Es ist nicht schwer, Rassist zu sein. "Es geht schon da los, wo jemand einen Italiener als guten Liebhaber bezeichnet", ist Christoph Butterwegge überzeugt. Der Politikwissenschaftler kennt
sich mit der Materie aus, ist er doch Mitarbeiter der Forschungsstelle für interkulturelle Studien der Universität Köln. "Zum Rassisten wird derjenige, der äußerlichen Merkmalen bestimmte
Fähigkeiten oder Unfähigkeiten zuordnet", definierte Butterwegge in seinem Vortrag bei der FES. Rassisten verneinten zudem die individuelle Persönlichkeit eines Menschen. Schon der Begriff des
Rassismus setzte Menschen mit Tieren gleich. "Menschen sind aber nicht gezüchtet worden wie Hunderassen", so Butterwege.
Die Geburtsstunde des modernen Rassismus hat der Wissenschaftler im 15. Jahrhundert ausgemacht. "Christoph Kolumbus hat die Ureinwohner Amerikas als Untermenschen bezeichnet." Daraus habe
er schließlich auch die Legitimation abgeleitet, sie zu versklaven. 500 Jahre später freilich äußerten sich rassistische Einstellungen anders. "Spätestens seit dem 11. September haben wir es eher
mit einem kulturellen als einem biologischen Rassismus zu tun", so Butterwege. Dieser werde durch einen zunehmenden globalen Konkurrenzkampf noch verstärkt. "Ich fürchte in diesem Zusammenhang,
dass im Zuge der Weltwirtschaftskrise der Antisemitismus zunehmen wird."
Mit sozialen Reformen gegensteuern
"Wir stehen an einer Schwelle", stimmte Sönke Rix zu. Der Bundestagsabgeordnete ist Mitglied der AG Rechtsextremismus der SPD-Bundestagsfraktion. "Ich fürchte, dass der Rassismus in der
derzeitigen Krise wieder mehr in den Vordergrund rückt." Die Angst um den eigenen Arbeitsplatz sei dafür der Nährboden. Um diesen Ängsten zu begegnen, seien langfristige Antworten notwendig. "Wir
dürfen uns nicht nur auf Projekte gegen Rechts konzentrieren, sondern müssen mit sozialen Reformen gegensteuern", forderte Rix.
Konkreter wurde SPD-Chef Franz Müntefering. "Nur wenn wir das Menschenrecht auf Bildung und Ausbildung ernst nehmen, wird Integration gelingen", ist er überzeugt. Zudem könnten
Ressentiments am besten mit Hilfe von Aufklärung abgebaut werden. Integrationspolitik sei daher nicht allein Innen-, sondern auch Bildungs-, Arbeits- und Sozialpolitik. Letztlich komme es auch
darauf an, dass die deutsche Gesellschaft sozial sei. "Die soziale Gesellschaft ist eine Größenordnung, die für den Sozialstaat unverzichtbar ist", so Müntefering.







