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Viele Worte um nichts

Kai Doering • 03. January 2009

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Irreführender kann ein Buchtitel kaum sein. "Kein Kommentar!" hat Klaus Werle seinen dünnen Band getauft, in dem er kurze Kolumnen versammelt, in denen er einzelne Äußerungen verschiedener "Mächtiger" unter die Lupe nimmt. Dass dies bitter nötig ist, zeigt eine Äußerung Javier Solanas, die prächtig als Motto des Buchs geeignet gewesen wäre. Es war nach einer Konferenz im Mai 2007 als der Hohe Vertreter für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU vor die Presse trat, um Folgendes kund zu tun: "Alles was wichtig war, ist schon gesagt worden, aber ich möchte noch ein paar Dinge sagen."

Solanas Äußerung offenbart vor allem eins: Reden ist Hauptaufgabe und Lebenselixier der Politiker. Dass sie mitunter genau das Gegenteil von dem sagen, was sie eigentlich ausdrücken wollen, führt Klaus Werle seinen Lesern genüsslich vor Augen. Im Koalitionshickhack 2005 etwa sprach alle Welt im Allgemeinen und Michael Glos im Besonderen von Edmund Stoiber als dem "Superminister". Dumm nur, dass der Begriff "Minister" ursprünglich "Diener" bedeutete und der damalige bayerische Ministerpräsident somit als dienstbarster Diener nach Berlin gekommen wäre. Kein Wunder also, dass er es letztlich doch vorzog, im heimischen München zu bleiben.

Schiefe Bilder und "Wattesprech"

Es sind Spitzen wie diese, die Werles Texte besonders lesenswert machen. Leider sind sie rar gesät. Einige sind ironisch, manche sogar bitterböse - die meisten wirken allerdings haarspalterisch und dadurch einfach peinlich. Und dennoch öffnet das Buch die Augen für alltägliche Aussagen, die einfach falsch sind und leistet damit hoffentlich einen Beitrag zum genaueren Umgang mit der deutschen Sprache. Klaus Werle folgt dabei übrigens nicht einem Bastian Sick, indem er an falschen Präpositionen herummäkelt oder sich an grammatikalischen Schnitzern erfreut. Er weist eher auf Wortursprünge hin und kritisiert ihren Gebrauch in falschen Zusammenhängen.

Schiefe Bilder, hinkende Vergleiche und der so genannte Wattesprech, also nebulöse Ausdrücke, die die Wirklichkeit beschönigen, rücken auf diese Weise in den Vordergrund. Werles Opfer sind hierbei nicht nur Politiker, sondern auch Manager, Verbände und sogar ein Elektronik-Handel. Leider fehlt in diesem Reigen Oskar Lafontaine. Doch seine Äußerungen bedürfen wahrscheinlich keiner Kritik mehr, da es sich dabei um Realsatire handelt. So bleibt dazu nur eins zu sagen: Kein Kommentar!

Klaus Werle: Kein Kommentar. Notizen zur Sprache der Mächtigen, Herder 2008, ISBN 978-3-451-05963-6, 8,95 Euro

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