Er überbot einen der ganz Großen. Hatte Willy Brandt Kultur und Bildung einst als "dritte Säule" der Außenpolitik bezeichnet, ging Gernot Erler sogar noch einen Schritt weiter. "Eine gute
Kultur- und Bildungsarbeit ist das Fundament einer erfolgreichen Außenpolitik", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt. Bildungspolitik müsse immer auch auf die Herausforderungen der Zeit
antworten. Diese seien heute mit den Mitteln das Nationalstaats allein häufig nicht mehr zu lösen.
Eine der dringendsten Aufgaben: die Ausgestaltung der Globalisierung. Dieser müsse eine "kulturelle und geistige Dimension" hinzugefügt, gewachsene kulturelle und nationale Trennlinien
müssten überwunden werden. Das beste Mittel dafür sieht Erler in der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. "Sie ist wie kaum ein anderer Bereich dazu geeignet, Grenzen zu überwinden, einen
gemeinsamen kulturellen Hintergrund zu schaffen und damit der Globalisierung eine kulturelle Dimension zu geben", so der Staatsminister.
Häuser für die Wissenschaft
Praktisch umgesetzt wird diese Politik vom Auswärtigen Amt seit mittlerweile drei Jahren über die international agierenden Goethe-Institute sowie rund 800 Partnerschulen im Ausland. Doch
damit nicht genug. "2009 werden wir im Rahmen der Außenwissenschaftsinitiative einen deutlichen Ausbau unseres Außenwissenschaftsnetzwerkes angehen", kündigte Gernot Erler an. Die Sichtbarkeit
des Wissenschaftsstandorts Deutschland im Ausland solle gestärkt und Anlaufstellen für Wissenschaftler geschaffen werden. "Dafür werden wir Deutsche Wissenschaftshäuser gründen", versprach der
Staatsminister.
Diese Ankündigung stieß bei den versammelten Experten auf große Gegenliebe. "Wissenschaftshäuser im Ausland sind sehr sinnvoll", befand der ehemalige Leiter der Ständigen Vertretung bei den
Vereinten Nationen und Neu-Präsident der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder, Gunter Pleuger. Um Synergieeffekte zu nutzen, sollten sie an die bestehenden Auslandsvertretungen angebunden werden.
Pleuger sprach von einem "One-Stop-Shop". Allerdings warnte er auch, die deutsche Wissenschaftsaußenpolitik könne stets nur so gut sein, wie der Wissenschaftsstandort selbst. "Neben der
Internationalität sehe ich auch die Interdisziplinarität als Zukunft der Universität."
Die inneren Bedingungen müssen stimmen
Einen weiteren Vorteil verstärkter internationaler Zusammenarbeit nannte der Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung, Georg Schütte: "Viele Projekte sind einfach zu teuer, um
sie national zu realisieren." Erst die Zusammenarbeit von Einrichtungen in verschiedenen Ländern ermögliche ihre Umsetzung. Allerdings: "Das System der deutschen Einrichtungen im Ausland muss
übersichtlich gestaltet sein", forderte Schütte. An bereits bestehende Netzwerke wie etwa seiner Stiftung, die Stipendien und Forschungspreise an Wissenschaftler zur Förderung des internationalen
Wissenschaftsaustauschs vergibt, solle angeknüpft werden.
Doch hilft aller internationale Austausch nicht, wenn die Bedingungen in Deutschland nicht stimmen. "Es wird kein hervorragender Wissenschaftler aus Indien zu uns kommen, wenn er seine
Familie nicht mitbringen kann", mahnte Gunter Pleuger. Die rigiden deutschen Einwanderungsbestimmungen behinderten viele Bemühungen noch. Um dies zu ändern, müsse das Innenministerium in die
Überlegungen mit einbezogen werden. "Wenn es uns nicht gelingt, hier einen Durchbruch zu erzielen, helfen auch die schönsten Wissenschaftshäuser nichts."







