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Icon   Barbara Kisseler zur Kulturpolitik der SPD

Kultur ist kein Reparaturbetrieb

Thomas Köcher • 14. September 2009

Barbara Kisseler stellte beim Sozialforum der Sozialdemokratie ihre Kulturpolitik vor. Foto: Köcher
Barbara Kisseler stellte beim Sozialforum der Sozialdemokratie ihre Kulturpolitik vor. Foto: Köcher

Die Theaterränge des Deutschen Theaters waren mit Kulturinteressierten gut gefüllt. Barbara Kisseler beschäftigte sich mit einem Thema, welches im bundesdeutschen Wahlkampf bislang ausgespart wurde: Nämlich die Kulturpolitik. Dabei sind Künstler, so Kisseler, die Seismographen der Gesellschaft.

Der Wert der Kultur

Auf Grund der Weltwirtschaftskrise und ihre Auswirkung auf die Haushalte der kommenden Jahre werde das Kulturressort in eine neue Legitimationskrise geraten, warnte Kisseler. Debie sei Kultur an sich ein universeller Wert. Sie solle Debatten anstoßen, gegenüber gesellschaftlichen Realitäten nicht blind sein und Orientierung geben. Dies sei gerade angesichts der Erosion der sozialen Netzwerke nötig, bekräftigte Kisseler. "Wir müssen auch die kulturelle Kraft unseres Landes betonen und sie für einen neuen Aufschwung nutzen. Die Kultur muss selbstbewusster werden," forderte sie.

Das bisher Erreichte

Barbara Kisseler stellte heraus, dass es eine große Leistung von Gerhard Schröder gewesen sei, einen Kulturstaatsminister zu ernennen. Dadurch sei ein neues gesellschaftliches Klima entstanden. Zu Beginn wurde ein derartiger Posten gerade von Konservativen als überflüssig bezeichnet und heftig kritisiert. Doch mittlerweile sei dieses Amt überparteilicher Konsens. Auch hätten die SPD-Finanzminister für stetiges Wachstum im Budget des Kulturressorts gesorgt. Dennoch sei dieser Haushaltsposten nicht üppig ausgestattet, gab Kisseler zu. Aber in künftigen Haushaltsdebatten dürften die Kulturschaffenden nicht die Leidtragenden für das Versagen einiger Manager sein. Es dürfe aber auch nicht sein, dass der Staat den Kulturbereich lediglich alimentiere, führte Kisseler aus.

Die Ziele der SPD

"Wir werden nicht viel Geld zur Verfügung haben, doch ich werde eine aktivierende Kulturpolitik betreiben. Damit meine ich, dass Verantwortungspartnerschaften aus staatlichen Einrichtungen, marktwirtschaftlichen Akteuren und aus zivilem Engagement geschlossen werden," bekundete Kisseler. Auch wolle sie das Kooperationsverbot von Bund, Ländern und Kommunen aufheben. Dies sei bei der Föderalismusreform nicht klug gewesen, kritisierte sie. Sie werde mit den Bundesländern zusammenarbeiten, um kostengünstige Räume für Künstler und Künstlerinnen zu schaffen. Zudem habe sie vor, die kulturelle Bildung zu fördern und die Künstler-Sozialversicherung auszuweiten. Sie werde verhindern, dass das Urheberrecht weiter ausgehöhlt wird. Die Ergebnisse geistiger Arbeit dürfe es nicht zum Nulltarif geben, warnte Kisseler.

Kultur als wirtschaftlicher Wert

Die Bedeutung der Kultur wirde weiter zunehmen, erklärte Kisseler. Im Jahr 2008 hatte die Kreativwirtschaft einen Jahresumsatz von 132 Milliarden Euro. Dieser Wert übertrifft den der Chemieindustrie. Heute sind im Kreativbereich mehr Menschen beschäftigt als in der gesamten Automobilbranche Deutschlands. Im Deutschlandplan ist dargelegt, wie bis zu 500 000 Arbeitsplätze im kulturellen Segment entstehen könnten.

Die kulturelle Bildung


Mit Blick auf die Bildung stellte Barabara Kisseler fest: 20 Prozent der getesteten PISA-Schüler erreichen nicht die unterste Kompetenzstufe im Bereich Lesen. Migrantenkinder sind in dieser Gruppe überproportional vertreten. Dadurch werden jene Schüler und Schülerinnen von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen. Interkuluralität sei aber normal in modernen Gesellschaften und man dürfe die Potentiale der Kinder nicht brach liegen lassen, betonte Kisseler.

Kulturelle Bildung sei wichtig und gehöre zum lebenslangen Lernen. Sie vermittelt jungen Menschen Sensibilität, soziale Kompetenz, Selbstbewusstsein, Kreativität, Innovation und Selbstbewusstsein, erklärte Kisseler. Deutschland brauche hellsichtige Querdenker und dazu leiste die kulturelle Bildung ihren Beitrag. Um dies zu verwirklichen müssten sich die Schulen ändern und für derartige Konzepte öffnen. Ein Anfang sei nun gemacht, ein langer Weg liege aber noch vor uns.

Kultur und kulturelle Bildung seien aber nicht der Reparaturbetrieb der Nation. Die Menschen sollten Kunstförderung nicht als Sozialarbeit missverstehen. Sie habe einen großen Eigenwert. Sicherlich könne sie ihren Beitrag zur Entwicklung der Kinder leisten. Sie könne aber niemals als Werkstatt dienen und das auffangen, was in Familien falsch laufe, warnte Kisseler vor verkehrten Erwartungen.

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