Die Szene aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts steht symbolhaft für Leben und Wirken des deutschen Vorzeige-Soziologen. Als "Ikone der intellektuellen 68er-Auseinandersetzung" hat jüngst
FDP-Chef Guido Westerwelle Dahrendorf in einer Feierstunde zu dessen 80. Geburtstag am ersten Mai bezeichnet. Nie habe dieser den Konflikt mit der Protestgeneration gesucht, sondern stets Brücken
zu ihr gebaut. Dies wird Dahrendorf nicht immer leicht gefallen sein, denn so unbeschwert die Autodachszene heute auch wirken mag, typisch war sie für damalige Verhältnisse nicht.
Doch wird der Wissenschaftler und Jungpolitiker noch die wenigsten Berührungsängste mit "den 68ern" gehabt haben. Am 1. Mai 1929 als Sohn des SPD-Reichstagsabgeordneten Gustav Dahrendorf in
Hamburg geboren, gehörte Ralf Dahrendorf schließlich selbst einige Zeit der SPD und auch dem damals von Helmut Schmidt geführten Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) an. Erst 1967
wechselte er zur FDP, für die er 1969 in den Bundestag einzog und kurz darauf in der ersten Regierung Brandt Parlamentarischer Staatssekretär im Auswärtigen Amt wurde.
Grenzgänger und -überschreiter
Doch hielt es den "Grenzgänger und Grenzüberschreiter", wie der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Ralf Dahrendorf in seinem Glückwunschschreiben zum runden Jubiläum nannte, nicht lange in
Deutschland. Schon 1970 wechselte er als Kommissar für Außenbeziehungen und Außenhandel in die EG-Kommission nach Brüssel und war im Anschluss bis zu seinem Rücktritt 1974 für Forschung,
Wissenschaft und Bildung zuständig.
Ein passendes Feld für einen, der "Bildung als Bürgerrecht" schon propagierte als an so etwas in der Bundesrepublik sonst noch niemand dachte. Bei Dahrendorf kam die Forderung nicht von
ungefähr, gehörte er doch früh zu Bildungselite in Deutschland. Im Alter von nur 23 Jahren promovierte er über den "Begriff des Gerechten im Denken von Karl Marx" und habilitierte sich fünf Jahre
später als Professor für Soziologie.
Im "Elfenbeinturm" versteckte sich Dahrendorf jedoch nie, sondern suchte stets den Kontakt zur Politik. Seit er 1982 von der Königin Elizabeth II. in den Stand eines Lords erhoben und sechs
Jahre später die britische Staatsbürgerschaft angenommen hat, ist Ralf Dahrendorf Mitglied des englischen Oberhauses. In die Politik seines Heimatlands mischt sich der skeptische, aber überzeugte
Europäer dennoch immer wieder ein. Kürzlich überreichte er der nordrhein-westfälischen Landesregierung den ersten Zukunftsbericht der bis ins Jahr 2025 reicht, ist er doch seit einem Jahr
Vorsitzender der neu geschaffenen Zukunftskommission des Landes. Mit 80 Jahren ist er im besten Alter dafür.







