Artikel (Archiv) > Rein in die Parteien

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Partei

Rein in die Parteien

Susanne Dohrn • 28. July 2009

Bild zum Artikel "Rein in die Parteien"

Da ist einer, der nicht aufgeben will. Der unzufrieden ist, aber Ansporn geben will. Der auch bereits ausgetretene Genossen ansprechen will. Armin Fengler: "Alles, was ich hier schreibe, soll erst mal ein Anstoß für Mitglieder der SPD sein, der Partei, der sie noch angehören, wie ich auch, wieder zur alten Stärke und zu altem Selbstbewusstsein zu verhelfen." Das alles ist verbunden mit einer klaren Aufforderung, "wählen gehen, rein in die Parteien, von denen man glaubt, dort die meisten Schnittpunkte zu haben und Meinung deutlich machen." Verantwortung übernehmen, nicht abseits stehen, diese Idee zieht sich durch das Buch. Deshalb auch die klare Absage an Oskar Lafontaine: Der "formuliert Thesen zu Lösungen, an denen er sich später bei einer evtl. Verantwortung sicher nicht mehr beteiligt."

Nun also, vorwärts Genossen

Armin Fenglers Vorschläge decken sich mit weit verbreiteten Wünschen: "Wir brauchen Menschen, die Erfahrungen aus allen Lebensbereichen mitbringen, nicht nur solche, die sich aus sozialem Empfinden rein theoretisch Verbesserungen oder auch nur Veränderungen in unserer Gesellschaft vorstellen können." Er plädiert für eine "langzeitige gemeinsame Ausbildung der Kinder". Er will, dass Elternzeit ausgebaut wird, und fordert eine bessere Qualitätskontrolle im Gesundheitswesen. Alles SPD-Positionen.

Kernpunkt, und durchaus diskussionswürdig, ist der Hebel, mit dem Fengler das durchsetzen möchte: die Veränderung des Wahlrechts. Ein Mehrheitswahlrecht, soll es sein, damit klar sei, wen oder was man wähle. Wahlversprechen und ihre Umsetzung seien dann für jedermann sofort erkennbar. Er geht aber noch weiter und wünscht "ein Parlament, dessen gewählte Abgeordnete nur ihren Wählern verpflichtet sein sollen."

Sehr langer Leserbrief

Das allerdings widerspricht dem freien Mandat, wie es in Artikel 38 Absatz. 1 des Grundgesetzes geregelt ist. Ein weiteres Problem seines Vorschlags: Wenn jeder Abgeordnete nur seinen Wählern verpflichtet ist, wird es schwierig, im Bundestag zu Entscheidungen zu kommen. Denn Entscheidungen erfordern Kompromisse. Wenn die jeder Abgeordnete von "seinen" Wählern absegnen lassen muss, droht dem Parlament Handlungsunfähigkeit.

Aus allem spricht zweierlei: Der Wunsch, sich zu engagieren und dabei zu helfen, dass wir in Deutschland besser leben können. Auf der anderen Seite ist eine große Distanz zur etablierten Politik überdeutlich, die nicht mehr als das empfunden wird, was sie sein sollte: Vertretung der Menschen im Land und nicht ihrer Lobbygruppen. Etwas das zu denken geben sollte. Allerdings kommt das Buch auch daher wie ein sehr, sehr langer Leserbrief. Ein wenig ermüdend also, trotz der großen Schrift.

Susanne Dohrn


Armin Fengler, vorwärts, Genossen. Was die SPD tun muss, 280 Seiten, 12,90 Euro, (Books on Demand) ISBN: 978-3-8391-0728-7 Hier bestellen...

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Westend Verlag

Icon Rezension; Jürgen Roth: „Gazprom – Das unheimliche Imperium"

Putins unheimliches Imperium

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

Cengos (Abdullah Ado) Kindheit endet mit schmerzhaften Verlusterfahrungen.

Icon Film der Woche: Mes – Lauf!

Der stumme Schrei nach Leben

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt