Artikel (Archiv) > 1968 und die jüngere Generation

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Gesellschaft

1968 und die jüngere Generation

Karsten Wiedemann • 18. June 2009

Bild: Stuttmann
Bild: Stuttmann

Bei einer Diskussion vor einigen Wochen in Berlin brachen sie wieder los, die Konflikte
von damals. Auf dem Podium: Tilman Fichter, vor 40 Jahren beim SDS in
Berlin und Wulf Schönbohm, der Vorsitzender des Rings-Christlich-Demokratischer
Studenten (RCDS) war. Worüber sie stritten? Über 1968.

Für die Dauer der Podiumsdiskussion - Anlass war die Eröffnung der Ausstellung
"68 - Brennpunkt Berlin" sah sich der Beobachter dabei zurückversetzt an die FU Berlin der späten 60er Jahre. Etwa wenn Fichter dem damaligen RCDSler Schönbohm lautstark vorwarf, seine Organisation sei zu feige gewesen, die USA für den Vietnamkrieg zu kritisieren und dieser zurückblaffte, die Ziele von APO und SDS seien allesamt unrealistisch gewesen und das einzige Gute, das die 68er erreicht hätten, sei, dass man endlich ungestraft bei seiner Freundin übernachten durfte.

Runde Geburtstage bieten immer einen Anlass sich zurückzubesinnen auf die
Dinge, die da einst waren. Das geht nicht immer friedlich ab. So verhält sich dies
auch mit dem Jahr 1968, das wir, die Kinder der 68er,nur vom Hörensagen kennen.
Nach dem Motto: "Papa, was hast Du denn 1968 gemacht?"

Erbitterter Streit bis heute

Was 1968 war und welche Relevanz es für die nachfolgenden Generationen hat und
hatte, ist nicht ganz leicht zu eruieren. Stehen sich doch seit dem Jahr zwei Lager
unerbittlich gegenüber, die jeweils die Deutungshoheit über die Ereignisse für
sich beanspruchen.

Da gibt es auf der einen Seite die 68er selbst, die ihre Taten von damals oft mit etwas verklärtem Blick betrachten, und auf der anderen Seite ihre Gegner von einst, für die 1968 offenbar so etwas wie den Untergang der westlichen Wertegemeinschaft markiert. Und dazwischen die in den 70er Jahren Geborenen, die sich einen Reim auf das Ganze machen müssen.

Was nicht ganz leicht ist angesichts des erbitterten Streits, der derzeit um "das Erbe" von 1968 tobt. Da malt ZDF-Dauerlächler Peter Hahne das Bild von marodierenden
Studenten, die mit ihrem Angriff auf die Gesellschaft jede Form von Autorität,
Tradition und Wertebindung zerstört hätten.

Ihm eilt Bild-Chef Kai Dieckmann zur Seite, der 68 als "Epochenbruch in Richtung Egonzentrik, Mittelmaß und Faulheit" brandmarkt. Aber nicht nur von erwartbarer, weil konservativer Seite wird 68er-Bashing betrieben. Auch prominente Protestler von einst wie Daniel Cohn-Bendit rufen dazu auf, "'68 zu vergessen".

Für den Autor und Historiker Götz Aly war 1968 gar ein Spätausläufer des europäischen
Totalitarismus. Die Kinder der Massenmörder seien mit der Bibel des Massenmörders
Mao herumgelaufen, so seine Argumentation.

weiterlesen

Der Artikel erschien in der "Neuen Gesellschaft/Frankfurter Hefte" (Ausgabe 3/2008)

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Cover: Oldenbourg Verlag

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Icon Rezension; Alexander Dill: „Gemeinsam sind wir reich"

Mehr Sozialkapital

Icon Rezension; Jörg Hafkemeyer: "Der Patriot"

Der kleine große Mann aus der zweiten Reihe

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

Für Lothar (André M. Hennicke) gibt es wohl kein Zurück   in sein bisheriges Leben.

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“

Icon Wuppertal-Vohwinkel

Der braune Fleck im Stadtbild