Artikel (Archiv) > Mittelmacht spielt Global Player

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Frankreichs neuer strategischer Stützpunkt in Abu Dhabi

Mittelmacht spielt Global Player

Lutz Hermann • 03. June 2009

Foto: pixelio.de_cornerstone
Foto: pixelio.de_cornerstone

Der französische Präsident begreift sich als Weltmacht. Bei der Einweihung des "Strategischen Stützpunktes" erklärte er: "Frankreich möchte als Weltmacht ("puissance globale") neben privilegierten Freunden in einer historischen Region Verantwortung übernehmen". Ein aus dem Jahr 1995 stammender militärischer Beistandspakt wurde aktualisiert und unterzeichnet. So bunkert sich die Atommacht Frankreich, die dem Ständigen UN-Weltsicherheitsrat angehört, in unmittelbarer Nähe des Iran ein.

Persönliche Beziehungen und Waffengeschäfte

Ob Sarkozys Hinweis, auf der 225 km von der iranischen Küste entfernten Einrichtung nur Militärs ausbilden zu wollen, Teheran ungerührt lässt, ist zu bezweifeln. Der Iran hatte heftig reagiert, als der Präsident vor einem Jahr den Bau der von den VAE finanzierten Basis ankündigte. Die VAE sind zugleich ein wichtiger Waffenkunde Frankreichs. Vor über 10 Jahren kaufte der Golfstaat 63 Kampfflugzeuge des Typs "Mirage-2000". Die Flotte soll erneuert werden, die Franzosen möchten das Nachfolgemodell Rafale des Konstrukteurs Dassault verkaufen. Es wäre der erste Verkauf des Typs ins Ausland, der Rafale wurde bisher wenig Vertrauen entgegengebracht. Dassaults Vertreter gehörten zur Begleitung auf der zweitägigen Golfreise. Mit dem Flugzeughersteller ist die Familie Sarkozy eng verbunden, Serge Dassault ist Patenonkel des letzten Sohnes von Sarkozy, Pierre, heute 7 Jahre alt.

Paris hofft, den Auftrag von 15 bis 30 Milliarden Euro gegen die amerikanische Konkurrenz (F-16) zu ergattern. Weitere Waffensysteme sind Kampfhubschrauber und Schiffe. Frankreich geht es in Nahost vor allem darum, den Amerikanern Rüstungsdeals abspenstig zu machen. Die Rolle des Global Players neben den USA bedeutet für die Grande Nation, geo- und handelspolitischen Einfluss zu gewinnen. So soll die Logistikbasis in Abu Dhabi erstens die Sicherheit der Ölversorgung mitgarantieren, zweitens eine Nachschubeinrichtung auf dem Weg nach Afghanistan und Pakistan sein, drittens einen "Horchposten" für Geheiminfos aus dem Iran abgeben und viertens den Beistandspakt unterstreichen.

Frankreich gegen Amerika

Aufschlussreich sind die Kommentare der Pariser Tageszeitung "Le Figaro", die Dassault gehört. "Unsere militärische Präsenz ist gerechtfertigt!" Frankreich in der Nähe der Konfliktregion (Afghanistan, Pakistan, Iran, Somalie) sei eine politische Notwendigkeit beim Versuch, neben den USA und Großbritannien als Krisenmanager aufzutreten.

Der springende Punkt in der Diskussion um Frankreichs Nahost-Rolle ist das Verteidigungsabkommen mit den VAE. Der Pakt sieht im Falle eines iranischen Angriffs auf das Scheichtum vollen französischen Beistand vor. Sarkozy hat öffentlich bekräftigt, man werde die Freunde nicht im Stich lassen. Eine Attacke auf Abu Dhabi, so ein hoher Militär aus Paris, würde als eine Attacke auf Frankreich gewertet. Die europäische Mittelmacht als Global Player - die Franzosen werden sich an den strategischen Ehrgeiz ihres Staatschefs gewöhnen müssen, der eine militärische Verwicklung in diesem Teil der Welt nicht ausschließt.

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Westend Verlag

Icon Rezension; Jürgen Roth: „Gazprom – Das unheimliche Imperium"

Putins unheimliches Imperium

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

 „Genug der Farce“, sagt sich Monsieur Demanet.

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“