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Zwischen Buddha und Gartenzwerg

Yvonne Holl • 30. May 2009

In Korea ist das Wetter besser: Woo-Zaa mit Ludwig beim Baden. Foto: (c): Foto: Stefan Grandinetti / Flying Moon
In Korea ist das Wetter besser: Woo-Zaa mit Ludwig beim Baden. Foto: (c): Foto: Stefan Grandinetti / Flying Moon

Willi ist die Langmut in Person. "Ja, ja", sagt er, "manchmal ist es schon wie im Zoo." Dabei guckt der bald 80-Jährige weiter freundlich drein. Als er merkt, dass die Fragesteller doch etwas mehr Empörung erwartet haben, zuckt er noch mal die Achseln und sagt: "Mein Haus liegt ja etwas abseits, da bekommen wir das nicht so mit." Und die "Langnasen"-Rufe, die stören ihn wohl auch nicht? "Ach", sagt er, "man gewöhnt sich daran". Willi ist einer der drei deutschen Bewohner eines quasi nach ihnen benannten und einfach einmaligen Ortes: des "German-Village", des "Deutschen Dorfes" in Südkorea.

Deutsche Bratwurst

Deutsch ist hier vieles, die Backsteine, aus denen die ziegelgedeckten Häuser gebaut sind, und die extra per Schiff nach Asien verfrachtet wurden. Die Gartenzwerge im Vorgarten und natürlich die Bratwürste, die Armin, der gelernte Metzger, selbst herstellt.

Deutsch sind auch Willi, Armin und Ludwig und irgendwie auch ihre Frauen Chun-Ja, Young-Sook, und Woo-Za. Denn die haben mehr als 30 Jahre in der Bundesrepublik gelebt. In den 70er Jahren ließen sie alles in ihrer damals wirtschaftlich stark gebeutelten Heimat zurück: Hab und Gut, Freunde, Familie, teils die eigenen Kinder. Auf einem fremden Kontinent bauten sie sich ein neues Leben auf, arbeiteten als Krankenschwestern, kamen zu bescheidenem Wohlstand. Schließlich lernten sie ihre Ehemänner kennen.

Rückkehr nach 30 Jahren

Kichernd erzählt Woo-Zaa, wir ihr Ludwig sie vor Jahrzehnten umwarb. Hartnäckig bat er immer wieder um eine samtagabendliche Verabredung. Jede Woche auf´s Neue. Schließlich willigte sie ein. Das ist 30 Jahre her. Gemeinsam verbrachten sie ein Leben in der Heimat des Ehemannes, in der sich auch Woo-Zaa gut eingerichtet hat. Ihr Deutsch hat einen charmanten Akzent ist aber ausgezeichnet. Sie hatte Arbeit, Freunde. Und doch blieb da die Sehnsucht. Nach einer anderen Heimat, die sie vor so langer Zeit verlassen hatte.

Dann kam ein verlockendes Angebot: Eine koreanische Gemeinde bot nach Deutschland ausgewanderten Gastarbeitern, die ihre Familien jahrelang mit Devisen unterstützt hatten und nun in der Fremde alt geworden waren, sehr günstige Baugrundstücke an. Ein "Deutsches Dorf" sollte entstehen, in dem Deutsche und Koreaner zusammen leben.

Drei Ehepaare nahmen das Angebot an. Warum es nicht mehr sind, lässt Sung-Hyung Chos Film erahnen. Weder Willi, noch Armin noch Ludwig sprechen fließend Koreanisch. Willi, der Aufgeschlossenste, spricht einige Worte, viele haben mit den Mahlzeiten zu tun.

Ludwig tut sich am schwersten. Dass die koreanischen Freunde meist nicht zur vereinbarten Zeit erscheinen, sondern zu einem variablen späteren Zeitpunkt macht ihn wütend bis verletzt. Außerdem steht sein Haus nicht so günstig wie Willis. Es ist das erste am Platze und begehrtes Fotoobjekt der Touristen, die hier in Bussen herangekarrt werden. Zurückhaltung üben dabei wenige. "Da schau, die Langnase", rufen viele ungeniert und zeigen mit dem Finger auf den großen, hellhäutigen Ludwig. Einige junge Frauen dringen sogar durch die Gartenpforte auf das Grundstück um sich vor deutschen Giebeln, Geranien und Türklopfer zu fotografieren. Schon mehrmals haben Ludwig und Woo-Zaa die Polizei gerufen.

Daham is´daham

Regisseurin Cho, die für ihren Debütfilm "Full Metall Village" unter anderem den Max-Ophüls-Preis erhielt, kommt sehr nah an die drei Ehepaare heran. Erklärt wird wenig, das ist manchmal ein Manko. Sie lässt ihre Protagonisten reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Das grenzt gelegentlich an ein Zur-Schau-Stellen der medial Unerfahrenen.

Es ermöglicht aber auch besonders tiefe Einblicke in das Leben binationale Paare und ihrem Dilemma, die Sehnsucht nie loszuwerden. Es zeigt aber auch, dass man trotzdem sein Glück oder zumindest Zufriedenheit finden kann. So sieht es Willi, der gerne in Korea lebt und dort bleiben will, denn "die Koreaner sind aufgeschlossener als die Deutschen, außerdem ist das Wetter schöner." Er sagt aber auch: "Deutschland ist auch mein Zuhause. Daham is´daham."

"Endstation der Sehnsüchte - Ein deutsches Dorf in Südkorea" startet im Oktober in den deutschen Kinos.

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