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Blühende Landschaften

Dorle Gelbhaar • 18. July 2009

Foto: Verlag S. Fischer
Foto: Verlag S. Fischer

Monika Maron, 1941 geboren, in der DDR groß geworden, seit 1988 in der Bundesrepublik lebend und seit 1993 erneut in Berlin ist Autorin einer ganzen Reihe von Romanen und Essaybänden. In ihrem jüngsten Buch hat sie sich einem Ort zugewandt, der sie schon viele Jahre zuvor beschäftigt hatte: Bitterfeld. "Flugasche" hieß ihr damaliger Roman, der Bitterfeld thematisierte. B. nannte sie den Ort im Buch. Und so wie in der DDR alle, die das Buch kannten, wussten, dass mit B. Bitterfeld gemeint war, in dem ein riesiges Chemiekombinat stand, dessen Produktivität die Luft verpestete, so meint die Autorin Grundlage des Erfolges im Westen sei es gewesen, dass man dort B. als Brokdorf las, jenen Ort, an welchem in den 70er und 80er Jahren Großdemonstrationen der Atomkraftgegner gegen das geplante Kernkraftwerk stattfanden. Als auf der einen Seite Braunkohlendünste das Atmen schwerer werden ließen, waren auf der anderen Seite Atomkraftgegner aktiv. Um die Umwelt ging es in beiden Fällen, auch wenn die Autorin damals "über ein Atomkraftwerk in Bitterfeld, das den Bewohnern die täglichen 180 Tonnen Flugasche erspart hätte, sicher froh gewesen" wäre, wie sie schreibt.

Ein Traum
Aber darum geht es in dem jetzigen Buch nicht vordergründig. Das ist nur die Reminiszenz an die Vergangenheit. Vielmehr soll nun eine Erfolgsstory nachgezeichnet werden. Bitterfeld ist genau der richtige Ort dafür. Hier haben sich die "Blühenden Landschaften", die Kanzler Kohl einst den Ostdeutschen versprach, im Wortsinne realisiert. Die riesige Produktion verschwand. Die von der Chemie verseuchte Landschaft lebte biologisch auf.

Die Autorin allerdings interessiert sich für ein neu gewachsenes Unternehmen, dessen Maxime es ist, Produktion und Umwelt in Übereinstimmung zu bringen: Solar Valley

Treuhand einmal positiv
Doch vorweg: In Bitterfeld gab es eine Entwicklung, die man schmecken und riechen konnte. Und in diesem Punkte jedenfalls wird die Arbeit der Treuhandgesellschaft, die die Privatisierung der VEB (Volkseigene Betriebe) betrieb, positiv geschildert: Der jetzige Leiter der Abteilung Umweltschutz und Arbeitshygiene, der Autorin noch aus DDR-Zeiten als Umweltbeauftragter im Chemiekombinat bekannt, ist sich mit ihr in dieser Bewertung einig. Mehrere Jahre lang hätten dank der Treuhand der Organisation sieben- bis achttausend ehemalige Werksangestellte in so genannten Auffanggesellschaften sinnvolle Arbeit gehabt. Sie sanierten die Böden und rissen ihre alten Betriebe ab.

Das Neue und das Alte

Monika Maron beschreibt die Umkehrung der Prioritäten - Umweltschutz vor Produktion statt Produktion vor Umweltschutz - als Zeitenwende. Und genau hier dürfte der Dissens mit manchem Bitterfelder liegen, den sie als mögliche Ursache ihrer langjährigen Bitterfeld-Abstinenz beklagt. Die Endlichkeit der Abriss- und Sanierungsarbeiten dürfte den Beschäftigten klar gewesen sein, weshalb ihnen die saubere Luft eventuell manchmal schlechter schmeckte als zuvor die giftig dreckige.

Abhängigkeit vom Arbeitsamt ist eine üble Sache, Produktivität allemal anerkannter als Arbeitslosigkeit. Und wer bräuchte keine Anerkennung, Selbst, wenn die eigene Gesundheit und die der Familie dabei zu Schaden kommen kann?

Maron ist nicht "blauäugig". Sie weiß um die Hoffnung, die der Mensch braucht, und die in ihrem Buch die neue Firma "Solar Valley" verkörpert. Sie wagt auch die Frage, ob es unter den ehemaligen Werksangehörigen nicht Leute gegeben hätte, die selbst die Fähigkeit zu Firmengründungen besessen hätten. Der Abteilungsleiter Umweltschutz und Arbeitshygiene bejaht diese. Von ihm erfährt sie, dass Treuhandmanager sich rentable Betriebe, "Filetstücke wie die Farbenproduktion oder die Pfanzenchemie, wo es noch lohnende Marktanteile gab, … gesichert" hätten und wie Verkäufe des Chemieparks zunächst nicht zum Erfolg führten.

Die Macher
Dann aber geht es endlich um die Macher, die es schafften, etwas in Gang zu setzen, das Zukunft hatte. Um einen wie den 2006 verstorbenen Firmengründer Reiner Lemoine zum Beispiel, dem mit diesem Buch ein Denkmal gesetzt wird.

Dorle Gebhaar


Monika Maron "Bitterfelder Bogen. Ein Bericht" Mit Fotos von Jonas Maron, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2009, 173 Seiten, 18,95 Euro, ISBN 978-3-10-048828-2 Hier bestellen...

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