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Gelebte Parteigeschichte

Redaktion Redaktion • 09. January 2009

Herzensangelegenheit SPD: Jubilar Hermann Stief mit Generalsekretär Hubertus Heil und MdB Dirk Becker, Foto: www.spd-lemgo.de
Herzensangelegenheit SPD: Jubilar Hermann Stief mit Generalsekretär Hubertus Heil und MdB Dirk Becker, Foto: www.spd-lemgo.de

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil war eigens ins westfälische Lemgo gereist, um bei einem Festbankett im Braker Schloss am 29. November Hermann Stief für sein rundes Parteijubiläum zu ehren. 1928 trat Stief in die Partei ein, als große sozialdemokratische Ideen die Weimarer Republik durchströmten und sich die Kampfverbände von Rechten und Linken wilde Straßenschlachten lieferten.

Auch Stief musste feststellen, dass es nicht immer einfach ist Sozialdemokrat zu sein. 1932 lieferte er sich als Hundertschaftsführer der "Eisernen Front" Straßenschlachten mit überlegenen faschistischen Gruppen. Nach der Machtergreifung agierte er im Untergrund in geheimen Organisationen weiter. Jedoch blieb sein leidenschaftliches Engagement nicht folgenlos: Stiefs persönlicher Widerstand gegen die braune Diktatur flog auf, schwere Folter und Jahre im Zuchthaus folgten.

Ungebrochener Idealismus

Letztlich konnte sein Idealismus nicht gebrochen werden - kurz nach Kriegsende wanderte das lange Zeit verbotene Parteibuch wieder in Stiefs Besitz. In diesem Lebensabschnitt führte ihn sein Weg ins Lippische, wo er 1946 zum Kreisjugendpfleger berufen wurde. Die Arbeit auf der Burg Sternberg stand maßgeblich für Stiefs Vielfältigkeit und Toleranz, denn neben Falken und Gewerkschaftlern versammelten sich um ihn auch kirchliche und sportliche Organisationen, das Rote Kreuz, die Pfadfinder sowie unorganisierte Jugendliche zu Seminaren und Freizeiten.

Ziel war immer die Jugendarbeit, die für den Jubilar einen entscheidenden Teil seines Lebens ausmachte, gleich hinter der Familie und der Partei. Als Teil einer Partei, die sich seit 145 Jahren für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität einsetzt, hat Hermann Stief nicht nur die Weimarer Republik mit aufgebaut und den Nationalsozialismus bekämpft, sondern in seiner beruflichen Tätigkeit junge Menschen im Sinne dieser Ideale auf einen guten Lebensweg geführt.

Lebenslange Treue

Dieselben Werte hat auch Lotte Dechau ihr Leben lang vertreten. Auch sie trat 1928 in die SPD ein; ihr Vater saß da schon für die Sozialdemokraten in der Lübecker Bürgerschaft. Nazi-Herrschaft und Zweiter Weltkrieg konnten Dechaus Einstellung nichts anhaben. Sie blieb ihrer SPD treu. Grund genug von den früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm und die Lübecker Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm sie während der Weihnachtsfeier des Ortsvereins Mühlentor Ost am 29. November zu ehren.

Auch im hohen Alter war die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin dort noch aktiv. Erst in den letzten Jahren hat sich die inzwischen 98-Jährige aus der Parteiarbeit zurückgezogen. Zum alten Eisen will sie aber noch nicht zählen. So wohnt sie noch immer in ihrem Haus in Lübeck und lässt sich auch die Einkäufe nicht abnehmen.

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