277 Professoren aus dem ganzen Bundesgebiet haben ihn inzwischen unterzeichnet, den Aufruf "Fortschritt braucht Wissenschaft". Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen und Institutionen machen deutlich, "dass die SPD einen breiten Rückhalt in der deutschen Forschungslandschaft genießt", sagte die Vorsitzende des Wissenschaftsforums der Sozialdemokratie und ehemalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn. Gemeinsam mit Carola Reimann, zuständig für Hochschul- und Forschungspolitik vom Kompetenzteam Steinmeier, stellte sie den Aufruf am Mittwoch in der Akademie der Wissenschaften in Berlin vor.
Rombach: Studiengebühren sind kontraproduktiv
Deutschland müsse seine Anstrengungen in der Bildung erheblich verstärken, sagte Bulmahn, dass sei angesichts der aktuellen Ergebnisse der OECD-Studie das Gebot der Stunde. "Mit 36 Prozent
Studienanfängern eines Jahrgangs liegt Deutschland weit unter dem OECD-Durchschnitt von 56 Prozent. Wollen wir ein führender Produktionsstandort bleiben, müssen wir in die Ausbildung junger
Menschen investieren", ist die ehemalige Bildungsministerin überzeugt.
Recht hat sie. Wer innovative Arbeitsplätze schaffen will, braucht mehr und bessere Bildung, bestätigte der Institutsleiter des Fraunhofer Instituts für Experimentelles Software
Engineering, Prof. Dr. Dieter Rombach. Als einer der Erstunterzeichner unterstütze er die SPD-Forderungen mit "Herz und Nachdruck". Bildung müsse alle erreichen. "Wir haben zu wenig Studenten. Da
sind Studiengebühren nur kontraproduktiv", kritisierte er. Deutschland verfüge über eine in der Welt beispielhafte Forschungslandschaft, so der Institutsleiter. Zwischen Hochschule und Industrie
bilden Fraunhofer und Max-Planck-Institut eine Brücke. Doch die Einrichtungen brauchen mehr Personal, die Qualität der Lehre muss verbessert werden. "Nur wenn wir weiter führende
Prozesstechnologie entwickeln, können wir Jobs am Standort Deutschland halten", erklärte Rombach.
Mehr Durchlässigkeit an den Hochschulen
Prof. Dr. Andreas Geiger, Rektor der Hochschule Magdeburg/Stendal und Vizepräsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, bestätigte: "Die deutschen Hochschulen sind gut." Doch es müsse dringend
etwas gegen die hohen Abbrecherquoten unternommen werden. Er unterstütze die Initiative der SPD für eine zweite Chance in der Bildung und das künftig auch eine Berufsausbildung plus
Berufserfahrung den Zugang zur Hochschule ermöglichen soll. "Das begünstige vor allem Menschen mit Migrationshintergrund und aus Arbeiterfamilien."
Auch Carola Reimann machte sich dafür stark, Arbeiterkinder aktiv für ein Studium zu werben und den Schatz an Bildungsreserven im eigenen Land zu heben. Sie verwies in diesem Zusammenhang
auf die Initiative arbeiterkind.de. Aber auch Missstände an den Hochschulen, wie sie durch die Umstrukturierung zum Bachelor und Master entstanden sind, müssten dringend behoben werden.
Fortschrittspreis der SPD
Als besondere Überraschung kündigten die SPD-Bildungspolitikerinnen zum Abschluss der Vernastaltung den Start des Fortschrittspreises "Wissen schafft Fortschritt" der SPD an. "Wir wollen,
dass die Wissenschaften im Dienste der Menschen stehen und gesellschaftlichen Fortschritt bringen", erklärte Bulmahn. " Deshalb sucht die SPD junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus
allen Disziplinen, die mit ihrer Arbeit einen herausragenden gesellschaftlichen Beitrag geleistet haben."







