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Icon   Andreas Heidler tanzt in Taiwan

Sparkassenfachwirt begeistert 15.000 Zuschauer

Martin Leibrock • 03. August 2009

Andreas Heidler und Verena Rau beim Tanzen Foto: privat
Andreas Heidler und Verena Rau beim Tanzen Foto: privat

vorwärts.de: In welcher Disziplin haben Sie an den World-Games teilgenommen und mit welchem Erfolg?

Heidler: Meine Partnerin Verena Rau aus Friedberg/Bayern und ich haben in der Disziplin Tanzsport Rock `n` Roll A- (Königs) Klasse teilgenommen. Durch einen Akrobatikfehler haben wir leider nur Platz 16 erreicht.

War das Ihre erste Teilnahme bei World-Games?

Die World-Games finden alle vier Jahre statt. Wir tanzen seit drei Jahren zusammen A-Klasse. Es war unsere erste Teilnahme. Die Sportler bei den World Games hoffen, dass ihre Sportdisziplin "olympisch" wird. Die nächsten World-Games finden in Columbien statt.

Wie haben Sie sich für die Weltspiele qualifiziert?


Bei Weltranglistenturnieren z. B. in Ungarn, Frankreich, Schweiz und Deutschland und als Deutscher Meister seit Herbst 2008. Wir sind 7. der Weltrangliste. Vom Deutschen Olympischen Sportbund und der International Dancesport Federration wurden wir nominiert.

Wie und wie lange haben Sie sich auf den Wettkampf vorbereitet?


Wir trainieren "normal" 3-4 mal pro Woche, seit Januar 2009 5 - 6 mal. Dazu kamen noch an 5 Wochenenden Kadertrainings mit der Nationalmannschaft, deren Sprecher ich bin. Die Vorbereitung und die Teilnahme an den World-Games wurde voll vom Deutschen Rock 'n' Roll und Boogie Woogie Verband e.V. (DRBV) bezahlt. Trotz der Unterstützung unseres Vereins, der Freien Turnerschaft Jahn Landsberg/Lech und des Bundes- und Landesverbandes (DRBV) kostet unser Sport unseren Eltern und uns viel Geld, z.B. alle Flüge zu den Ranglistenturnieren im Ausland, Fahrtkosten und Übernachtung zu Turnieren und Kadertrainings in Deutschland, Fahrtkosten zum Training, teilweise die Kosten für Trainer, Sportbekleidung (1 Trikot kostet zwischen 300 und 700 Euro. Jeder braucht mindesten 2).
Leider sind wir keine "Trendsportler": Sponsoring findet kaum statt. Zwei mal wurde ich von der Nationalen Doping Argentur (NADA) getestet, einmal in der Sparkasse, während der Arbeitszeit. Ich finde das richtig. Schade nur, dass Fußballer und "Radsportler" das nicht einsehen.

Was waren die bleibenden Eindrück?

Es war für uns alle das herausragende sportliche Ereignis! Seit 12 Jahren (Schüler, Junioren, C-Klasse, B-Klasse) nehme ich an nationalen und internationalen Turnieren in ganz Europa teil. Es gibt keinen Vergleich!
In der neuen Arena (in Koahsiung, Ergänzung durch die Red.) tobten 15.000 Zuschauer bei unserem Auftritt und den Standart- und Lateintänzern. Es erfolgten Fernsehübertragungen in viele Länder der Welt. Insgesamt nahmen weit über 3.000 Sportler, davon fast 200 aus Deutschland, teil! Ich wurde noch nie so oft in den Straßen mit freundlichen Menschen fotografiert. Die Gastfreundschaft kann nicht übertroffen werden!
Die Eröffnungsfeier (mit 44.000 Zuschauern), Sportlerparty und Schlussfeier werden jedem Sportler in Erinnerung bleiben.
Die Medien in Deutschland brachten nicht einmal Ergebnisse der deutschen Teilnehmer. Da überlegt man sich, warum die Öffentlichen-rechtlichen jeden Monat Geld von den Bürgern bekommen. Sport beginnt dort eben erst bei Einkommensmillionären und hohen Einschaltquoten für Werbespots.

Wie haben Sie sich mit den anderen Sportlern verstanden? Gab es beispielsweise sprachliche Probleme?

Wir Rock `n` Roller kennen uns schon durch die internationalen Ranglistenturniere, Europa- und Weltmeisterschaften. Wir sind 50 Paare in der Weltrangliste. Mit Russen, Österreichern, Ukrainer, Slowenen, Polen, Schweizern, Franzosen, Ungarn und Paaren aus anderen Ländern haben wir tolle freundschaftliche Verhältnisse, dies gilt auch für alle Nationaltrainer. Mit anderen Sportlern hatten wir viel Spaß. Es war einfach toll und perfekt. Nur auf der Tanzfläche sind wir Konkurrenten, aber faire.
Meist kann man sich englisch unterhalten. Dabei erfährt man auch, dass andere Paare (die besten) von der Schule/Uni oder Arbeit bis zu 7 Monate freigestellt wurden und "Halbprofis" sind. Ich habe für Taiwan eine Woche Urlaub genommen und meine Partnerin musste an der Uni die Prüfungen, die während der World-Games angefallen wären, zusätzlich vorher überstehen und dazu täglich trainieren. Sie stand zwei Wochen voll im Stress!

Sie sind SPD-Mitglied und üben neben dem Sport auch ein politisches Mandat im Gemeinderat aus. Wie lassen sich Sport, Beruf und politisches Engagement miteinander vereinbaren? Gibt es Konflikte?

Mein Dank gilt dem Bürgermeister und meinen Gemeinderatskolleginnen und -kollegen für das Verständnis, dass ich mehrfach "fehle". Ich sehe meine Aufgabe in den Bereichen Jugend, Sozialarbeit und Sport. Regionale Tanzgruppen unterstütze ich gerne (z.B. Faschings- und Sportvereine). Konflikte sehe ich keine. Alles andere ist eine Frage von Prioritäten und Planung. Als Amateur weiß ich auch: Vorrang hat der Beruf!

Welche Ziele haben Sie sich für die nahe Zukunft gesteckt?

Mein berufliches Ziel für die nahe Zukunft ist der Sparkassenbetriebswirt. Sportlich: Verteidigung des Deutschen Meistertitels am 17.10.2009 in Lörrach sowie gute Platzierungen bei den Europa- und Weltmeisterschaften 2009 zu erzielen.
Mit Unterstützung meines Vereins und ehrenamtlichen Helfern wollen wir verstärkt Showtanzveranstaltungen anbieten, um dadurch uns und vor allem Schüler- und Jugendtänzer finanziell zu unterstützen. Wir sind unter anderem schon in Grimma (Sachsen) und beim bayerischen Ministerpräsidenten aufgetreten.
Es sind immer Highlights wenn Schüler, Jugend, C-Klasse, B-Klasse und A-Klasse die Anwesenden begeistern. Besonders die Akrobatikrunde der A-Klasse hat mit "Tanz" nicht viel zu tun, oder sieht man auf einer "normalen" Tanzfläche Saltos der Tänzerinnen in 4-5 Meter Höhe?

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