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Abend der Bürger

Kai Doering • 27. November 2008

Träger des diesjährigen Regine-Hildebrandt-Preises: Benedikt Schirge (Bürgerinitiative Freie Heide), Barbara Lange (Aktionsgemei
Träger des diesjährigen Regine-Hildebrandt-Preises: Benedikt Schirge (Bürgerinitiative Freie Heide), Barbara Lange (Aktionsgemeinschaft Freier Himmel) und Regina Deutscher (Tschernobil-Hilfe Stralsund), Foto: Kai Doering

"Nicht aufgeben, sondern Verantwortung übernehmen", lautete das Credo der ehemaligen brandenburgischen Sozialministerin Regine Hildebrandt. Jedes Jahr an ihrem Todestag wird der nach ihr benannte Preis des SPD-Parteivorstands verliehen - an ostdeutsche Gruppen und Initiativen, die sich im Sinne Hildebrandts für die Gesellschaft einsetzen. "Sie stehen beispielhaft für bürgerschaftliches Engagement", lobte Schirmherrin Christine Bergmann die diesjährigen Preisträger.

Deren Einsatz ist so unterschiedlich wie notwendig. Seit 1992 setzt sich die "Bürgerinitiative Freie Heide", und seit 2002 auch ihre Schwesterorganisation, die "Aktionsgemeinschaft Freier Himmel", dafür ein, dass die Kyritz-Ruppiner Heide in Brandenburg nicht mehr als Bombenabwurfplatz genutzt wird. Seit Jahren führen sie einen Rechtsstreit mit der Bundeswehr. Auch die Tschernobyl-Hilfe Stralsund ist seit 1992 aktiv. Sie gründete sich mit dem Ziel, Kindern aus Tschernobyl schöne und erholsame Ferien an der Ostsee zu ermöglichen. Mittlerweile fahren die Stralsunder mehrfach im Jahr nach Weißrussland, um auch vor Ort Hilfe zu leisten.

Konstruktiver und gewaltfreier Protest

"Ihnen ist es gelungen, eine über Jahre wachsende Bewegung zu etablieren", lobte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck die Bombodrom-Gegner. Zudem sei ihr Protest stets konstruktiv und gewaltfrei gewesen. Auch erinnerte Platzeck daran, dass Regine Hildebrandt selbst an einigen der Protestwanderungen der Bürgerinitiativen teilgenommen, ihnen am Neujahrstag 1995 sogar zugerufen habe, sie sollten sich nicht unterkriegen lassen. "Die Kyritz-Ruppiner Heide braucht endlich Klarheit, wie es in der Region weitergeht", forderte Platzeck.

"Der Preis darf in der Sache nicht folgenlos bleiben", stimmte ihm sein Amtskollege Erwin Sellering zu. Da Mecklenburg-Vorpommern in der Einflugschneise des Bombenabwurfplatzes liegt, ist auch sein Bundesland betroffen. Bereits einige Tage vor der Preisverleihung hatten er und Platzeck angekündigt, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über den Luft-Boden-Schießplatz zu sprechen.

Jede Fahrt ein Abenteuer

"Sie setzen sich nicht mit Protestmärschen ein", schlug Sellering den Bogen zum zweiten Preisträger. Die sechs Frauen und Männer der Tschernobyl-Hilfe Stralsund leisteten einen unglaublichen Einsatz und das bereits seit vielen Jahren. "Dabei ist jede Fahrt nach Weißrussland ein kleines Abenteuer", unterstrich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident. Es sei nicht immer einfach, "aber eminent wichtig, dass Sie dort vor Ort sind".

Noch einen Schritt weiter ging Peer Steinbrück. "Es ist unerlässlich für die Demokratie, dass Bürger Werte lebendig halten und Zivilcourage zeigen", sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende. Alle drei Preisträger leisteten einen "Einsatz über die legitime Nasenlänge ihrer eigenen Ziele hinaus", betonte er. Mit ihrem Mut, ihrer Mitmenschlichkeit und ihrer Solidarität stünden sie in der Tradition Regine Hildebrandts. "Sie haben ihr alle Ehre gemacht."

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