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An der Schwelle

Kai Doering • 03. April 2009

Foto: Kai Doering
Foto: Kai Doering

Es ist nicht schwer, Rassist zu sein. "Es geht schon da los, wo jemand einen Italiener als guten Liebhaber bezeichnet", ist Christoph Butterwegge überzeugt. Der Politikwissenschaftler kennt sich mit der Materie aus, ist er doch Mitarbeiter der Forschungsstelle für interkulturelle Studien der Universität Köln. "Zum Rassisten wird derjenige, der äußerlichen Merkmalen bestimmte Fähigkeiten oder Unfähigkeiten zuordnet", definierte Butterwegge in seinem Vortrag bei der FES. Rassisten verneinten zudem die individuelle Persönlichkeit eines Menschen. Schon der Begriff des Rassismus setzte Menschen mit Tieren gleich. "Menschen sind aber nicht gezüchtet worden wie Hunderassen", so Butterwege.

Die Geburtsstunde des modernen Rassismus hat der Wissenschaftler im 15. Jahrhundert ausgemacht. "Christoph Kolumbus hat die Ureinwohner Amerikas als Untermenschen bezeichnet." Daraus habe er schließlich auch die Legitimation abgeleitet, sie zu versklaven. 500 Jahre später freilich äußerten sich rassistische Einstellungen anders. "Spätestens seit dem 11. September haben wir es eher mit einem kulturellen als einem biologischen Rassismus zu tun", so Butterwege. Dieser werde durch einen zunehmenden globalen Konkurrenzkampf noch verstärkt. "Ich fürchte in diesem Zusammenhang, dass im Zuge der Weltwirtschaftskrise der Antisemitismus zunehmen wird."

Mit sozialen Reformen gegensteuern

"Wir stehen an einer Schwelle", stimmte Sönke Rix zu. Der Bundestagsabgeordnete ist Mitglied der AG Rechtsextremismus der SPD-Bundestagsfraktion. "Ich fürchte, dass der Rassismus in der derzeitigen Krise wieder mehr in den Vordergrund rückt." Die Angst um den eigenen Arbeitsplatz sei dafür der Nährboden. Um diesen Ängsten zu begegnen, seien langfristige Antworten notwendig. "Wir dürfen uns nicht nur auf Projekte gegen Rechts konzentrieren, sondern müssen mit sozialen Reformen gegensteuern", forderte Rix.

Konkreter wurde SPD-Chef Franz Müntefering. "Nur wenn wir das Menschenrecht auf Bildung und Ausbildung ernst nehmen, wird Integration gelingen", ist er überzeugt. Zudem könnten Ressentiments am besten mit Hilfe von Aufklärung abgebaut werden. Integrationspolitik sei daher nicht allein Innen-, sondern auch Bildungs-, Arbeits- und Sozialpolitik. Letztlich komme es auch darauf an, dass die deutsche Gesellschaft sozial sei. "Die soziale Gesellschaft ist eine Größenordnung, die für den Sozialstaat unverzichtbar ist", so Müntefering.

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