Stückchenweise kommt die Wahrheit ans Licht. Eine Vattenfall-Konzernsprecherin bestätigte am Montag, dass bereits vor dem Wiederanfahren des Reaktors in Krümmel Mitte Juni Metallspäne im Reaktor entdeckt worden seien. Laut ihren Angaben seien danach Reinigungsarbeiten duchgeführt worden. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass "feinste Metallspäne" dabei übersehen wurden. Diese Metallspäne hätten nun möglicherweise ein Brennelement beschädigt, so die Sprecherin.
Offen blieb, woher die Metallspänne stammten. Die Vattenfall-Sprecherin schloss zudem aus, dass der Kurzschluss im Maschinentransformator von der Verunreinigung ausgelöst worden sei. Der Kurzschluss hatte zu Abschaltung des Reaktors nach nur zwei Wochen Betrieb Anfang Juli geführt.
Vattenfall wies zugleich einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zurück,
wonach vor dem Wiederanfahren des Reaktors ein Arbeitsschritt aus Zeitgründen unterblieben sei und es deswegen keine ordnungsgemäße Reinigung gegenben habe.
Alle vorgesehenen Reinigungs- und Schutzmaßnahmen seien durchgeführt haben. Das Unternehmen begann am Montag damit die 80 000 Brennstäbe zu überprüfen.
Die für die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein zuständige Ministerin Gitta Trauernicht (SPD) kündigte für Freitag eine Regierungserklärung zu den Vorfällen in Krümmel im Kieler Landtag an.
Müntefering: Alte Meiler stillegen
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel warf der Union in der Atomdebatte Verlogenheit vor.
Diejenigen, die am lautesten nach einem Festhalten an der Atomenergie riefen, wie zum Beispiel der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), scheuten wie der Teufel
das Weihwasser, wenn man in ihrem Land nach einem Endlager für Atommüll
suche, sagte Gabriel dem Radiosender HR-Info.
Gabriel betonte, es sei ein Skandal, dass Union und FDP öffentlich forderten, alte Atommeiler länger am Netz zu lassen und jüngere kürzer. Das diene nicht der Sicherheit, sondern den wirtschaftlichen Interessen der Atomwirtschaft.
SPD-Chef Franz Müntefering sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Was in Krümmel passiert ist, stinkt zum Himmel. Die alten Meiler sollten bis Ende der nächsten Legislatur stillgelegt werden."
Die CDU will trotz der Pannenserie weiter an der Kernenergie festhalten.
"Es gibt keinen
Anlass zur Korrektur", sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Sein baden-württtembergischer Amtskollege Günther Oettinger, ebenfalls CDU, betonte erneut, Krümmel
sei "ein Kernkraftwerk, das dem Stand der Technik entspricht". Ein vorzeitiges Abschalten älterer, pannenanfälliger Reaktoren lehnte er ab.
Mehrheit will Krümmel abschalten
Mit ihrer starren Haltung in der Atomfrage vertritt die Union dabei zunehmend einer Minderheitenposition. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für "Bild am Sonntag" sprachen sich 72 Prozent der Befragten für eine Stilllegung des Atomkraftwerkes Krümmel in Schleswig-Holstein und anderen älteren Atomkraftwerken aus. Nur 26 Prozent der Befragten waren der Ansicht, Krümmel solle am Netz bleiben.
Selbst 68 Prozent der CDU/CSU-Anhänger sind dafür ältere Atomkraftwerke sofort abzuschalten.
Wachsendes Interesse an Stromanbieterwechsel
Bei der Verbraucherzentrale in Hamburg häufen sich derweil Anfragen, wie man den Stromanbieter wechselt. "Wir haben dreimal so viel Anfragen wie üblich, die
allermeisten von Vattenfall-Kunden", sagte Silke Langhoff von der
Verbraucherzentrale.







