Der Knacks sei kein Riss, mit Vorher und Nachher, so Willemsen. "Er teilt nicht, er prägt", schreibt er in seinem Buch. So ist er eine Art Narbe, und unsere Biographien seien in Narben
darstellbar. Den Krebs-Tod seines Vaters beschreibt Roger Willemsen als seinen ersten Knacks: das Sterben dieses Patriarchen, der von einem stattlichen Mann zum Clochard zusammenschrumpfte. Und
er sei - wie alle derartigen Brüche - erst im Rückblick als etwas Veränderndes erkennbar.
Der Knacks
So ist das, was wir als Lebensplanung bezeichnen, ein ästhetischer Entwurf, aber letztlich eine Illusion, unterstreicht Willemsen. Das Leben selbst werde überholt, und zwar von einer Seite,
die unmöglich zu antizipieren sei. Zahllose Narben kennzeichnen unsere Biographie und verändern uns.
Roger Willemsen erkennt den Knacks nicht nur in unseren Biographien. Er sei auch in der Außenwelt wahrnehmbar, so stelle etwa Tschernobyl eine Gebrochenheit der Natur dar. Und die aktuelle
Finanzkrise sei einer dieser Umbrüche - mit ungewissem Ausgang.
Den Menschen werde gerade - im Moment des Verlustes - deutlich, dass es ein System gibt, das Sicherheit gewährleistete. Derzeit sehe es eher so aus, als würden die Menschen vor diesem Bruch
fliehen, als würde sich die Desolidarisierung der Gesellschaft fortsetzen. Die Folgen der Finanzkrise müssten allerdings nicht negativ sein: Es komme darauf an, wie wir mit der eigenen Niederlage
umgehen.









