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Kraftwerke in Bürgerhand

15. September 2009

Nachhaltig Strom aus Sonne, Wind, Wasser und Holz erzeugen ist das Ziel der Stadtwerke. Foto: pixelio.de
Nachhaltig Strom aus Sonne, Wind, Wasser und Holz erzeugen ist das Ziel der Stadtwerke. Foto: pixelio.de

Warum haben sich die kommunalen Energieunternehmen so stark beim Erwerb der E.ON-Tochter Thüga, ­einem Verbund an lokalen und regionalen Energieversorgern, engagiert?

Es geht hier immerhin um über 100 Beteiligungen an Stadtwerken, die auf einen Schlag zum Verkauf standen. Da stellte sich natürlich die Frage für die betroffenen Stadtwerke, ob man in der Zukunft gegebenenfalls branchenfremde Gesellschafter oder Wettbewerber aus dem Ausland im Unternehmen hätte. Der Verkauf der Thüga AG ermöglicht es den Stadtwerken in Deutschland, ihre Marktposition auszubauen. Zur Weiterentwicklung des Wettbewerbs im Energiemarkt ist dies ein wichtiger Schritt. Wir bekommen in Deutschland damit erstmals einen großen kommunalen Energieverbund und einen Player, der es mit den großen vier Energiekonzernen aufnehmen kann. Vielleicht entsteht hier einmal ein Verbund, den man mit der Sparkassen-Finanzgruppe vergleichen kann.

Noch vor zehn Jahren gab es eine ­Privatisierungswelle bei den ­kommunalen Energieanbietern. ­Warum ­erleben wir hier jetzt eine ­Trend­wende?

Es gibt dafür verschiedene Gründe. Zum einen sehen wir, dass immer mehr Städte und Gemeinden eine vorausschauende Energie- und Klimapolitik als lokale Aufgabe definieren. Allerdings braucht ein Bürgermeister oder Landrat auch vor Ort entsprechende Steuerungsmöglichkeiten. Zum anderen gibt es eine wirtschaftliche Komponente: Stadtwerke stehen heute für Versorgungssicherheit, Umweltschutz, Innovation und dezentrale Erzeugung. Das Management von Stadtwerken arbeitet hochprofessionell. Zudem können die Gewinne kommunaler Unternehmen wieder in die regionale Wertschöpfung einfließen. Mit einem Umsatz von über 72 Milliarden Euro, über sechs Milliarden Euro Investitionen und einer Arbeitsmarktrelevanz von über 500000 direkten oder indirekten Arbeitsplätzen in Deutschland sind die kommunalen Unternehmen eine wichtige wirtschaftliche Größe, sie sind der energiewirtschaftliche Mittelstand.

Welche Veränderungen wird der ­Eigentümerwechsel für Kunden, Mitarbeiter und Kommunen haben?

Kommunale Unternehmen haben eine ganz klare Stärke: Sie arbeiten gemeinwohlorientiert und unterliegen nicht dem Prinzip der Gewinnmaximierung, Citizen Value statt Shareholder Value ist das Motto. Haushaltskundenbefragungen zeigen uns immer wieder, dass es eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber Stadtwerken gibt und dass die Bürger lieber durch einen kommunalen Anbieter als einen privaten versorgt werden wollen. Durch den Eigentümerwechsel bietet sich zudem auf jeden Fall die Möglichkeit, da wo es strategisch und betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, Kooperationen einzugehen und die eigene Stromerzeugung auszubauen.

Wird es zusätzliche Investitionen in ­Erneuerbare Energien geben?

Mit Sicherheit! Strom und Wärme aus dezentraler und klimafreundlicher Erzeugung werden einen wachsenden Marktanteil erringen. Die Stadtwerke planen, ihre Leistung in diesem Bereich weiter auszubauen und schon heute sehen wir, dass Stadtwerke quer durch Deutschland aus Sonne, Wind, Wasser und Holz nachhaltig Strom und auch Wärme erzeugen.

Stehen nach der erfolgreichen ­­Kauf­offensive der Kommunen weitere ­Investitionen in Energiebetriebe an? In den nächsten zwei Jahren laufen rund 2000 Konzessionsverträge aus.

Es ist nur konsequent, dass sich da, wo es wirtschaftlich Sinn macht, Stadt­-werke auf die ausgeschriebenen Ver-träge bewerben und Kommunen prüfen, entweder ihre Konzessionen an benachbarte Stadtwerke zu vergeben oder sogar neue Stadtwerke zu gründen. Gerade im Interesse der Versorgungssicherheit ist es wichtig, dass in einem wirtschaftlich starken Staat wie Deutschland volkswirtschaftlich wichtige Infrastrukturen von kommunalen Unternehmen verantwortet werden, die zudem auch durch demokratisch legitimierte Aufsichtsgremien kontrolliert werden.

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