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Icon   Gesine Schwan diskutiert mit Oberstufenschülern in Spandau

Die Note 1,0 ist meistens langweilig

Michelle Schumann • 10. February 2009

Foto: Michelle Schumann
Foto: Michelle Schumann

Nicht nur das traditionelle Engagement in den Parteien, sondern auch das Mitmachen in Bürgerinitiativen und Vereinen, an runden Tischen gegen Gewalt oder in der Schülervertretung seien wichtig für die Demokratie, so Schwan zu Beginn ihres Vortrages.

Eine politische Kultur aus Hilfsbereitschaft, Offenheit und die Suche nach Gemeinsamkeiten käme heute leider oft zu kurz. Und der Trend eines Gegeneinanders und Konkurrenzdenkens, gerade in Führungsfunktionen, hätte auch etwas mit dem Wirtschaftssystem zu tun. Deswegen sei es heute wichtig, auf gute Argumente zu hören und sich einzumischen.

"Sagen sie ruhig, was Sie denken!"

Ich fühle mich nicht als Autorität, die nur hier sitzt, um gefragt zu werden. Sagen sie ruhig, was sie denken! ", forderte Schwan ihre jungen Zuhörer auf, sich an der Debatte zu beteiligen. Damit löste sie einen regelrechten Frageansturm der scheinbar wenig politikverdrossenen Jugendlichen aus. "Wie können Bildungsstandards herbeigeführt werden, damit die Menschen überhaupt urteilsfähig sind?", wollte Sandra aus Klasse 11 wissen. "Und braucht es dazu mehr Volkentscheide auf Bundesebene?", fügte Lukas hinzu. Auch mit der inneren Sicherheit und der Einschränkung der Bürgerrechte beschäftigen sich die Schüler der Bert-Brecht-Schule. "Sind durch die neuen Gesetze der inneren Sicherheit auch unsere Grundrechte und die Freiheit gefährdet?", richtete sich ihre durchklingende Sorge an Gesine Schwan.

"Manchmal seien Fragen und Zusammenhänge zu kompliziert, um sie auf ein Nein oder Ja zuspitzen zu können, so Schwan. Deswegen bedürfe es anderer Formen, Bevölkerung am Meinungsbildungsprozess zu beteiligen, gab sie zu bedenken. Freiheit und Sicherheit seien darüber hinaus zwei Elemente, die einander bedingen und die es abzuwiegen gelte.

Unangepasste Persönlichkeiten gesucht

Bildung sei eines ihrer zentralen Anliegen, sagte Schwan, die als Professorin selbst lange Zeit Studenten unterrichtete. Es brauche für eine vielfältige Demokratie "Menschen, mit Ecken und Kanten. Heute haben wir nicht genügend eigenständige, nonkonformistische Persönlichkeiten in Führungspositionen. Am spannendsten sind meistens nicht die Kandidaten mit der Note 1.0", gab sie ihren jungen Zuhörerinnen und Zuhörern mit auf den Weg. Persönlichkeit und Individualität seien in der Entwicklung von Talenten und Neigungen weitaus wichtiger - "und das sind meistens die mit 1.5 oder 1.7-Durchschnitt". Den meisten Schülern mag das gefallen haben: Am Ende erhielt Gesine Schwan Applaus.

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