Faktenreich untermauert das Journalistenduo Ruf/Sundermeyer die Tatsache, dass es sich bei der NPD um eine "national-sozialistische Partei" handelt. Eine, die sich "in der Außendarstellung als
moderne pragmatische Wahlalternative" präsentiert, zugleich aber das Jahr 1945 "als fatale Zäsur begreift und den Wiederaufbau des Deutschen Reiches anstrebt." Die NPD, so die Erkenntnis der
Autoren nach ihrer Reise in das Innenleben der NPD, ist einerseits der parlamentarische Arm der Neonazi-Szene. Andererseits will die Partei unter dem Motto "Sozial geht nur national!" im Wahljahr
2009 weiter in die Mitte der Gesellschaft gelangen.
Neurechte Strategie
Hierbei bedient sich die NPD einer neurechten Strategie. Diese besagt, dass zur Erringung der politischen Macht Felder im vorpolitischen Raum besetzt werden müssen. Dazu gehört auch das
Unterwandern von Sport- und Fußballvereinen, Technischem Hilfswerk (THW) und Feuerwehren. "Wir schicken unsere Leute in die Freiwilligen Feuerwehren, um dort die Arbeit zu machen, die Feuerwehren
machen. Aber möglicherweise sind das auch gesellschaftliche Zusammenschlüsse, bei denen man sich nicht nur über die Feuerwehr unterhält", gab NPD-Bundesvorstandsmitglied Frank Schwerdt auf
Nachfrage der Autoren zu.
Interesse für rechtsextreme Ideologiefragmente weckt die NPD auch durch einschlägige Musik. Diese bildet das Tor, durch das Jugendliche gelockt werden sollen. Bei rechtsextremen Konzerten,
welche die NPD veranstaltet, finden sich alljährlich tausende Jugendliche ein. Bereits Tradition hat das NPD"-Fest der Völker" in Thüringen. Das "I. Fest der Völker" fand am 11. Juni 2005 in
Jena statt. "Fest der Völker" nannte die NS-Regisseurin Leni Riefenstahl ihren Film über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die als nationalsozialistische Propagandaveranstaltung inszeniert
wurden. Musikveranstaltungen dienen jedoch nicht nur der Rekrutierung von Parteinachwuchs, sondern spülen aufgrund hoher Eintrittspreise Geld in die Kriegskasse der NPD.
Intellektuelle und finanzielle Kraftzentren
Porträts und Gespräche des Autorenduos mit hochkarätigen NPD-Funktionären, darunter Holger Apfel, Fraktionsvorsitzender der NPD im Sächsischen Landtag, Karl Richter, vormals Leiter des
parlamentarischen Beratungstabs der sächsischen NPD-Landtagsfraktion und nun Münchner Stadtrat des NPD-Ablegers "Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA), Michael Schäfer, Bundesvorsitzender der
NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) und Jürgen Gansel, einem der NPD-Parteiideologen, widersprechen der öffentlichen Wahrnehmung der NPD als eine ausschließlich hohlköpfige
Glatzenpartei. Es gibt in der NPD durchaus ein gewisses Potenzial an Intellektualität, das der bundesdeutschen Demokratie gefährlich werden könnte.
Intellektuelle und insbesondere finanzielle Kraftzentren der NPD sind deren Landtagsfraktionen in Dresden und Schwerin. So erhält die sächsische NPD-Landtagsfraktion "im Verlauf der
gesamten Legislaturperiode gemäß den Haushaltsvorschriften etwa 6,5 Millionen Euro zur Organisation ihrer Arbeit", teilte die Verwaltung des Sächsischen Landtages auf Anfrage von Ruf und
Sundermeyer mit. Pleite ist die schon immer finanziell klamme NPD noch lange nicht.
Das Buch ist informativ und spannend zugleich geschrieben. Jedes Kapitel präsentiert eine eigene Story, die jeweils ein gesondertes Buchprojekt wert wäre. Verzeihlich ist die falsche
Prognose, wonach die NPD-Konkurrenzpartei Deutsche Volksunion (DVU) Ende 2008 "keine Rolle mehr spielen" werde und deren Funktionäre zur NPD überlaufen würden. Das Gegenteil ist eingetreten. Die
neuerdings aktionsorientierte DVU nährt sich am Funktionärs- und Mitgliedermilieu der NPD. Andreas Molau, zuletzt NPD-Sitzenfunktionär und Gegenspieler des NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt,
amtiert nun als rechte Hand des neuen DVU-Bundesvorsitzenden Matthias Faust. Nicht nur ärgerlich, sondern unverzeihlich ist dagegen die Tatsache, dass das Buch, das mit Fakten und Wissen
aufwartet, kein Register enthält. Dies mindert den Wert der investigativen Reportagen.
Anton Maegerle
Ruf, Christoph / Sundermeyer, Olaf: In der NPD. Reisen in die National Befreite Zone. Verlag C.H. Beck, München 2009, 230 Seiten, 12,95 Euro, ISBN 978-3-406-58585-2








