Das belegt auch der Ende Februar erschienene Jahresbericht zur Gleichstellung der Europäischen Kommission.Das Ziel der EU einer Frauenerwerbsquote von 60 Prozent, ist nun fast erreicht: 1997 lag sie bei 51,1 Prozent, 2007 bei 58,3 Prozent. Sie schwankt allerdings bei den EU-Mitgliedstaaten zwischen 36,9 Prozent und 73,2 Prozent. Auffällig ist: Viermal mehr Frauen als Männer arbeiten in Teilzeit. 2007 waren es 31,2 Prozent. Mehr als sechs Millionen der 25 bis 49jährigen in der EU lebenden Frauen entscheiden sich aus familiären Gründen für Teilzeitarbeit oder Aufgabe der Berufstätigkeit.
Frauen Germanistik, Männer Informatik
Auch wenn 60 Prozent der Hochschulabsolventen in der europäischen Union Frauen sind, ist der Anteil der Frauen mit einem wissenschaftlichen oder technischen Hochschulabschluss nach wie vor niedrig, heißt es in der Studie. In den Studienrichtungen gäbe es geschlechtsspezifische Unterschiede.
Im europäischen Vergleich sind in den Ingenieur- und Computerwissenschaften lediglich 18 bis 20 Prozent der Absolventen weiblich, 60 Prozent in den Studienrichtungen Wirtschaftswissenschaften,
Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaft. Die logische Konsequenz: Frauen können neue Technologien nicht so erfolgreich nutzen, finden weniger Zugang zu Informatikbezogenen Berufen.
Diese Tendenz ist auch hierzulande erkennbar. Im Wintersemester 2007/08 immatrikulierten sich deutschlandweit 62.866 Frauen in Germanistik, aber nur 19.244 Männer. Ein Informatikstudium
nahmen dagegen 58.394 Männer, aber nur 8.127 Frauen auf. Sprach- und Kulturwissenschaften sind bei den Abiturientinnen immer noch sehr beliebt, nur wenige entscheiden sich für einen technischen
Beruf, erklärt Alessandra Rusconi vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. An dieser gesellschaftlichen Realität hat sich die letzen Jahre nichts Wesentliches geändert.
Das männliche Geschlecht entscheidet sich für gewinnbringende Studienfächer, will Ingenieur oder Physiker werden, hat somit bessere Gehalts- und Jobchancen. Das Ernährerdenken ist bei
Männern immer noch ausgeprägt, liefert Rusconi eine Begründung für das Verhalten. Eine weitere fügt Heinz Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des deutschen Philologenverbands hinzu: Den Mädchen
fehlen die Vorbilder. In den weiterführenden Schulen werden die so genannten MINT Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) in erster Linie von Lehrern unterrichtet.
Es besteht Handlungsbedarf. Auf dem Girls Day, der dieses Jahr am 23. April und zum neunten Mal statt findet, laden Unternehmen, Betriebe, Institutionen, Bildungseinrichtungen und Behörden
Schülerinnen ein, in untypisch weibliche Berufe zu schnuppern. Vielleicht bevölkern künftig Frauen nicht nur die Universitäten, sondern glänzen auch in als unweiblich geltenden Fächern und
Berufen.







