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Verband: "Biokraftstoffgesetz gefährdet Unternehmen"

Karsten Wiedemann • 27. March 2009

Spritproduktion in Schwarzheide Foto: Wiedemann
Spritproduktion in Schwarzheide Foto: Wiedemann

vorwärts.de: Das Bundesumweltministerium will durch den Einsatz von Biokraftstoffen die Kohlendioxid-Emission im Verkehr senken. Welchen Beitrag können die Biokraftstoffe leisten?

Dietrich Klein: Jeder Liter Bioethanol oder Biodiesel verursacht circa 50 Prozent weniger CO2 als herkömmlicher Kraftstoff. Anteile von 10 Prozent Bioethanol und 7 Prozent Biodiesel am Gesamtverbrauch senken somit die Emissionen im deutschen Straßenverkehr um 5,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Mittelfristig wird eine noch deutlich höhere CO2-Reduktion möglich sein.

Das neue Biokraftstoffquotengesetz macht vor allem Herstellern von Reinkraftstoffen zu schaffen. Steht die Branche vor neuen Einbrüchen?

Die vorgeschlagene Senkung der Biokraftstoffquoten würde einen Absatzeinbruch von bis zu 20 Prozent in den nächsten Jahren bedeuten. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen der Biodieselwirtschaft könnten das nicht verkraften. Die weitere Entwicklung der Bioethanolwirtschaft würde empfindlich getroffen.

Der Biokraftstoffindustrie wurde immer wieder vorgeworfen, die Preise für Getreide in die Höhe zu treiben. Wie stehen Sie dazu?

Die europäische Bioethanolerzeugung aus Getreide ist zu gering, um die Getreidepreise zu beeinflussen. Über ein Drittel des deutschen Bioethanols wird inzwischen aus Zuckerrüben erzeugt. Obwohl die Bioethanolproduktion 2008 weltweit gestiegen ist, sind die Preise für Getreide und Zucker wieder auf das Niveau von 2006 gesunken.

Entscheidend ist, dass bei der deutschen Biokraftstoffproduktion große Mengen hochwertiger Futtermittel als Nebenprodukte erzeugt werden. Dadurch sinkt der Importbedarf an Futtermitteln und weltweit werden Ackerflächen freigesetzt. So wird eine Konkurrenz mit Nahrungs- und Futtermitteln vermieden. Ein Hektar Zuckerrüben oder Getreide in der EU setzt beispieslweise 1,3 Hektar Soja in Brasilien frei.

Kritisiert wurde auch, dass für den Anbau von Soja oder Palmen für die Spritproduktion Regenwald abgeholzt wird.

Die Verwendung von Soja- und Palmöl für Biodiesel wird weit überschätzt. 95 Prozent des Palmöls werden weltweit zu Nahrungsmitteln und Konsumgütern wie Seifen, Kosmetika usw. verarbeitet. Bei Soja beträgt der Anteil der Verwendung für Futter- und Nahrungsmittel 98 Prozent. Von Palm und Soja werden jeweils nur circa 2 Prozent für Biodiesel verbraucht.

Interview: Karsten Wiedemann

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