Unzufriedenheit der Bevölkerung willigte die Regierung in Verhandlungen mit der Opposition ein.

Allein dies war schon ein unfassbarer Sieg für die in der jahrelang verbotenen Gewerkschaft Solidarnosc rund um den Vorsitzenden Lech Walesa organisierte Gegenbewegung. Symbol für den von der ganzen Welt beobachteten Dialog wurde ein Möbelstück: ein eigens für diese Verhandlungen aus Lindenholz gefertigter Runder Tisch. Der polnische Weg war ein friedlicher und auch damit wegweisend für die Revolution in weiteren Ländern. Polen sei im Vorfrühling 1989 "in einem Meer von Worten versunken", schrieb eine Journalistin. Am Ende der zähen Gespräche stand die Einigung auf zumindest teilweise freie Wahlen. Nicht völlig frei, da den kommunistischen Machthabern ein Großteil der Sitze garantiert wurde.

Die Ketten gesprengt

Zur Überraschung der kommunistischen Partei und der Opposition gleichermaßen sprachen sich die Polen im Juni 1989 eindeutig für einen Wandel aus: Alle nicht garantierten Sitze gingen an die Opposition. Zwei Monate später im August wurde der Schriftsteller, Journalist und liberale Politiker Tadeusz Mazowiecki der erste nicht-kommunistische Ministerpräsident in einem Land des Warschauer Pakts. Der Weg zur Demokratie war geebnet. Und ein Vorbild für andere Ostblockstaaten geschaffen. "Wir haben die Ketten des Kommunismus gesprengt", so die polnische Botschaft.

Wechselseitige Ausstellungen der Partnerländer Deutschland und Polen zur jeweiligen Rolle des Zusammenbruchs des Ostblocks gab es sowie eine Art Maueraustausch, um gegenseitig die Erinnerung wach zu halten: Ein Stück Berliner Mauer steht in Danzig vor dem Hauptsitz der Solidarnosc. Und seit Juni schmückt ein Mauerstück der Danziger Werft den Reichstag. Eine Gedenktafel erklärt: "Zur Erinnerung an den Kampf der Solidarnosc für Freiheit und Demokratie und den Beitrag Polens zur Wiedervereinigung Deutschlands und für ein politisch geeintes Europa".

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