Für Altkanzler Helmut Kohl dürfte dieses Bild wie gemacht sein. Stolz ragt das Haupt des Pfälzers zwischen einstigen europäischen Staatsmännern und jubelnden DDR-Bürgern hervor. Kohl als "Kanzler der Einheit" und Vordenker Europas: Der Internetauftritt der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung bedient jene Selbstwahrnehmung, die Langguth als ideologischen Kern des Machtmenschen Kohl ausmacht. Und wofür stehen dessen Nachfolger im Kanzleramt?
Der Autor, der mit Biografien zu Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf sich aufmerksam gemacht hat, wagt einen Balanceakt. Einerseits legt der Bonner Professor (Jahrgang 1946) ein sehr subjektives Porträt der Regierungschefs Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel vorgelegt. Gleichzeitig skizziert er eine objektive "Formel der Macht". Doch was lernt der Leser dabei über die Eigenarten der drei "Machtmenschen"?
Der größte Vorzug des Buches liegt in der lebendigen Rekonstruktion deutscher Innen- und Außenpolitik, die mit Kohls Aufstieg in der CDU einsetzt. Anhand von Interviews und internen Quellen zeichnet Langguth nach, wie sich drei Menschen bis an die Spitze ihres Landes vorarbeiten und welchen (macht-)politischen Herausforderungen sie sich stellen. So erlebt das Publikum Zeitgeschichte aus der Perspektive des Kanzleramtes bzw. des Innersten der Regierungsparteien. Langguths Vergangenheit als Staatssekretär, Vorstandsmitglied und Bundestagsabgeordneter der CDU dürfte die Materialbeschaffung erleichtert haben. Ebenso standen ihm bekannte SPD-Politiker wie Ottmar Schreiner und Gernot Erler Rede und Antwort.
Tunnelblick nimm Glaubwürdigkeit
Auch vor psychologischen Deutungen schwieriger Etappen der Protagonisten - für Gerhard Schröder war dies unter anderem der Weg vom Machtverlust der SPD in Nordrhein-Westfalen bis hin zur Bundestagswahl 2005 - schreckt Langguth nicht zurück. Doch genau darin liegen seine Schwächen. So stellt er dem "bauchgesteuerten Geschichtsdeuter" Kohl den "pragmatischen Zocker" Gerhard Schröder gegenüber, der stets nur einem Motiv gefolgt sei: Macht um der Anerkennung willen.
Obwohl der Abschnitt zu Schröder den meisten Raum einnimmt, bringt er - bezogen auf den "Machtmenschen" - wenig Erhellendes mit sich. Langguths Blick auf Schröders Kanzlerschaft ist völlig auf dessen Machtverlust im Jahre 2005 fixiert. Zur Glaubwürdigkeit seiner Thesen trägt dieser Tunnelblick nicht gerade bei.
Spätestens die Ausführungen zu Angela Merkel offenbaren die Probleme des Vergleichs. Während Kohl und Schröder in einer bisweilen hämischen Gesamtschau analysiert werden, steht die Bilanz der Kanzlerin und CDU-Chefin noch aus. Der Autor beschreibt sie als rätselhafte und selbstbewusste "Sphinx", die Probleme und Situationen gründlich analysiert, bevor sie handelt. Um nicht zu sagen: überraschend zuschlägt. Der Blick auf Merkel lebt indes von der Nähe des Betrachters, der aus eigenen Interviews mit der Porträtierten schöpfen kann.
Das Fazit des Buches liest sich relativ banal: "Machtmenschen" zeichnen sich durch Trennendes und Gemeinsames aus. Am Ende zählt vor allem, inwiefern sie die "Machtformel" beherrschen: Macht =
Öffentliche Wirkung mal Personalbeeinflussung im Quadrat. Ebenso deutlich wird, dass vor allem die Perspektive den (vergleichenden) Blick auf die Mächtigen bestimmt. Nach dem Wahlabend am 27.
September wird sich zeigen, ob eine weitere Gesamtschau ansteht.
Gerd Langguth: Kohl. Schröder. Merkel. Machtmenschen, dtv, 18,90 Euro.







