Noch immer haben die wenigsten Frauen ein Einkommen mit dem sie sich eine eigenständige Existenz sichern können. Denn während die Frauenerwerbsquote in den vergangenen drei Jahrzehnten
deutlich stieg, ist das Arbeitszeitvolumen für sie gesunken. Immer mehr Frauen arbeiten Teilzeit. 64 Prozent betrug der Frauenanteil an Minijobs im ersten Quartal 2006. Vollzeitbeschäftigte
Frauen sind zudem doppelt sooft von niedrigen Löhnen betroffen wie vollzeitbeschäftigte Männer.
Berechtigte Forderungen
Aus diesem Grunde fordern die ASF-Frauen einen Mindestlohn, wie ihn bereits 20 EU-Staaten umgesetzt haben. Wie auch der deutsche Frauenrat legen sie deren Höhe bei 7,50 Euro fest. Nur so
könne dem Sozialdumping auf dem Arbeitsmarkt ein Ende bereitet werden. Die Frauen machen sich stark für eine Tarifpolitik, die eine gerechte Entlohnung von Männern und Frauen garantiert. Und zwar
nach dem Grundsatz: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. So genannte Frauenberufe im Bereich Erziehung Bildung und Gesundheit wollen sie aufgewertet wissen, traditionelle Rollenmuster bei der
Berufs- und Studienwahl abschaffen. Die Ganztagsbetreuung müsse ausgebaut werden, damit die Frauen Erwerbsarbeit und Karriere mit Familienaufgaben vereinbaren könne.
Langjährige Traditionen
Die ASf-Frauen erinnerten mit ihrer Aktion zugleich an den Ursprung des Weltfrauentages, die Streiks der Textilarbeiterinnen in New York am 8. März 1857 und am 8. März 1908. Schon damals
kämpften die Frauen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, 1908 zum ersten Mal unter dem Motto "Brot und Rosen". Am 17. August 1907 fand in Stuttgart die 1. Internationale Frauenkonferenz
statt.
Der erste offizielle und internationale Frauentag war das Ergebnis einer Resolution zur Ehrung der Bewegung für die Rechte der Frauen und dem Bemühen um weltweites Wahlrecht für Frauen,
welche auf der Internationalen Konferenz Sozialistischer Frauen 1910 in Kopenhagen auf Initiative von Clara Zetkin verabschiedet wurde. Begangen wurde er am 19. März 1911, einen Tag nach dem
alljährlichen Gedenktag für die Gefallenen der Revolution von 1848. Millionen Frauen in Deutschland, Dänemark Österreich der Schweiz und den USA beteiligten sich. Seither gab es den Frauentag
jeweils zwischen Februar und April.
1921 legte die 2. Kommunistische Frauenkonferenz der 8. März als Internationaler Frauentag festgelegt, als Erinnerung an den Textilarbeiterinnenstreik in Petersburg, der 1917 die
Februarevolution ausgelöst hatte (der 8. März ist nach dem alten russischen Kalender der 23. Februar).
1932 gab es in Deutschland den vorerst letzten Frauentag. Die Nazis ersetzten ihn durch den Muttertag. In der DDR wurde der Frauentag seit ihrer Gründung 1949 als "Kampf- und Ehrentag"
gefeiert. Die Frauenbewegung im Westen entdeckte ihn in den späten 60ern wieder.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete 1977 eine Resolution, in der jedes Land aufgefordert wurde, entsprechend seiner historischen und nationalen Traditionen einen
Tag des Jahres als Internationalen Tag für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden vorzuschlagen. Die meisten Länder wählten den 8. März. Sie wurden aufgerufen, die Diskriminierung von Frauen
zu beseitigen und bessere Bedingungen für die vollständige und gleichberechtigte Beteiligung an der sozialen Entwicklung zu schaffen. Dies war ein Ergebnis des Internationalen Jahres der Frauen
(1975) und fiel in die UNO-Dekade für Frauen (1976-1985), die beide von der Generalversammlung ausgerufen wurden.
Dagmar Günther







