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Sarkozy umwirbt Obama mit Druck und D-Day

Lutz Hermann • 09. June 2009

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Allein die diplomatische Vorbereitung des Veteranen-Gipfels auf dem US-Friedhof Colleville-sur-Mer warf ein Schlaglicht auf seine Bemühungen um ein exklusiv französisches Treffen an der Ärmelkanalküste. Doch aus London kam sehr deutlich das Bedauern, dass die 83 Jahre alte Queen, einzige noch lebende Zeitzeugin der Invasions-Operation "Overlord" am 6. Juni 1944, nicht eingeladen sei. Aus Kanada verlautete, sein Premier Stephen Harper sei offensichtlich auch nicht willkommen.

Als Regierungssprecher Luc Chatel ganz nonchalant und undiplomatisch öffentlich einräumte, der 65. Jahrestag sei zuerst eine franko-amerikanische Veranstaltung, wurde der Fauxpas publik. Der französische Staatschef mußte sich in der britischen Tabloidpresse bissige Kommentare gefallen lassen. Nationen, die mit Truppen beim Vorgehen gegen Hitlerdeutschland dabei waren, signalisierten offenes Erstaunen über die Nichteinladung nach Nordfrankreich. Einen hochpolitischen Touch erhielt die Nachricht, als Barack Obama den Pariser Elyseepalast bat, die Queen, zumindest einen Repräsentanten der britischen Krone, bei den Feierlichkeiten nicht zu übergehen.

Die Verstimmung zwischen Sarkozy und Obama war zu spüren. Zwar trat der US-Präsident vor den 7.000 Gästen souverän auf, aber schon auf der gemeinsamen Pressekonferenz war neben außenpolitischen Übereinstimmungen (Israelisch-palästinensische Friedenskontakte, keine Atombombe für den Iran, Dialog mit Russland) auch Differenzen zwischen Obama und Sarkozy zu spüren. Das betraf den eventuellen Beitritt der Türkei zur EU. Die USA begrüßen eine Vollmitgliedschaft, während Paris sie rundweg ablehnt.

Was auffiel war die innere Spannung des Gastgebers. Auf die Reporterfrage, warum die bilateralen Gespräche so kurz seien, antwortete Obama, Sarkozy rede ja schnell, "so gewinnen wir Zeit". Darauf konterte der Franzose, der Gast habe eine ebenso schnelle Auffassungsgabe. Während Sarkozy den Amerikaner mit seinem Vornamen anredete, beschränkte sich dieser auf "President Sarkozy". Noch einsilbiger wurde der Franzose, als er nach einem privaten Diner zwischen beiden gefragt wurde. "Wir sind hier zum Arbeiten!" gab Sarkozy barsch zurück. So hatte es in Caen nur ein leichtes Arbeitsessen in der Präfektur aber kein privates Abendessen im Elysee gegeben; Obama zog es mit seiner Familie vor, in einem Pariser Lokal zu Abend zu speisen.

Sarkozy hat sich seit Amtsübernahme von Obama vor einem halben Jahr unermüdlich um ein frühes Treffen mit dem neuen Präsidenten bemüht. Nach der NATO-Rückkehr seines Landes hoffte er auf eine "politische Gegenleistung". Sarkozys Berater deuteten gegenüber der Pariser Presse an, dass Frankreichs Staatschef in der Dynamik des Amerikaners "in der Weltführung in nichts nachsteht". In Washington jedoch regierte kühle Zurückhaltung.

Politologen in Paris haben dafür eine Erklärung: Thierry de Montbrial, Leiter des "Französischen Instituts für Internationale Beziehungen" (IFRI) meint, Frankreich sei eben für die USA nicht das wichtigste Land in Europa. "Für die Amerikaner ist Frankreich ein Staat wie jeder andere". Montbrials Kollege Bruno Tertrais von der "Stiftung für Strategische Forschung" (FRS) ergänzt: "Die franko-amerikanischen Beziehungen sind paradoxerweise nicht besser, als sie unter der Bush-Regierung waren". In Colleville-sur-Mer, wo 10 000 gefallene Amerikaner liegen, war die Realität zu besichtigen: Historisch ist das franko-amerikanische Verhältnis eng und aufrichtig, politisch aber eher geschäftsmäßig.

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