vorwaerts-online: Herr Baake, Sie haben der Bundesregierung Untätigkeit beim Klimaschutz vorgeworfen. Warum?
Rainer Baake: Unser Vorwurf lautet, dass in den beiden für den Klimaschutz wichtigen Bereichen "Stromerzeugung" und "Verkehr" die Weichen falsch gestellt werden. Wenn zugelassen wird, dass
die derzeit geplanten 26 neuen Braun- und Steinkohlekraftwerke gebaut werden, dann entsteht für die nächsten 50 Jahre eine CO2-Last, die in einem unauflösbaren Widerspruch zu den gerade in Brüssel
beschlossenen Klimazielen steht.
Effizienzverbesserung ist gut, aber sie allein reicht nicht. Erst durch einen Brennstoffwechsel von der besonders klimaschädlichen Braunkohle zu Steinkohle und von Steinkohle zu Erdgas sind
Fortschritte bei der Emissionsminderung im erforderlichen Umfang zu erzielen.
Von den hohen Emissionen im Verkehrsbereich kommen wir nur runter, wenn wir endlich aufhören, besonders klimaschädliche Dienst-Limousinen auch noch steuerlich zu subventionieren. So schafft
nämlich der Finanzminister künstliche Nachfrage nach den falschen Autos - mit dem Geld vieler Steuerzahler, die sich solche Autos nie leisten können.
Bis zum Jahr 2020 soll der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 laut
EU-Beschluss um 30 Prozent sinken. Ist dieses Ziel nach derzeitigem Stand
überhaupt zu erreichen?
Das Angebot der EU-Regierungschefs lautet: minus 30% in Europa bis 2020, und minus 60 bis 80% bis 2050, wenn andere Industriestaaten mitziehen. Für Deutschland hat der Bundesumweltminister
-40% bis 2020 angeboten. Wenn das keine leeren Versprechen seien sollen, dann muss jetzt gehandelt werden. Die erneuerbaren Energien werden bis 2020 den Atomstrom ersetzen.
Dieselben Leute, die heute Braunkohlekraftwerke mit den höchsten Klimalasten in den Markt drücken wollen, erzählen uns gleichzeitig wir müssten aus Klimaschutzgründen die Laufzeiten der AKWs
verlängern. Mehr erneuerbare Energien, mehr Klima schonende Gaskraftwerke, mehr Kraftwärmekoppelung - so lassen sich Klimaschutz und der Ausstieg aus der gefährlichen Atomkraft gleichzeitig
realisieren.
Wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung ist der CO2-Ausstoß in
Deutschland im vergangenen Jahr gestiegen. Lassen sich Wirtschaftswachstum
und Klimaschutz überhaupt vereinbaren?
Wenn wir ein altes Braunkohlekraftwerk durch Anlagen ersetzen, die gleichzeitig Strom und Wärme produzieren und als Brennstoff Erdgas einsetzen, dann vermindern wir die Emissionen um mehr als
70%; wenn wir Sonne, Wind und Wasser einsetzen, sind es sogar 100%.
Wirtschaftswachstum und Klimaschutz passen sehr wohl zusammen, aber nur mit den richtigen Technologien.
Interview: Karsten Wiedemann
www.duh.de







