Artikel (Archiv) > Krümmel kommt nicht zur Ruhe

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Atomkraft

Krümmel kommt nicht zur Ruhe

Karsten Wiedemann • 13. July 2009

Foto: Pixelio (McDruck)
Foto: Pixelio (McDruck)

Stückchenweise kommt die Wahrheit ans Licht. Eine Vattenfall-Konzernsprecherin bestätigte am Montag, dass bereits vor dem Wiederanfahren des Reaktors in Krümmel Mitte Juni Metallspäne im Reaktor entdeckt worden seien. Laut ihren Angaben seien danach Reinigungsarbeiten duchgeführt worden. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass "feinste Metallspäne" dabei übersehen wurden. Diese Metallspäne hätten nun möglicherweise ein Brennelement beschädigt, so die Sprecherin.

Offen blieb, woher die Metallspänne stammten. Die Vattenfall-Sprecherin schloss zudem aus, dass der Kurzschluss im Maschinentransformator von der Verunreinigung ausgelöst worden sei. Der Kurzschluss hatte zu Abschaltung des Reaktors nach nur zwei Wochen Betrieb Anfang Juli geführt.

Vattenfall wies zugleich einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zurück, wonach vor dem Wiederanfahren des Reaktors ein Arbeitsschritt aus Zeitgründen unterblieben sei und es deswegen keine ordnungsgemäße Reinigung gegenben habe. Alle vorgesehenen Reinigungs- und Schutzmaßnahmen seien durchgeführt haben. Das Unternehmen begann am Montag damit die 80 000 Brennstäbe zu überprüfen.

Die für die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein zuständige Ministerin Gitta Trauernicht (SPD) kündigte für Freitag eine Regierungserklärung zu den Vorfällen in Krümmel im Kieler Landtag an.

Müntefering: Alte Meiler stillegen

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel warf der Union in der Atomdebatte Verlogenheit vor. Diejenigen, die am lautesten nach einem Festhalten an der Atomenergie riefen, wie zum Beispiel der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), scheuten wie der Teufel das Weihwasser, wenn man in ihrem Land nach einem Endlager für Atommüll
suche, sagte Gabriel dem Radiosender HR-Info.

Gabriel betonte, es sei ein Skandal, dass Union und FDP öffentlich forderten, alte Atommeiler länger am Netz zu lassen und jüngere kürzer. Das diene nicht der Sicherheit, sondern den wirtschaftlichen Interessen der Atomwirtschaft.

SPD-Chef Franz Müntefering sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Was in Krümmel passiert ist, stinkt zum Himmel. Die alten Meiler sollten bis Ende der nächsten Legislatur stillgelegt werden."

Die CDU will trotz der Pannenserie weiter an der Kernenergie festhalten. "Es gibt keinen
Anlass zur Korrektur", sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Sein baden-württtemb
ergischer Amtskollege Günther Oettinger, ebenfalls CDU, betonte erneut, Krümmel sei "ein Kernkraftwerk, das dem Stand der Technik entspricht". Ein vorzeitiges Abschalten älterer, pannenanfälliger Reaktoren lehnte er ab.

Mehrheit will Krümmel abschalten

Mit ihrer starren Haltung in der Atomfrage vertritt die Union dabei zunehmend einer Minderheitenposition. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für "Bild am Sonntag" sprachen sich 72 Prozent der Befragten für eine Stilllegung des Atomkraftwerkes Krümmel in Schleswig-Holstein und anderen älteren Atomkraftwerken aus. Nur 26 Prozent der Befragten waren der Ansicht, Krümmel solle am Netz bleiben.

Selbst 68 Prozent der CDU/CSU-Anhänger sind dafür ältere Atomkraftwerke sofort abzuschalten.

Wachsendes Interesse an Stromanbieterwechsel

Bei der Verbraucherzentrale in Hamburg häufen sich derweil Anfragen, wie man den Stromanbieter wechselt. "Wir haben dreimal so viel Anfragen wie üblich, die
allermeisten von Vattenfall-Kunden", sagte Silke Langhoff von der
Verbraucherzentrale.


Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Westend Verlag

Icon Rezension; Jürgen Roth: „Gazprom – Das unheimliche Imperium"

Putins unheimliches Imperium

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

 „Genug der Farce“, sagt sich Monsieur Demanet.

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“