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Icon   Das Scheitern der hessischen SPD 2008

Intrige statt Gewissensentscheidung?

Oliver Schopp-Steinborn • 03. September 2009

rowohlt Berlin
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Es ist ein Sachbuch, das sich liest wie ein Roman. Die Frage nach der politischen Glaubwürdigkeit steht nur scheinbar im Vordergrund. Volker Zastrow rekonstruiert das Verhalten von Jürgen Walter, Carmen Everts, Silke Tesch und Dagmar Metzger mit vielen Details und beleuchtet ihre Persönlichkeiten und Motive. Die Vier hatten am 3. November 2008, einen Tag vor der Abstimmung zur Wahl des Ministerpräsidenten, verkündet, aus Gewissensgründen nicht für Andrea Ypsilanti stimmen zu können, weil für deren Wahl die Stimmen der Linkspartei erforderlich gewesen wären.

Vor allem die eigenen Karriere
Volker Zastrow zog aus, "um eine Heldengeschichte zu schreiben, herausgekommen ist eine öffentliche Hinrichtung für zwei Beteiligte", so der Verlag. Die Vierergruppe entpuppte sich als zusammengesetzt aus zwei Paaren. Jürgen Walter und Carmen Everts seien die treibenden Kräfte für einen zweiten Versuch zur Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung gewesen, so der Autor. Dabei hätten die beiden vor allem die eigene Karriere im Blick gehabt. Ziel war, Jürgen Walter in das Amt des Wirtschaftsministers zu bringen. Der im Jahr 2006 unterlegene Konkurrent um das Amt des SPD-Spitzenkandidaten Jürgen Walter wollte Andrea Ypsilanti zu einem zweiten Bündnisversuch mit der Linkspartei "aufs Dach treiben, um ihr dann die Leiter wegzuziehen."

Auch die CDU-Landesregierung habe Einfluss auf die sogenannte "Gewissensentscheidung" genommen. Der Autor berichtet von einem Treffen des Regierungssprechers von Roland Koch mit Silke Tesch, bei der dieser die Möglichkeit der Gründung einer eigenen Fraktion erwähnte. "Der hat seit Wochen und Monaten versucht, einen Gesprächstermin zu finden", berichtet Silke Tesch.

Korrektur falscher Interpretationen
Neu an diesem Buch ist die Konzentration auf die Personen: Ein Versuch, Politik nicht als System zu beschreiben, sondern mit konkreten Personen und ihren Persönlichkeiten darzustellen. Daher gibt es im zweiten Kapitel eine ausführliche Beschreibung der vier Personen. Besonders bei Silke Tesch geht Volker Zastrow in die Tiefe.

In der hessischen SPD ist man über manche Details erleichtert. Die Berichterstattung sei ein "wichtiger Beitrag zur Korrektur einer Vielzahl von Falschdarstellungen und Falschinterpretationen".

Oliver Schopp-Steinborn



Volker Zastrow: Die Vier. Eine Intrige, rowohlt BERLIN 2009, 416 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-87134-659-0
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