Artikel (Archiv) > Der neue Linke

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   DUMMY_TAG

Der neue Linke

Norbert Seeger • 17. October 2008

"Ich wollte lieber Geld für Franco- oder Pinochet-Gegner sammeln, als mich mit der Doppelstrategie der SPD auseinander zu setzen. Deswegen bin ich nicht zu den langweiligen Jusos gegangen." Starke Worte von einem (körperlich) starken Mann, der nach den Worten des Moderators ein starkes Buch geschrieben hat: Die Rede ist von Sigmar Gabriel, derzeitigem Umweltminister "und anderer wichtiger Sachen" (Thomas Meyer), gesagt auf die Frage, wieso er schon mit 16 bei den Falken war, mit 17 in die SPD eingetreten ist, aber sich nie bei den Jusos engagiert hat.

Grund der Frage war die Vorstellung von Gabriels Buch "Links neu denken", das eigentlich mal den Titel "Politik für die Mitte" haben sollte. Da er sich mit dem Begriff der Mitte aber nicht mehr identifizieren konnte, habe er, so Gabriel, darüber nachgedacht, wo er eigentlich stehe, und den Linken in sich erkannt. "So ist das Buch wohl so etwas wie das persönliche Programm geworden", wie Thomas Meyer anmerkte.

Worum geht es in dem Buch? Um nichts mehr als um die Frage, "was linke Politik unter den Maßgaben der modernen Welt (Globalisierung, Klimawandel, Bankenkatastrophe, demografischer Wandel) bedeutet. Damit soll eine längst überfällige Diskussion nachgeholt werden", so der Umweltminister.

Mit dieser Meinung steht er gerade im Zuge der Bankenkrise nicht (mehr) allein da. Wie schon Erhard Eppler am Morgen, sah auch Gabriel die Parteien nicht als Modell von Gestern und die Weiterführung der Idee der sozialen Gerechtigkeit und Teilhabe als eine der Hauptaufgaben der SPD in den nächsten Jahren. Überhaupt die SPD: Obwohl überhaupt nicht konform mit parteiinternen Kritikern wie Otmar Schreiner, sieht er die Partei doch als einzige realpolitische linke Kraft ¬ und die Linke eher als eine Modeerscheinung, die in dem Moment überflüssig wird, wo "die SPD wieder zur inhaltlichen und nicht nur zur personellen Auseinandersetzung zurückkehrt. Denn Politik besteht aus Führen und Sammeln. Und zum Sammeln gehört, dass man die Leute nicht nur unter seiner Fahne versammelt, sondern sich mit ihrer Meinung auseinandersetzt", so Gabriel. Wenn das geschafft sei, sei wirklich linke (Real-)Politik auch wieder mit der SPD möglich, "und nur mit ihr, denn wenn die Linke realpolitisch wird, wird sie überflüssig, denn dann sind wir schon da", wie der ehemalige Falke nicht ohne Stolz anmerkt.

Bleibt nur zu wünschen, dass Gabriels Werk in naher Zukunft wirklich als Anstoß und nicht nur als anstößig verstanden wird.

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Econ Verlag

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Icon Rezension; Alexander Dill: „Gemeinsam sind wir reich"

Mehr Sozialkapital

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

 „Genug der Farce“, sagt sich Monsieur Demanet.

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“