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Wohlstand – wie lange noch?

Nils Michaelis • 15. August 2009

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Man kann Wolfgang Gründinger einen Lobbyisten nennen. Schließlich ist der Politik- und Sozialwissenschaftler Vorstandsmitglied der Stiftung zukünftiger Generationen und engagiert sich beim Think Tank 30 des Club of Rome. Kein Wunder also, dass der 25-jährige dick aufträgt, wenn er sich um die Zukunft seiner Altersgenossen sorgt.

Kürzlich wetterte er in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ältere Arbeitnehmer haben zu viele Privilegien; junge Leute dagegen werden mit miesen Löhnen und schlechterer sozialer Sicherung abgespeist. Wir Jungen sind keine Arbeitnehmer zweiter Klasse!".

Ökonomische Perspektivlosigkeit des jungen Prekariats

In seinem Buch bemüht sich Gründinger eher um versöhnliche Töne. Doch bei aller Sensibilität für die Wünsche und Sorgen beider vermeintlich gegensätzlichen Blöcke bleibt sein Anliegen das gleiche: eine Exit-Strategie für die ökonomische Perspektivlosigkeit des jungen Prekariats und die schleichende Demontage des Generationenvertrags - auch Ausbau der "privaten Vorsorge" genannt.

Anstatt sich mit Schaum vor dem Mund auf die Pfründe der Senioren zu stürzen, geht der Autor mit wissenschaftlicher Akribie der Frage nach, wie der Wohlstand in Deutschland nicht nur künftig gerecht zwischen Jung und Alt aufgeteilt, sondern überhaupt gesichert werden kann.

Demnach entscheidet das Miteinander in einer alternden Gesellschaft über die Zukunftsfähigkeit des Sozialstaates, den Gründinger vehement gegen vermeintliche Totengräber auf (neo-)liberaler Seite verteidigt. Einige der damit verbundenen Probleme hält er in der politischen Diskussion für unterbelichtet. Etwa die Frage, wie immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren, die zudem immer älter werden. Oder die ausufernden Minijobs, Dauerpraktika und befristeten Arbeitsverträge, die es jungen Menschen erschweren, eine gesicherte Existenz aufzubauen und für die private Altersvorsorge zu sparen. "Minilöhne führen zu Minirenten", warnt der Sozialverband Deutschland (SoVD).

Viele von Gründingers Lösungsansätzen zur Stabilisierung der Sozialkassen, die auf antizyklische Impulse für ein sattes Wirtschaftswachstum und eine längere Lebensarbeitszeit setzen, klingen vertraut. Auch die Forderungen nach der Umschichtung von Subventionen in einen Topf für Zukunftstechnologien oder der Wiederbelebung der Vermögensteuer bestimmen seit Jahren die öffentlichen Debatten.

Doch gerade die Verästelung von der Renten- und Krankenversicherung bis hin zur Finanz-, Bildungs- und Umweltpolitik, die diese schlüssige und leidenschaftliche Analyse prägt, macht neben dem enormen Handlungsbedarf vor allem das Innovationspotenzial der bestehenden Wirtschafts- und Sozialordnung deutlich. Möglicherweise stehen die ideologischen Grabenkämpfe, die der junge Wissenschaftler entschärfen wollte, noch bevor.


Wolfgang Gründinger, Aufstand der Jungen, Wie wir den Krieg der Generationen vermeiden, Verlag C.H.Beck, 267 Seiten, ISBN 978-3-406-58685-9, 12,95 Euro.
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