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Behauptet wird, richtig ist

Karsten Wiedemann • 23. September 2008

Die Behauptung stimmt, zumindest bis jetzt: Nach einer Studie des Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung ist der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen drei Jahre an den meisten Beschäftigen, Rentnern und Beziehern von Sozialleistungen vorbeigegangen. Von der Konjunktur profitiert haben demnach ganz überwiegend Bezieher von Gewinn und Vermögenseinkommen. Nach Berechnungen der IMK-Wissenschaftler sind die realen Nettolöhne von 2005 bis 2008 um 3,5 Prozent gesunken. Die Wirtschaftsleistung ist in dieser Zeit um rund neun Prozent gestiegen. "Es ist nicht nur ein mehrheitliches Gefühl der Bevölkerung, dass sie vom Aufschwung nicht profitiert. Es ist Realität. Trotz eines gut dreijährigen Konjunkturaufschwungs ist die reale Einkommenssituation vieler Haushalte heute schlechter als zuvor", heißt es in der Studie. Die Gründe sind vielschichtig. Zum einen fielen Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren eher bescheiden aus. Hauptfaktor dürfte aber die Inflation sein. Sie stieg im Juli 2008 auf 3,3 Prozent, und erreichte damit den höchsten Stand seit 1993. Zu Buche schlagen hier neben der Mehrwertsteuererhöhung vor allem die kräftig gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise. So ist der Preis für Heizöl im vergangenen Jahr um fast 60 Prozent gestiegen, der für Benzin und Diesel um 15 Prozent, Milchprodukte waren 18 Prozent teurer. Fazit: Tatsächlich sind die Einkommen in den letzten Jahren mehrheitlich stagniert. Die Gründe hierfür lagen aber zum größten Teil außerhalb staatlicher Handlungsmöglichkeiten. Die Preise für Benzin, Gas oder auch Milch lassen sich eben nicht gesetzlich verordnen. Es gibt aber Hoffnung: Zum einen sinkt sich der Ölpreis wieder und scheint sich auf einem mittleren Niveau einzupendeln. Zum anderen treten Arbeitnehmer in den Tarifabschlüssen wieder selbstbewusster auf. Das Statistische Bundesamt verzeichnet erstmals seit Jahren wieder deutlich mehr Lohnabschlüsse über vier Prozent. Ein Risikofaktor bleibt jedoch die derzeit schwächelnde Konjunktur.

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