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Der NPD entgegentreten

Edda Neumann • 23. September 2008

Wochenschau-Verlag

Nach dem Einzug in die Landtage von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern strebt die NPD nun auch im Westen den Sprung auf die landespolitische Bühne an. Nach dem gescheiterten Verbotsverfahren erscheint der kürzlich diskutierte zweite Versuch leider fraglich. Nicht zufällig behandelt das Buch genau 88 Fragen und Antworten zur NPD. Steht doch die Zahl 88 in der Neonaziszene als Code für das doppelte H "Heil Hitler". Algemeinverständlich vermittelt dieser Band nach dem Frage-Antwort-Konzept den aktuellen Forschungsstand und die neusten journalistischen Rechercheergebnisse. Die Kürze der Kapitel lässt eine rasche Orientierung zu. Alle wichtigen bzw. aktuellen Aspekte aus Politik, Programmatik und Personals der NPD werden dennoch angesprochen. Zielgenau weisen die 44 Autoren nach, dass die "Parteiphilosophie" dominante Bezüge zu faschistischen Vorbildern, Weltbetrachtungen und politischen Überzeugungen besitzt. Demzufolge wird die NPD zu Recht als neonazistisch bezeichnet. Aufstieg und Fall Die Entwicklung der NPD wird chronologisch aufgearbeitet. Bereits 1964 begann der Aufstieg dieser umstrittenen Partei. Weit mehr als die Hälfte aller NPD-Anhänger waren ehemalige NSDAP-Mitglieder, die häufig hohe leitende Positionen in der NS-Hierarchie eingenommen haben. Eine steigende Anhängerzahl und den Einzug mit insgesamt 61 Abgeordneten in sieben Landtage konnte die NPD in ihrer Anfangsphase verbuchen. Schon 1968 gab es erste Diskussionen in Politik und Öffentlichkeit um ein Verbot der NPD. Das führte zur Wahlniederlage der NPD bei der Bundestagswahl 1969. Mit knapp 4,3 Prozent verpasste die NPD den Einzug in den Bundestag. Damit wurde der "Abstieg in die Bedeutungslosigkeit" in den folgenden 25 Jahren besiegelt. Die Neue Rechte Die anfänglichen Erfolge erklären sich daraus, dass es der NPD mit gezielten Kampagnen beispielsweise gegen "Langhaarige" oder "bolschewistische Krawallmacher" gelang, genügend Wählerstimmen zu gewinnen. An die Stelle des Antikommunismus ist heute ein Antiamerikanismus mit antisemitischer Tendenz getreten. In der Öffentlichkeit gaukelt die NPD Bürgernähe und soziales Engagement vor. Auch das Auftreten und das Erscheinungsbild ihrer Anhänger hat sich mittlerweile verändert: Das Image vom glatzköpfigen Neonazi wurde abgeschüttelt. Der seriös und unscheinbar auftretende Parteianhänger gibt nun den Ton an. Trotz dieses neuen Anstrichs pflegt die NPD weitreichende Kontakte zur neonazistischen Szene. Alle Schönfärberei täuscht nicht über die längerfristigen Ziele der NPD hinweg. Oftmals lassen sich diese nicht mit den demokratischen Grundsätzen hierzulande vereinbaren. Im Parteienjargon wird vom "Abwickeln" des demokratischen Systems gesprochen, um eine autoritär geführte"Volksgemeinschaft" aufzubauen. Von vornherein ausgeschlossen werden die Interessen von Minderheiten und eine demokratische Konsensbildung. Antworten und Tipps In den insgesamt 12 Kapiteln spannen die Autoren einen sehr weiten Bogen: von der historischen Entwicklung über eine Analyse der Weltanschauung, der politischen Strategie und den "Kampf um die Straße" und die Parlamente, das Verhältnis zur Gewalt, das Führungspersonal, Geschichtsverständnis und Infrastruktur bis hin zu den Verbotsdebatten. Alle 88 Fragen werden verständlich und greifbar beantwortet. Am Ende gibt es noch einige Tipps, wie jeder Einzelne sich im Alltag gegen die NPD oder rechtsextremes Gedankengut behaupten kann. Insgesamt eine sehr hilfreiche Publikation für den Einstieg in diese Thematik, sehr gut auch für den Schulunterricht bzw. zur Aufklärungsarbeit an Schulen geeignet. Edda Neumann Fabian Virchow, Christian Dornbusch (Hrsg.): 88 Fragen und Antworten zur NPD, Weltanschauung, Strategie und Auftreten einer Rechtspartei - und was Demokraten dagegen tun können, Wochenschau Verlag, 336 Seiten, 24,80 Euro, ISBN-13 978-3899743654.

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