Der französische Präsident begreift sich als Weltmacht. Bei der Einweihung des "Strategischen Stützpunktes" erklärte er: "Frankreich möchte als Weltmacht ("puissance globale") neben privilegierten Freunden in einer historischen Region Verantwortung übernehmen". Ein aus dem Jahr 1995 stammender militärischer Beistandspakt wurde aktualisiert und unterzeichnet. So bunkert sich die Atommacht Frankreich, die dem Ständigen UN-Weltsicherheitsrat angehört, in unmittelbarer Nähe des Iran ein.
Persönliche Beziehungen und Waffengeschäfte
Ob Sarkozys Hinweis, auf der 225 km von der iranischen Küste entfernten Einrichtung nur Militärs ausbilden zu wollen, Teheran ungerührt lässt, ist zu bezweifeln. Der Iran hatte heftig
reagiert, als der Präsident vor einem Jahr den Bau der von den VAE finanzierten Basis ankündigte. Die VAE sind zugleich ein wichtiger Waffenkunde Frankreichs. Vor über 10 Jahren kaufte der
Golfstaat 63 Kampfflugzeuge des Typs "Mirage-2000". Die Flotte soll erneuert werden, die Franzosen möchten das Nachfolgemodell Rafale des Konstrukteurs Dassault verkaufen. Es wäre der erste
Verkauf des Typs ins Ausland, der Rafale wurde bisher wenig Vertrauen entgegengebracht. Dassaults Vertreter gehörten zur Begleitung auf der zweitägigen Golfreise. Mit dem Flugzeughersteller ist
die Familie Sarkozy eng verbunden, Serge Dassault ist Patenonkel des letzten Sohnes von Sarkozy, Pierre, heute 7 Jahre alt.
Paris hofft, den Auftrag von 15 bis 30 Milliarden Euro gegen die amerikanische Konkurrenz (F-16) zu ergattern. Weitere Waffensysteme sind Kampfhubschrauber und Schiffe. Frankreich geht es
in Nahost vor allem darum, den Amerikanern Rüstungsdeals abspenstig zu machen. Die Rolle des Global Players neben den USA bedeutet für die Grande Nation, geo- und handelspolitischen Einfluss zu
gewinnen. So soll die Logistikbasis in Abu Dhabi erstens die Sicherheit der Ölversorgung mitgarantieren, zweitens eine Nachschubeinrichtung auf dem Weg nach Afghanistan und Pakistan sein,
drittens einen "Horchposten" für Geheiminfos aus dem Iran abgeben und viertens den Beistandspakt unterstreichen.
Frankreich gegen Amerika
Aufschlussreich sind die Kommentare der Pariser Tageszeitung "Le Figaro", die Dassault gehört. "Unsere militärische Präsenz ist gerechtfertigt!" Frankreich in der Nähe der Konfliktregion
(Afghanistan, Pakistan, Iran, Somalie) sei eine politische Notwendigkeit beim Versuch, neben den USA und Großbritannien als Krisenmanager aufzutreten.
Der springende Punkt in der Diskussion um Frankreichs Nahost-Rolle ist das Verteidigungsabkommen mit den VAE. Der Pakt sieht im Falle eines iranischen Angriffs auf das Scheichtum vollen
französischen Beistand vor. Sarkozy hat öffentlich bekräftigt, man werde die Freunde nicht im Stich lassen. Eine Attacke auf Abu Dhabi, so ein hoher Militär aus Paris, würde als eine Attacke auf
Frankreich gewertet. Die europäische Mittelmacht als Global Player - die Franzosen werden sich an den strategischen Ehrgeiz ihres Staatschefs gewöhnen müssen, der eine militärische Verwicklung in
diesem Teil der Welt nicht ausschließt.







