Ein Samstagmorgen im Februar: In der Kieler "Halle 400" lauschen etwa 250 Interessierte den drei Personen, die sich und ihre Ziele für die Fördestadt vorstellen. "Wer wird Kieler OB? Machen
Sie sich ein Bild!" wirft ein Beamer an die weiße Wand. Die Wohneigentümer-Schutzgemeinschaft "Haus & Grund" hat die drei Kandidaten zum Duell eingeladen: die amtierende Oberbürgermeisterin
Angelika Volquartz (CDU), den Kandidaten der Linken, Raju Sharma, und Torsten Albig. "Man lernt Kiel wertschätzen, wenn man von außen auf die Stadt schaut", sagt Albig in seinem
Eingangsstatement. Schon dieser Satz erklärt, warum es den 45-Jährigen nach drei Jahren im Finanzministerium von der Hauptstadt wieder an die Förde zieht.
In seinem Berliner Büro hatte es etwas anders geklungen, der Inhalt war derselbe: "In Kiel ist man mit echten Menschen zusammen", hatte Albig gesagt. Das Berliner Regierungsviertel dagegen
sei eine Welt, in der jeder auch seine Rolle zu spielen habe. "Die Menschen vor Ort durchschauen solch eine Inszenierung sofort."
Marktplatz statt "Bad Bank"
So erleben die Kieler Wohneigentümer an diesem Samstag einen anderen Albig als etwa die Journalisten in der Bundespressekonferenz. Statt über "Bad Banks", Steuerreformen oder die
Finanzkrise spricht der OB-Anwärter von seinen Ideen für die Umgestaltung des Marktplatzes und den vernünftigen Umgang mit Investoren. Von der schnoddrigen Art, die Hauptstadtreporter am
Pressesprecher Albig fürchten, findet sich hier keine Spur. Sachlich fundiert, aber dennoch witzig und locker präsentiert er sich, sodass zum Schluss sogar der Bewerber der Linkspartei zugibt:
"Herr Albig ist mir sympathisch." Um jedoch im nächsten Moment einzuschränken: "Aber er ist mir nicht links genug."
Das wird Torsten Albig, der 1982 in die SPD eintrat, kaum stören, bezeichnet er sich selbst doch als "eher konservativen Sozialdemokraten". Die berühmt-berüchtigte "Ochsentour" habe er
nicht absolviert, in der Parteiarbeit aber doch seine Erfahrungen gesammelt, sagt er. Während des Studiums war er Vorsitzender eines Ortsvereins in Bielefeld, danach Stellvertreter in Lütjenburg
in Ostholstein. Dort zog er auch in den Stadtrat ein, wechselte später - nach Ausflügen in den SPD-Parteivorstand, die Bundesregierung und die Dresdner Bank - in die Kommunalverwaltung in Kiel.
Als er dort nach fast vier Jahren in verschiedenen Ämtern schließlich 2005 als Kämmerer verabschiedet wurde, um wieder nach Berlin zu Peer Steinbrück zu gehen, gab er den "Kieler Nachrichten" ein
Interview. "Einen Job gibt es, für den ich von überall zurückkommen würde", versprach Albig damals. Nun will er als OB Wort halten.
Rückenwind von SSW und Grünen
Ob die Besitzerin des Cafés in der Nähe des Kieler Rathauses sich an das Interview erinnern kann, bleibt unklar. Mit Handschlag begrüßt sie den Rückkehrer. "Schön, dass Sie wieder da sind",
strahlt sie ihn an. Dabei wirkt es, als sei er nie weg gewesen. Sofort kommt Albig mit den Menschen ins Gespräch. Um große oder kleine Politik geht es dabei jedoch nicht. Hier interessiert die
Leute mehr, wie der THW Kiel heute spielen wird und ob er es schafft, erneut deutscher Handball-Meister zu werden.
"Ich kann Menschen motivieren und setze mich für sie ein", nennt Torsten Albig eine seiner Stärken. Dass er das kann, liegt zu einem guten Teil daran, dass er ihre Sprache spricht. Auch der
THW-Fan-Schal, den sich Albig über der Krawatte um den Hals gebunden hat, macht das deutlich. "Sachliche Entscheidungen für die Menschen vor Ort - dafür steht Torsten Albig", wirbt daher sogar
der SSW, die Vertretung der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, für den SPD-Kandidaten. Auch die Grünen konnte er von sich überzeugen. Sie unterstützen seine Bewerbung.
Urlaub für den Wahlkampf
"Mich wählt Kiel, nicht Rot-Grün", gibt Albig wegen der Direktwahl zwar zu bedenken, doch verhehlt er nicht, dass seine Chancen gut stehen, die CDU-Amtsinhaberin Angelika Volquartz nach
fünf Jahren abzulösen. Allerdings ist es bis dahin noch ein Stück harter Arbeit. Für die heiße Wahlkampfphase hat sich Steinbrücks Sprecher deshalb Urlaub genommen. Dann entfällt auch das
wöchentliche Pendeln zwischen Berlin und Kiel.
Schließlich holt das Handy Torsten Albig aus dem Kieler Café in die Berliner Welt zurück. Ein Journalist möchte wissen, wie sich das Finanzministerium zur Schuldenbremse positioniert. "Ich
habe Wochenenddienst", zuckt er entschuldigend die Schultern, nachdem er den Redakteur aus dem Gedächtnis mit den nötigen Zahlen versorgt hat. So ganz lassen sich die beiden Welten noch nicht
trennen.
Über das, was ihn in der heißen Phase des Wahlkampfs bewegt, schreibt Torsten Albig im Kommunalwahlblog der DEMO.







