136 Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland
"Rechtsextreme Gewalt ist in Deutschland kein Randthema, sondern ein wichtiges Thema", hob Tiefensee hervor. Daher fordern Oppermann und Tiefensee ein verstärktes und entschlossenes
staatliches Handeln und mehr zivilgesellschaftliches Engagement. Die Zahlen sind "besorgniserregend", betonte Oppermann: So wurden im vergangen Jahr mehr als 20 000 rechtsextrem motivierte
Straftaten gezählt, mehr als 30 000 Personen gehörten rechtsextremen Organisationen an. Zwischen 1990 und 2005 gab es allein in Deutschland 136 Todesopfer rechter Gewalt, dies gehe aus einer
Ausstellung hervor, die zurzeit in Leipzig gezeigt werde, sagte Tiefensee. Er betonte auch, dass "rechtsextreme Gewalt kein rein ostdeutsches Problem ist". Zwar gebe es in Ostdeutschland in
bestimmten Regionen Schwerpunkte, jedoch sei Rechtsextremismus kein lokal begrenztes, sondern ein deutsches und auch europäisches Problem. Und: "Demokraten müssten sich diesem Thema stellen",
forderte der SPD-Politiker. "Wegschauen, marginalisieren ist nicht unsere Strategie", unterstrich Tiefensee.
CDU/CSU unterschätzt Rechtsextremismus
Oppermann warf der Union vor, dass sie das Problem Rechtsextremismus unterschätze. Er halte dies "für einen schweren politischen Fehler". Gerade Familienministerin Ursula von der Leyen
behandele das Thema mit "oberflächlicher Ignoranz". Die CDU-Politikerin interessiere sich nicht für das Thema, verteidige nicht die Mittel im Budget, obwohl sie als Familienministerin über die
haushalterische Hoheit verfüge, und kümmere sich nicht in der Öffentlichkeit um Rechtsextremismus.
Die zusätzlichen sechs Millionen Euro, die Tiefensee aus seinem Etat bereitstellen will, sollen laut dem Minister an eine bereits existierende Stiftung "angedockt" werden, damit die
Stiftung sofort ohne bürokratische Hürden mit der aktiven Arbeit beginnen könne. Denkbare Stiftungen seien "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ) oder die Amadeu Antonio Stiftung.
Tiefensee hob dabei hervor, dass die Stiftung besonders Schwachpunkte der bisherigen Förderung beheben solle. So seien die Projekte dort zeitlich begrenzt, es gebe keinen "Feuerwehrfonds", der
flexibel dort eingreift, wo es brennt. Die Opfer stünden relativ selten im Mittelpunkt, es werde mehr auf die Täter geschaut. Diese Probleme könnten mit einer Bundesstiftung gegen
Rechtsextremismus angegangen werden. Von den sechs Millionen Euro sollen zwei Millionen den Grundstock bilden, weitere zwei Millionen sollen für den Feuerwehrfonds und konkrete Investitionen
bereitgestellt werden. Die restlichen zwei Millionen werden für Projekte freigegeben, wenn sie durch private Investoren aufgestockt werden, ansonsten fließen sie den Initiativen und dem Fonds zu,
erklärte der SPD-Minister den konkreten Plan.
Die SPD verdeutlicht mit diesem Vorstoß, dass ihr der Kampf gegen Rechtsextremismus ein wichtiges Thema ist, das mehr Beachtung und Engagement verdient. Mit einer Bundesstiftung gegen
Rechtsextremismus könnte die Arbeit der zahlreichen lokalen Initiativen gebündelt und schlagkräftiger gemacht werden.







