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Das Ende vom Regenbogen?

Jerome Cholet • 29. May 2008

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Mit Ende der Apartheid, der institutionalisierten Rassentrennung und Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung, versprach das neue Südafrika allen Menschen zu gehören, die in ihm lebten. Die junge Nation wählte die Regenbogenflagge und gab sich eine Hymne in fünf verschiedenen Sprachen: Xhosa, Zulu, Sotho, Afrikaans und Englisch. Doch nachdem das Land nun seit 14 Jahren die Menschenrechte für alle garantiert, freie und faire Wahlen abgehalten und einen Rechtstaat durchgesetzt hat, brennen die Townships. 30.000 Simbabwer, Mosambikaner und andere Immigranten befinden sich ein zweites Mal auf der Flucht.

Hinter den Ausschreitungen stehen vor allem Armut und Ungleichheit. Die Probleme in Südafrika unterscheiden sind nicht von der Lage in Brasiliens Favelas, Haitis Bidonvilles oder Nigerias Slums. Steigende Benzin- und Lebensmittelpreise haben den Konkurrenzdruck in den Armenvierteln drastisch erhöht. Fehlende Chancengleichheit und Zukunftsperspektiven entluden sich in Gewalt gegen die Schwächsten der Gesellschaft. Die Unruhen in Johannesburg stehen also für ein weltweites Problem.

Armut und Ungleichheit


Innerhalb Südafrikas herrschen auch vierzehn Jahre nach Ende der Apartheid Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Der jungen Demokratie gelangen zwar Frieden, Wirtschaftswachstum und ein Ausbau des Sozialstaates. Doch das Erbe der Apartheid und der Wettbewerbsdruck der neoliberalen Globalisierung wiegen schwer. Noch immer liegt die Arbeitslosenrate bei schätzungsweise 40 Prozent. Etwa zwei Drittel der Jugendlichen haben derzeit keine Aussicht auf einen geregelten Arbeitsplatz, jeder zweite Südafrikaner ist arm. "Seit Ende der Apartheid hat nur ein kleiner Teil der schwarzen Bevölkerung vom Fortschritt profitiert, darunter vor allem die Hochqualifizierten und die politisch Engagierten," sagt Marius Root vom renommierten Institut für Rassenbeziehungen, "die Schere zwischen Reich und Arm hat sich weiter geöffnet. Das hat die Wut am Ende der Einkommensskala genährt. Die Menschen haben den Eindruck, nicht am neuen Wohlstand teilzuhaben." In den dicht besiedelten Townships sind noch immer nicht alle Haushalte mit dem Notwendigsten wie Wasser, Strom, befestigten Straßen und Abwasserkanälen versorgt.

Preissteigerungen und Konkurrenzkampf

Und wer Strom hat, muss seit Dezember letzten Jahres mit regelmäßigen Ausfällen leben und massive Preissteigerungen verkraften. Die Benzin- und Lebensmittelpreise haben sich in den letzten Wochen mehr als verdoppelt. Dr. Emmanuel Nyakarashi, der sich in einem Township in Johannesburg um Flüchtlinge kümmert, stellt fest: "Die arme Bevölkerung kostet es immer größere Mühe, sich mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen. Der Konkurrenzkampf um Nahrung, Arbeit und Unterkünfte hat sich enorm verschärft."

Das weltweite Phänomen der Nahrungsmittelknappheit und der steigenden Energiepreise führte in Südafrika zu den Unruhen. Dabei überrascht es nicht, dass nun schwarze Südafrikaner gegen ihre zugezogenen Nachbarn aus anderen Staaten vorgehen. "In den Armenvierteln entladen sich jahrelange Frustration, Zorn und Neid. Die Schwachen reagieren sich an den noch Schwächeren ab," so Dr. Nyakarashi, "die Ausländer wurden zum Ventil für die Unzufriedenheit. Die Illegalen waren die einfachsten Opfer, da sie sich bislang weder an die Polizei noch an die Behörden wenden konnten."

Regionales Wohlstandsgefälle und unkontrollierte Einwanderung

Innerhalb der Region des Südlichen Afrikas herrscht große Ungleichheit. Südafrikas Metropolen sind trotz hoher Armut und Ungleichheit noch immer verlockender als die Situation in vielen umliegenden Ländern. Die Chancen in Johannesburg, Kapstadt oder Durban auf der sozialen Leiter aufzusteigen sind viel höher, und der Traum weit verbreitet. In Simbabwe, aus dem allein fünf Millionen Einwanderer stammen, herrscht seit Jahrzehnten ein brutaler Diktator, die Inflation liegt bei 1.000.000 Prozent und ein Ende der Misere ist nicht in Sicht.

Das benachbarte Mosambik erholt sich nur langsam von einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg, in den ländlichen Regionen gibt es weder Schulen noch Arbeit. Und in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) terrorisieren Milizen die Menschen. Südafrika erscheint im Vergleich damit wie ein Paradies und der Zuschlag für die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 lässt das Land weltweit als Musterbeispiel für Frieden, Stabilität und Demokratie in Afrika erscheinen. Auch wenn das Bild in den Armenvierteln anders aussieht.Doch das wird ja nur selten gezeigt.

Hohes Gewaltniveau

Die internationale Öffentlichkeit in Südafrika reagierte schockiert auf die Bilder aus den Townships. Doch das hohe Gewaltniveau am Kap ist nicht neu. Schon vor den jetzigen Ausschreitungen führte das Land weltweit die Mord-, Vergewaltigungs- und Kriminalitätsstatistiken an. Die Gründe liegen in der langen Tradition der Gewalt, die schon mit der Kolonisation begann und über die gesamte Apartheid noch intensiviert wurde. "Die Übergriffe lassen sich direkt aus unserer Geschichte von Rassismus und Unterdrückung ableiten," so der Vorsitzende der südafrikanischen Menschenrechtskommission Tseliso Thipanyane. So erfolgreich die junge Demokratie auch sein mag, sie trägt mit der Apartheid ein schweres Erbe.

Die südafrikanische Regierung hat nun die Armee in die Townships entsandt, um die Polizei zu unterstützen und die Lage zu stabilisieren. Bislang wurden mehr als 500 Tatverdächtige festgenommen. Den Opfern wurde das Versprechen gemacht, auf eine Überprüfung ihrer Aufenthaltsgenehmigungen zu verzichten. Präsident Thabo Mbeki verurteilte die Aggressionen scharf.

"Die vergangenen Taten verstoßen gegen unsere Überzeugungen und Werte. Jahrzehntelang haben wir mit unseren afrikanischen Brüdern und Schwestern friedlich zusammen gelebt," so der Präsident, "wir werden alles in unserer Macht stehende tun, die Not der Bevölkerung zu lindern. Dabei werden wir Gewalt, Plünderung und Zerstörung niemals tolerieren."Jérôme Cholet war im vergangenen Jahr Hospitant im Johannesburger Büro der Friedrich-Ebert Stiftung und arbeitet als freier Autor mit Schwerpunkt Afrika, Lateinamerika und Naher Osten. Themen sind Armut, Gerechtigkeit und Gewalt.

Jérôme Cholet war im vergangenen Jahr Hospitant im Johannesburger Büro der Friedrich-Ebert Stiftung und arbeitet als freier Autor mit Schwerpunkt Afrika, Lateinamerika und Naher Osten. Themen sind Armut, Gerechtigkeit und Gewalt.

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