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Dänemark: Zu Besuch beim Windweltmeister

Karsten Wiedemann • 04. July 2009

Windpark vor Kopenhagen. Foto: Wiedemann
Windpark vor Kopenhagen. Foto: Wiedemann

Dänemark hat bereits heute die größte Windenergiedurchdringung weltweit, will heißen gut ein Fünftel des von den Dänen verbrauchten Stroms stammt aus Windenergie. Als Gastgeber der Weltklimakonferenz im Dezember will das skandinavische Land mit gutem Beispiel vorangehen. Das Land hat nicht ein Klimaschutzministerium geschaffen sondern auch angekündigt, den Windstromanteil bis zum Jahr 2025 auf 50 Prozent auszubauen. Zum Vergleich: Deutschland will den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung im vergleichbaren Zeitraum auf 30 Prozent steigern.

Damit in Dänemark die Hälfte des Strom aus grünen Quellen fließen kann muss die Strominfrastruktur, das Stromnetz ausgebaut, ja neu gedacht werden. Denn anders als bei der fossilen Energieerzeugung mit Kohle oder Gas, liefern Solar- oder Windkraftanlagen nicht auf Knopfdruck Strom. Ihre Leistung hängt davon ab, wie lange die Sonne scheint und wie stark der Wind weht. Mag es an einem Tag zu viel Windstrom geben, kann am nächsten Tag schon Flaute herrschen. Auf diese flexible Erzeugung muss das Netz vorbereitet werden.

Planung und Prognose

Mit Investitionen von rund 200 Millionen Euro will der dänische Netzbetreiber Energienet.dk die Übertragungswege fit machen für die Integration wachsender Strommengen aus Erneuerbaren Energien. Seit vier Jahren wacht das staatliche Unternehmen über das dänische Stromnetz. "Unsere Aufgabe ist es, das Netz stabil zu halten", sagt der Vorstandsvorsitzende Peder Andreasen. Vor dem Hintergrund eines wachsenden Anteils an flexiblen Windstroms, keine ganz leichte Aufgabe. "Planung und Prognose sind der Schlüssel zum Erfolg" sagt Antje Orths, Netz-Expertin bei Energienet.dk.

In der supermodernen Energienet-Zentrale in der Kleinstadt Fredericka werten deshalb hunderte Mitarbeiter riesige Datenmengen und Vorhersagen aus. Für den stabilen Netzbetrieb muss nicht nur klar sein, wann der Wind von wo weht, sondern auch wann die Dänen Vorzugsweise ihre Wasch und Spülmaschinen einschalten und damit für Spitzenlast im Netz sorgen.

Gibt es ein Überangebot an Strom kann über den gemeinsamen Strommarkt mit den skandinavischen Ländern Strom verkauft werden. Zum Beispiel nach Norwegen. Dort wird dann mit dem dänischen Windstrom Wasser in die zahlreichen Stauseen gepumpt. Fehlt es in Dänemark an Energie, werden in Norwegen die Schleusen geöffnet. Das abgelassene Wasser treibt dann Generatoren an, die Strom für Dänemark liefern. Dänemark kann zudem auf ein Netz von Gas- und Blockheizkraftwerken zurückgreifen, die sich anders als große Kohle- oder Kernkraftwerke flexibel hoch und runterregeln lassen.

Windkraft für Kopenhagen

In der Bucht von Kopenhagen lässt sich die grüne Energiezukunft Dänemark bereits heute besichtigen. Dort steht, in Sichtweite eines Kohlekraftwerkes, der Off-Shore-Windpark Mittelgrundens. Die 20 2-MW-Windräder liefern genug Strom, um circa 4 Prozent der Kopenhagener Bevölkerung zu versorgen. Betrieben wird der Windpark anteilig vom dänischen Energienkonzern Dong sowie der nach eigenen Angaben größten Windenergiekooperative weltweit mit 8600 Anteilseignern.

"Der Windpark ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden", sagt Stefan Naef von der Windparkkooperative nicht ohne Stolz. Er erinnert sich aber auch an die Widerstände, die es gegen den Bau gab. "Viele fürchteten, dass der Windpark das Panaroma der Stadt zerstören würde", erzählt Naef. "Es gab sogar Stimmen, die behaupteten, Kreuzfahrtschiffe würden einen großen Bogen um die Stadt machen, wenn die Windräder aufgestellt werden." Zehn Jahre später ist von derlei Vorwürfen nichts mehr zu hören. Dass der Widerstand verstummte liegt auch an der Arbeit der Kooperative, glaubt Naef. "Wir sind zu den Leuten hingegangen und haben genau erläutert was wir vorhaben." Inzwischen plant die Kooperative die Beteiligung an weiteren Windparks und auch Mitinhaber Dong will künftig auf grüne Energien setzen.

Der Konzern will seinen Energiemix komplett umstellen, 85:15 lautet die Zauberformel. Derzeit stammen 85 Prozent des vom Unternehmen erzeugten Stroms aus fossilen Energiequellen, 15 Prozent aus Erneuerbaren. Die Relation soll sich umkehren, "innerhalb einer Generation", wie Dong-Chefökonom Ulrich Stridbaek sagt. Zu den 85 Prozent CO2-armen Stroms zählt das Unternehmen dann allerdings auch "Clean Coal", also Strom aus Kraftwerken mit CO2-Abscheidung.

Auto als Stromspeicher

Die Antwort, wie ein wachsende Menge an unsteter Wind- oder Sonnenergie in das Energiesystem eingebunden werden liegt aber nicht nur im Stromnetz, auch Stromspeicher spielen eine immer größere Rolle. Hier rückt vor allem das Thema Elektromobilität in den Fokus, also das Auto als Stromspeicher von morgen.

Dong ist bereits mit rund 50 Prozent an "Better Place" beteiligt. Das Unternehmen will in naher Zukunft ein Netz von Batterietankstellen und Ladestationen errichten. Die Idee: Der Kunde kauft ein (Elektro)-Auto, die Batterie erhält er von "Better Place" zusammen mit einem Servicevertrag. Je nach Bedarf können dann bestimmte Reichweiten gebucht werden, ähnlich wie bei einem Handy-Vertrag. Für Dong bietet sich dadurch ein weiterer Absatzmarkt.

2011, mit der erwarteten Auslieferung der ersten in Serie gefertigten Elektroautos von Renault, will das Unternehmen durchstarten. Bis dahin bleibt die Idee von der flächendeckenden Elektromobilität die Vision des Better-Place-Gründers und Ex-SAP-Chefs Shy Agassi.

Weitere Infos beim dänischen Ministerium für Klimaschutz

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