Die Blumen kamen zu früh. Noch vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses der 13. Bundesversammlung brachten Saaldiener Blumen für die Kandidaten in den Plenarsaal des Reichstages und signalisierten damit: Weitere Wahlgänge sind nicht mehr notwendig. Ein peinlicher Fauxpas, der dem Anlass sicher nicht gerecht wurde. Die 1224 Wahlmänner und -frauen der Bundesversammlung hatten zu diesem Zeitpunkt im ersten Wahlgang ihre Stimmen abgegeben und Amtsinhaber Horst Köhler mit denkbar knapper Mehrheit von 613 Stimmen im Amt bestätigt. Gesine Schwan erhielt 503 Stimmen.
Union und FDP beeilten sich kurz nach Auflösung der Bundesversammlung, das Wahlergebnis als Signal für Schwarz-Gelb umzumünzen. Das ging nicht nur dem neugewählten Bundespräsidenten gegen
den Strich. Als Bundespräsident sehe man sich nicht als Teil einer Regierungskoalition, beeilte sich Horst Köhler kurz nach der Wahl zu be-tonen. Auch der Politikwissenschaftler und ehemalige
CDU-Bundestagsabgeordnete Gerd Langguth sieht die "Triumphgesten" von Schwarz-Gelb mit Skepsis. "Unser höchstes Staatsamt parteitaktisch zu vereinnahmen, kommt bei den Bürgern nicht gut an",
sagte Langguth in einem Zeitungsinterview.
"Das hat mit der Bundestagswahl nichts zu tun", betonte SPD-Chef Franz Müntefering. Er verwies darauf, dass Union und FDP schon vor fünf Jahren versucht hatten, die Bundespräsidentenwahl
als Signal für sich zu nutzen. "Das war es aber nicht, wie sich dann herausgestellt hat." Auch bei der Wahl im Herbst werde es Schwarz-Gelb erneut nicht schaffen, so der SPD-Chef.
Ausdrücklich dankte Müntefering Gesine Schwan für ihren Einsatz. Sie
habe mit ihrer Kandidatur "praktische Demokratie" gelebt. "Es bleibt Gesine Schwans Verdienst, mit ihrem Engagement in den vergangenen Monaten die öffentliche Debatte weit vorangebracht zu
haben. Mit dieser Frau hätte Deutschland eine gute Bundespräsidentin gehabt, kein Zweifel". Er wünsche sich, dass sie weiterhin eine wichtige Rolle in der SPD spiele.
Auch Gesine Schwan selbst zog eine positive Bilanz ihrer Kandidatur. Es sei wichtig, in einer Demokratie Alternativen zu bieten und sich um das Gemeinwohl zu bemühen, das gehe nicht ohne
Profile. "Ich glaube, ich habe Profil gezeigt", sagte Schwan. Nach den anstrengenden letzten Monaten, in denen die Kandidatin auf Hunderten von Veranstaltungen sprach, wünschte sie sich eines:
"Ein bißchen Ruhe!"
Diesen und weitere Artikel finden Sie in der neuesten Ausgabe des vorwärts, ab dem 28. Mai 2009 am Kiosk.







