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Die jüdische Sozialdemokratie

Gert Weisskirchen • 08. May 2009

Foto: Verlag Königshausen
Foto: Verlag Königshausen & Neumann

Den Gründern war es bewusst: die Sozialdemokratie ist geboren aus dem Willen zur Freiheit, Kind der europäischen Revolutionen im Zeitsprung zum 19. Jahrhundert, Trägerin der sozialen Emanzipation und der Universalität der Menschenrechte. Willi Eichler erinnerte in seinem Kommentar zum Godesberger Programm an das immerwährende Ziel der SPD: "Protest gegen die Vergewaltigung des Menschen, seiner Freiheit und der Gerechtigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen." Das ist der heiße Strom, mit dem die Sozialdemokratie verbunden ist - die Empörung gegen Unrecht, der Kampf gegen die Barbarei und der Mut, für eine bessere, für eine menschlichere Welt zu streiten.

Hans Erler hat die Quellen aufgesucht, die nicht versiegen dürfen. Im Denken der Erfinder der Sozialdemokratie Moses Hess, Karl Marx, Ferdinand Lassalle und Eduard Bernstein, allesamt Juden, entdeckt er ein Leitmotiv, das sie miteinander teilten und das sie unzertrennlich mit der organisierten Arbeiterbewegung verband. Es ist die unzerstörbare Sehnsucht, dass das Gute Wirklichkeit werden kann und dass "ihm die Zukunft gehört." (S.86) Am Anfang der Sozialdemokratie steht das Auflehnen gegen jede Form des Unmenschlichen - das ist ihr antiautoritäres Fundament. Ungehorsam zu sein gegenüber dem Lebensfeindlichen - das ist, was Judentum und Sozialdemokratie miteinander verbindet.

Fritz Erler war als einer der führenden Köpfe von "Neu Beginnen" 1938 verhaftet und 1939 zu 10 Jahren Zuchthaus wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" verurteilt worden, von denen er 6 Jahre (bis zu seiner Flucht im April 1945) im KZ und im Zuchthaus verbrachte. Er bereitete mit der Gruppe "Neu Beginnen" die Bundesrepublik Deutschland vor und prägte mit seiner intellektuellen Stärke die SPD bis ans Ende der 60er Jahre. Sein Sohn Hans hatte mit seiner eindringlichen Bitte an Kurt Beck, das Judentum zuerst zu nennen, wenn an den Gründungsakt der SPD erinnert wird, die historische Wahrheit an seiner Seite.
Das Hamburger Programm der SPD von 2007 hat dieses Band zwischen Judentum und Sozialdemokratie neu geknüpft.

Gert Weisskirchen, MdB

Hans Erler: Judentum und Sozialdemokratie. Das antiautoritäre Fundament der SPD, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2009, 180 Seiten, 19,80 Euro, ISBN 978-3826039690

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